Was würde Sisyphos tun?

Tage wie dieser verleiten dazu sich hinzuschmeißen und wie ein Kleinkind zu toben, weil es den Lutscher nicht bekommt. Was ist passiert? Ein Team arbeitet lange, viel und hart um ein Ziel zu erreichen (entleert die MailBoxen, Kundenanfragen alle auf ZERO, keiner wartet oder drängt auf Antwort.. ) nur damit man sich genüsslich einigen anderen Tätigkeiten widmen kann, z.B. neue FAQ schreiben, lange liegen gebliebene Nebenjobs angehen, anderes Zeugs was auch wichtig ist und doch in der PrioList leider nur zu häufig unter den Tisch fallen muss.

An einem Punkt also freuen sich alle gute Arbeit geleistet zu haben, man ist gelöst, locker und sogar entspannt, tatsächlich GESCHAFFT! Bis…..ja bis man feststellt….da fehlt aber was. *bumms* An andere Stelle hat sich unerkannt ein neuer Berg aufgetan, der nun sofort abgetragen werden muss/soll. Die ganze Vorarbeit quasi umsonst. Frust, Niedergeschlagenheit, Zorn, Wut, Müdigkeit….argh. Kein menschlicher Fehler, schlichte aber verdammte Technik die unbemerkt ausgerechnet jetzt nicht so funktioniert, wie sie es Wochen und Monate zuvor problemlos getan hat.

Man denkt direkt, „hört denn das nie auf?“ Man weiß die Antwort in dem Moment, indem man die Frage formuliert hat. Nein es hört nicht auf. Wie Sisyphos rollt man ’seinen‘ persönlichen Fels Tag-ein-Tag-aus den Berg hinauf, nur um zu sehen wie er auf der anderen Seite wieder runter rollt. *hmpf* Tage wie heute möchte man aus dem Gedächtnis tilgen können, überblenden mit was anderem, schönen, lieben, netten, freundlichem. Der Tag heute tat mir weh.

Auf der Heimfahrt bei Dire Straits – Brothers in Arms reflektierte ich und stellte mir ernsthaft die Frage: „Was Sisyphos wohl tun würde, wäre er heutzutage im Software-Support-Business tätig?“ Verzweifeln!? Weil wir machen das nicht direkt für die Liebste, wir machen das um den Lebensunterhalt zu verdienen, zu helfen, zu lernen…. wir schieben keine Felsen, wir versuchen Menschen mit Wort oder Schrift zu helfen, die allein nicht zurecht kommen (wollen). Und was ist mit Tahanotos? Sinngemäß müsste der heutzutage als Liquidator auftreten. Wer braucht das – muss nicht sein, bleib bloss weg.

Sisyphos
Bild von Barbara Henniger

Wer war Sisyphos?

Man beantwortet mehr oder weniger intelligente Fragen, teilweise in dem Bewusstsein, „der kommt sicher wieder, egal wie ich die Hilfe ausformuliere“. Man gibt dennoch sein Bestes, immer und immer wieder. Man es gern, hofft man doch auch, dass beim gegenüber lernkurvenmäßig etwas hängen bleibt. Einzig auf den Schoss setzen würde das Problem letztlich endgültig lösen und das geht (gottlob) nicht. Das Ganze alles schafft jeden mit der Zeit. Man wird für sich im stillen Kämmerlein irgendwann brastig, man sucht sich dann eine wehrlose Wand und schaut wer zuerst zurückzieht. Dann geht es wieder……danke Wand…..du hast zwar gewonnen, aber von uns beiden geht es mir jetzt wieder deutlich besser. Der Brass ist weg – klassisches Supporterschicksal……was sonst. Ich mach das seit 25 Jahren, ich kenne das. Es tritt periodisch auf und nennt sich auch urlaubsreif, pausenfällig, have a break – now! Es gibt auch für alte Kundendienstaffen (insider: old monkey) wie mich immer wieder Tage, an denen mein dickstes und dichtestes Fell urplötzlich blanke Stellen zeigt. Das Alter, die stetige Abnutzung, was weiß ich. Das wächst auch wieder zu, keine Frage…..das geht normalerweise schnell…..so jedenfalls kann ich mich nicht ausstehen. Was eigentlich immer hilft ist positives Denken. Morgen ist ein neuer Tag und das Fell sicher wieder dichter. Wehe wenn nicht, die nächste in Frage kommende Wand habe ich mir schon ausgesucht. Und wehe die schlägt zurück. 🙂

Gut Nacht.

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