wer nicht hören will

Vor einiger Zeit fragt mich ein Bekannter ob ich ihm beim Kauf eines neues Rechners zur Seite stehen könnte. Die telefonische Bedarfsermittlung ergab:

  • er möchte im Internet surfen
  • er möchte ‚E-Mail‘
  • er will DVD schauen
  • er will Texte schreiben
  • er will nicht spielen

Er würde gerne das neue VISTA haben, weil es ja so toll aussähe. Er hätte das auf der Cebit 2008 gesehen. Wenn ich so was schon höre… aber es ist schließlich sein Geld. Dennoch bat ich ihn zu bedenken, ob er denn wisse, was er sich da kaufen will? Ob er VISTA denn schon mal vorher intensiver gesehen hätte, als bei einer Präsentation auf der Messe? Nein, gibt es denn davon auch Testversionen? Und wenn ja, kann er das auf seinem alten PIII überhaupt installieren? Wohl kaum, er arbeitet derzeit noch mit einem alten Windows ME, was ich seinerzeit sorgsam installiert habe und bisweilen immer noch ‚pflege‘.

Testversionen von VISTA? Nicht das ich wüsste, er möge sich VISTA doch bitte vorher einmal in einem der großen Eletromärkte genauer anschauen, ein bisschen herum klicken, sich Sachen genauer anschauen und so. Wir haben in Wiesbaden schließlich 3 davon. (Nebenfrage: Wozu eigentlich? Gehören doch sowieso alle zum gleichen Konzern). Ebenso lud ich ihn ein, sich entweder bei mir mal Linux zeigen zu lassen, oder sich eine kostenlose Livs-CD zu laden. Die liefe auf seinem PII recht schnell. Dazu gab ich eine kurze Erklärung, was genau eine Live-CD ist und wie das funktioniert. Es gäbe mittlerweile PCs und Laptops schon mit vorinstalliertem Linux. Die seien günstig und kommen mit wenig potenter (damit letztlich auch günstigerer) Hardware sehr gut zurecht. Vielleicht ergäbe sich sogar die Möglichkeit seinen alten PIII temporär um zurüsten (Dual-System). Kostengünstiger ginge es kaum und er hätte Zeit und Möglichkeit objektiv eine Entscheidung zu fällen. Er signalisierte Einverständnis, hörbar erfreut um meine Ratschläge und er wolle sich wieder melden.

Nach 3 Wochen rief er gestern an, dass er nun den neuen Rechner hätte. Ein guter Freund hätte ihm konträr zu mir sofort zu VISTA-Ultimate geraten. Es sei das beste System überhaupt, Linux wäre nur scheiße und er solle gleich in der BlödMarkt gehen, die hätten derzeit tolle Schnäppchen. *hmpf* Prima, soll ich nun Schulter klopfen? Ich frage ohne Unterton, ob er denn nun zufrieden sein? Oh weh, er hätte ihn nun schon eine Woche, aber es sei alles so langsam, ständig kämen irgendwelche Warnungen und Meldungen die er nicht inhaltlich und ursächlich nicht verstünde, er hätte manchmal kein Internet und überhaupt er zweifele die Richtigkeit seiner Entscheidung nun rückwirkend an.

Die Frage ob der das Gelumpe denn zurückgeben möchte, kann/mag er nicht beantworten. Ich beginne ob seiner daraufhin andauernden Nörgeleien leicht genervt zu werden. Was will er nun von mir? Ich solle bitte zu ihm kommen und helfen zu verstehen, was er nicht verstehe. Es schmeichelt mir, doch er soll sich bitte dort Hilfe holen wo er das Zeug gekauft hat. Der BlödMarkt könne nicht helfen, da war er schon. Ich frage nach Supportleistungen im PC-Paket. Die gäbe es nicht, weil das ein Billig-PC ohne derartige Sonderleistung wäre. Was ist mit Nachkauf? Ginge angeblich nicht. Ich vermute still eher seinen Geiz als Hemmnis. Und was ist mit seinem „Fachfreund“? Der könne ihm auch nicht helfen, er verstünde nichts von PCs. *lol* Die Computerbild hätte gesagt, VISTA sei wesentlich besser als Linux. Super, Klasse – Vollidiot!

Nun eröffne ihm ihm, dass ich bewusst kein VISTA einsetze, ich mit dem Kram nichts zu schaffen habe und versuche ihm zu erklären, wie man Google und das Internet (mit dem alten PC) zur Information und Fehlerbehebung richtig nutzen kann. Er jammert weiter, das habe er schon versucht, er könne sich nicht helfen, bräuchte meine kompetente Hilfe wie schon oft in der Vergangenheit usw. Ich werde weicher, habe aber dennoch keine Lust mir das ans Bein zu binden. Ich weiß von ihm, dass wenn er im Karstadt ein fehlerhaftes Elektrogerät gekauft hätte, er den Aufstand im Laden proben würde, nur damit sein Recht als Kunde gewahrt würde. Warum macht er das nicht hier auch?

Wie schaffe ich mir das also vom Hals? Ich bin offen und ehrlich: Ich mag mich mit VISTA nicht länger beschäftigen, als ich es seinerzeit tat, als ich die Entscheidung auf Linux umzusteigen fällte. Es gibt VISTA-Foren im Internet, es gibt VISTA-Bücher, Volkshochschule usw. , er möge sich bitte anderweitig um Hilfe bemühen. Ich bin der Falsche für diesen Job hier (was ja auch irgendwie stimmt). Ich hätte ihm vorher versucht zu helfen, ich sehe nicht wie und was ich nun hier noch tun könne. Es täte mir leid, dass ich ihn abweisen würde, aber er möge bitte Verständnis haben. Auch ich kenne mich mit VISTA nicht genügend aus, um anderen davon etwas beizubringen.-Pause- Er nennt mich Arschloch und knallt den Hörer auf.

Hey denke ich mir, das ist fast wie im Büro mit ‚meinen‘ normalen Kunden, dabei bin ich doch in Urlaub. Ich rufe ihn sofort an und frage, ob das denn hätte sein müssen? Er meint, das hätte ich mir verdient, weil ich ihn ins offene Messer laufen ließe und ihm nicht helfen würde. häh? offenes Messer? Spinnt der? Er fängt das toben an, ich solle nicht rumsülzen sondern ihm gefälligst helfen. Nun sage ich „blödes Arschloch“ und lege auf. Ich hoffe ehrlich nie wieder von ihm zu hören. Und falls Du das hier liest, „schieß in den Wind – du Spacken“. Irgendwann ist auch bei mir mal Schluss.

zisch ab

[Bild © sublevel / www.pixelio.de]

2 Gedanken zu „wer nicht hören will

  1. Das ist ja echt ein starkes Stück! Aber dafür hast Du genau die richtige Überschrift gewählt.
    Ich muss aber ehrlich sagen, dass ich mich auch nicht trauen würde, von Windows, das man ja inzwischen ganz gut kennt, auf ein völlig neues Betriebssystem umzusteigen. Vielleicht wurde der Rat deshalb nicht beherzigt. Das rechtfertigt aber natürlich nicht diese unverschämte Reaktion.

  2. Er hat sich zwischenzeitlich entschuldigt, aber er kann mir dennoch gestohlen bleiben obwohl ich diese angenommen habe, weil ich eine berechnende Absicht unterstelle.

    Zum Umstieg: Trau Dich ruhig, es ist nicht schwer. Ich verstehe auch nicht alles was da vor mir passiert. Wenn man will, kann wenn richtig tief einsteigen, muss es aber nicht. Diese Live-CD von Ubuntu oder anderen Linux-Distributionen sind wirklich eine tolle Sache. Geht man offen und aufmerksam an die Sache dran, stellt man am Ende fest, was einem besser gefällt und/oder eher zusagt. Die „Kenntnisse“ kommen von selbst mit der Zeit. Das ist alles sehr viel intuitiver gebaut als Windows es jemals war. OOder wurdest Du mit Deinem heutigen Wissen um Windows schon geboren? 😉 Ich versuche nicht zu missionieren, aber Vielfalt hat für mich einen Zweck.

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