Wieso ist das nicht verglüht?

Auf einem Bauernhof in Australien ist ein 20 Kilogramm schweres Stück Weltraumschrott eingeschlagen. Das Metallobjekt von der Größe eines Automotors landete vermutlich bereits im November im Bundesstaat bei Queensland. Australische Wissenschaftler identifizierten den Klumpen, den Landwirt James Stirton erst jetzt in einem abgelegenen Feld fand, als Weltraumschrott. Es bestehe kein Zweifel, dass es sich um den Teil einer Rakete handele, mit der Satelliten in den Weltraum befördert werden, sagte der Direktor des Planetariums in Brisbane, Mark Rigby. Vermutlich habe der Farmer den Helium- oder Stickstoff-Tank einer Rakete gefunden, die vor gut eineinhalb Jahren in den USA gestartet sei. Es sei nicht ungewöhnlich, Weltraumschrott auf der Erde zu finden. „In der Erdumlaufbahn sind wahrscheinlich rund 5000 Tonnen an ausgedienten Satelliten und Müll-Teilen unterwegs“, sagte er.

Der Landwirt, dessen 40.000-Hektar große Farm bei Cheepie rund 800 Kilometer westlich von Brisbane liegt, hatte die US-Weltraumbehörde Nasa informiert. Die konnten das Teil aber nicht auf Anhieb identifizieren. Inzwischen kümmere sich die amerikanische Aerospace Corporation um den Fall. [Quelle: tagesschau.de]

Schrott aus dem All

Ernsthaft jetzt – hätte dieser Brocken nicht verglühen müssen? Wenn ich mir vorstelle, so ein Ding kommt genau dort runter wo ich gerade stehe…..man könnte paranoid werden..

/*Auszug aus einem Report von raumfahrer.net*/

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Gefahrenpotenzial auf dem Boden

Von selbst befreit sich der Orbit nur überaus langsam von seiner Last. Je größer die Höhe, desto länger wird sich ein Stück Weltraumschrott in der Umlaufbahn befinden. Teile in Orbits unter 600 Kilometern fallen normalerweise schon innerhalb einiger Jahre zur Erde zurück. In Bereichen von 800 Kilometern Höhe wird die Zeit des Niedergangs oft in Jahrzehnten gemessen und oberhalb der 1000 Kilometer-Marke wird der Schrott normalerweise 100 Jahre und mehr die Erde umkreisen. Der Satellit Vanguard 1 ist laut NASA das älteste Stück Weltraumschrott, und dieser wurde immerhin bereits 1958 gestartet.

Tritt er jedoch in die Erdatmosphäre ein, übersteht ein Großteil des Schrotts den Wiedereintritt auf Grund der großen Hitzeentstehung nicht, sondern verglüht. Komponenten, die diesen Weidereintritt überstehen, fielen bisher meist in die Ozeane oder in spärlich besiedelte Gebiete wie die kanadische Tundra, den Australischen Outback, oder Sibirien. Seit den letzten 40 Jahren fiel durchschnittlich ein katalogisiertes Teil pro Tag auf die Erde zurück, insgesamt also 14.600 in diesem Zeitraum. Dabei gab es laut NASA keine ernste Verletzung oder einen deutlichen Eigentumsschaden. Das Risiko, auf der Erde von Weltraumtrümmern verletzt zu werden, ist mit 1 zu 1 Billion sehr gering, sogar deutlich geringer als die Wahrscheinlichkeit, in den USA von einem Blitz getroffen zu werden (1 zu 1,4 Millionen).

Der im April 2000 über Südafrika zusammen mit einem Drucktank aus Titan und einem Motorteil wiedereingetretene Delta II-Treibstoff-Tank. Und doch gibt es spektakuläre Beispiele für die Rückkehr riesiger Schrott-Teile: Im Januar 1997 wurde in Texas ein 250 Kilogramm schwerer Treibstofftank gefunden, der Teil einer Delta II-Rakete war. Ein weiterer Treibstofftank gleicher Bauart und vom gleichen Raketentyp wurde im April 2000 bei Kapstadt entdeckt.

Unterhalb von 2000 Kilometern existiert die größte Anzahl an Schrott-Teilchen, wobei sich konzentrierte Vorkommen bei 800, 1000 und 1500 Kilometern Höhe befinden. Über die Verbreitung der Trümmerteile in geostationären Orbits bei 36.000 Kilometern Höhe weiß man nichts sehr genaues, hier sind die Möglichkeiten zur Identifizierung begrenzt. Wahrscheinlich ist jedoch, dass die Verbreitung dort geringer ist. Seitdem aber auch hier erhöhte Betriebsamkeit herrscht, heben viele Raumfahrzeugbetreiber ihre alten Satelliten am Ende ihrer Mission in höhere Entsorgungs-Bahnen.

weltraumschrott

Der im April 2000 über Südafrika zusammen mit einem Drucktank aus Titan
und einem Motorteil wiedereingetretene Delta II-Treibstoff-Tank. (Bild: NASA)

 

Um also die Menge an Schrott zu verringern und damit die Sicherheit maßgeblich zu erhöhen, ist ein umfassendes weltweit akzeptiertes Rahmenwerk von Nöten. Der Bedarf zu diesem internationalen Verhaltenskodex wird immer anerkannter, nachdem individuelle Bemühungen einzelner Staaten zu wenig Erfolg führten, und die Zahl der Trümmerteilchen erheblich steigt. Das Inter-Agency Space Debris Commitee (etwa Agentur-übergreifendes Weltraumschrott-Komitee, IADC), zu dem die Raumfahrtagenturen von China, Frankreich, Deutschland, Indien, Italien, Japan, Ukraine, Großbritannien, der USA und Russland sowie die ESA gehören, hat 2002 Richtlinien zur Verminderung von Weltraumschrott erstellt. Damit werden Nutzer der Erdumlaufbahn verpflichtet, die kommerziell sehr wertvollen Zonen des niedrigen Erdorbits und der geostationären Umlaufbahnen zu schützen. Die in der Richtlinie enthaltenen Anforderungen beinhalten zum Beispiel eine Begrenzung von Müllentstehung während der normalen Operationszeit, das Verhindern von absichtlichen Raketen- oder Nutzlast-Zerstörungen sowie die korrekte Entsorgung von Raumfahrzeugen und Oberstufen. Typischerweise bewegt man diese in einen so genannten Friedhof-Orbit oder lässt sie kontrolliert in der Erdatmosphäre verglühen. [Quelle: raumfahrer.net]

/*Auszug Ende*/

Korrektur: *gulp*

3 Gedanken zu „Wieso ist das nicht verglüht?

  1. Hi,
    danke für den Bericht, war sehr schön zu lesen. aber müßte der Weltraumschrott nicht wirklich verglühen??? Leider habe ich da keine Antwort in dem Bericht gefunden.

    MfG

    Michael Finger
    Holztechniker

  2. Eine wirkliche Begründung/Erklärung warum das Zeugs nicht verglüht, findet sich auch in dem Report nicht, vollkommen richtig. Aus unerfindlichen Gründen verglüht nicht halt alles. Ist es das Material, die Zusammensetzung, oder was auch immer, ich finde keine wirklich hilfreiche Erklärung.

    Dieser Report ist auch weniger als Erklärung, als denn zur zusätzlichen Information gedacht. Außerdem finde ich diesen beängstigenden 250kg Brocken beeindruckend. *schauder*

    gruß

  3. Danke für die Antwort, dachte es gäbe eine Erklärung dafür???

    Ja, es ist schon beängstigend mit was wir uns selber schaden zufügen können.

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