der typisch deutsche Kunde?

Der eigentlich typisch Deutsche ist weitläufig der, der fortwährend am jammern ist. Unzufrieden mit sich und der Welt und abgrundtief spießig. Ständig am Lederhosen tragend, Bier trinkend und auf der Straße marschierend. (Kein Scherz, manche Briten sind wirklich auf der Spur). Oder ist es der, der unwiderstehliche Leder-Sandalen, braue Mustersocken, kurze beige-farbe Hosen, kurzes Nylon/Perlon-Hemd Träger? ‚Wir‘ werden von außen bisweilen sicher sehr skurril wahrgenommen, dennoch ist auch sicher was dran. Die Ballermanfraktion lasse ich mal außen vor.

Ich habe heute noch eine Seite erlebt, der „unnütz-auf-sein-Recht-pochende“ Deutsche.

Mich erreicht also gestern ein Schreiben eines Anwalts, in dem dieser die Vertretung des Herrn A. (Anm.: Name frei erfunden) deklariert. Kein Hinweis um was es geht, wer Herr A. ist oder sonst einen Ansatz, nur das er Herrn A. vetritt. Schön, ich freue mich für ihn und überlege zu antworten, um ihn um seine Mandantschaft zu beglückwünschen und ihn meiner besten Wünsche für seinem weiteren Lebensweg zu versichern. Ich lass es aber, weil 1. deutlich zu bissig und 2. war gestern nicht so richtig mein Tag. Gut wenn man es noch merkt.

Ab in die Ablage, schade um den Baum, den man wegen dir gefällt hat. Wie viel Holz man wohl sparen könnte, wenn man derart nutzlose Briefe vermeidet, oder schlichtweg E-Mail nutzt? Na ja egal. Mittags kam dann ein neuer Brief, eben von dem besagten Herrn A. Aha, es folgt also die Aufklärung. Also einmal lecker Kaffee gekocht und dann lesen was denn diese Beiden von uns möchten.

Herr A. hätte etwas gekauft und es nicht bekommen. Das ist natürlich nicht im Sinne des Erfinders und muss umgehend korrigiert werden. Auf der anderen Seite kann es auch eine Panne bei der Überweisung gegeben haben, eine fehl geschlagene Verifizierung der E-Mail oder so was was in der Art. Dazu muss man wissen, man kauft bei uns hauptsächlich via Internet, die Abwicklung findet dann per E-Mail und Download statt.

Heutzutage kann es durchaus schon mal passieren, dass ein übereifriger Spamfilter die E-Mail mit dem Freischaltcode und/oder dem Download frisst. Da man ja drauf wartet, sollte man das binnen weniger Minuten eigentlichgewhar werden, wenn etwas schief gelaufen ist. Dann gibt es eine publizierte kostenlose Rufnummer oder man kann auch eine E-Mail schreiben. Dennoch ist es aus Sicht des Kunden ärgerlich, wenn es passiert. Aber eigentlich/letzlich ist es nicht unbedingt unser Problem, wenn der Mensch seine Technik (sprich Spamfilter) nicht im Griff hat. Deswegen gleich einen Anwalt einschalten? Deutsch halt – erstmal auftrumpfen, versuchen Eindruck schinden und dann letzlich den kaputten Ballon machen und die mühsam angestaute Luft doch wieder raus lassen.

Ich forsche also nach, was/wann und ob Herr A. bestellt hat und auch ob Herr A. den Missstand bereits an andere Stelle anzeigte. Fehlanzeige. Keine Kommunikation, kein Kaufvorgang von Herrn A. zu finden. Ich grabe tiefer in der Datenbank und finde auch dann nichts. Der Mensch ist bei uns komplett unbekannt.

Der Anwalt kann/möchte nicht mit mir reden,ist nicht da. Ich rufe Herrn A. an und schaffe es tatsächlich das er mich nicht an seinen Anwalt verweisst. Ich frage ihn also was er bei uns gekauft haben will und wann. Wir reden kurz und stellen fest, das wir das Produkt das er vermisst nie im Portofolio hatten und er das falsche Unternehmen abmahnt. Na ja, dann sollen wird das halt vergessen, *klick*

Ich bin wirklich perplex. Fehler passieren, keine Frage aber beim Erkennen so gar keine Entschuldigung oder ähnliche Bedauernsbekundung? Nichts, nur *klick*.

Der Anwalt hat eine Frist gesetzt. Soll ich ihn jetzt anrufen oder schauen was passiert? Eigentlich kann es mir wurscht sein, ich koche mir einen neuen Kaffee und lege das Ding beiseite. Es ist mir wurscht. So ein Aufwand für nichts. *kopfschuettel*

Was hätte ein Brite gemacht?
Er hätte unsere WebSeite nach allen verfügbaren E-Mail Adressen durchsucht und jeder eine umfassende Erklärung dessen geschickt, was er vermisst. Das er sehr enttäuscht sei und umgehend einen Anruf fordert.

Was hätte ein US-Mensch gemacht?
Er hätte in 6-8 Worten beschrieben, dass er sich betrogen fühlt, sowie mit weiteren 8-10 Worten die Kontaktaufnahme des Sales-Directors, des Managing-Directors und des Anwalts gefordert.

Man kennt seine Pappenheimer. 😉

passt scho

[Bild © berwis / www.pixelio.de]

3 Gedanken zu „der typisch deutsche Kunde?

  1. Rüdiger, natürlich weißt Du, dass Du in jedem Fall eine schriftliche Stellungnahme dem Anwalt schicken musst. Und zwar mit einer Art „Telefon-Protokoll“, das das Gespräch mit Herrn A. in etwa wiedergibt. Mit Datum und Uhrzeit. Natürlich per Einschreiben.

    Stell Dir vor, was mir kürzlich passiert ist. Ich bekam Anfang März ein Schreiben von der Amstanwaltschaft Frankfurt. Darin wurde mir mitgeteilt, dass das Ermittlungsverfahren gegen mich wegen Betruges (!) eingestellt worden sei.
    Waaas? Ermittlungsverfahren? Betrug? Ich war mir keinerlei Schuld bewusst und mein Adrenalin-Spiegel stieg beträchtlich.

    Ich rief sofort (und zitternd) den unterzeichnenden Amtsanwalt an und es stellte sich heraus, dass es um eine Ebay-Auktion ging (Saxofon-Blättchen, die mein Liebster versteigerte, aber über mein Bankkonto abgerechnet worden waren). Es ging um die Summe von sage und schreibe 12, 21 Euro!

    Mein Mann hatte irrtümlich 10 Blättchen angeboten obwohl er nur noch fünf davon hatte (so in etwa), konnte also die 10 Blättchen nicht liefern. Es war sein Fehler, keine Frage. Er bot daraufhin Ersatz an, den wollte aber der Kunde nicht haben, er wollte sein Geld zurück, das er in sehr drastischen Worten einforderte (er war des deutschen nicht so richtig mächtig, aber die Kraftausdrücke kannte er schon…). Einige Mails gingen hin und her. Schließlich wollten wir seine Kontonummer wissen, damit wir das Geld zurück überweisen konnten. Als die dann endlich kam, habe ich die 12, 21 Euro zurück überwiesen. Damit, dachten wir, hat sich die Sache erledigt. Weit gefehlt.

    Offenbar hat dieser Mensch mich (da er nur meinen Namen aufgrund der Kontodaten hatte) wegen Betruges angezeigt. Er muss also zur Polizei gegangen sein. Die hat den ganzen Fall aufgenommen, meine Adresse ermittelt und sicherlich auch die horrende Schadenssumme registriert. Dann geht das ganze zur Staatsanwaltschaft und weiter seinen Gang. Unglaublich – wegen gut 12 Euro, die zudem auch noch längst bezahlt waren!

    Hinzu kam noch, dass angeblich zwei Schreiben – von der Staatsanwaltschaft und von der Polizei zwecks „Anhörung“ an mich verschickt worden seien, die ich aber nie erhalten habe.

    Dem Staatsanwalt war das alles fast selbst schon peinlich und er versuchte mich so gut es ging zu beruhigen, da ich vollkommen aufgelöst war. Es habe kein Nachspiel für mich, es sei auch nicht im Führungszeugnis verzeichnet, da käme rein gar nichts mehr nach, die Schadenssumme – zumal bezahlt – sei ja lächerlich.

    Was kann man daraus lernen? Man weiß nie, auf welche Idioten man im Netz trifft!

    Trotzdem hat mich das Ganze schwer geschockt und wirkt immer noch irgendwie nach.

  2. Wenn der Amtschimmel einmal trabt….oh man.. tut mir leid davon zu lesen. eBay war vor 2-3 Jahren ein toller Platz, aber heute macht das alles keinen wirklichen Spaß mehr dort. Dann doch lieber wieder Samstags auf den Flohmarkt gestellt, oder in eines der kostenloses Anzeigenblättchen annonciert.

    Danke für den Hinweis, Du hast vielleicht Recht, indem ich dem dem Anwalt noch ein nettes Breiflein schreiben sollte. Schade das ich keine Kostenote beilegen darf. Obwohl, so ein wenig sticheln würde die Beiden ja noch schon gerne…. 😉

  3. Bring die bloß nicht auf Ideen!
    Den Sachverhalt einfach sachlich schildern und klar stellen. Wer weiß, wozu Du diese Dokumentation noch mal brauchst. Wir sind hier im deutschen Bürokratismus!

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