Baldrianbrötchen

Samstag ist es mir erlaubt zum Bäcker zu gehen und Frühstückszeug zu beschaffen. Es ist noch ein richtiger Bäcker, also keine Aufbackfiliale, oder Brotfabrik oder was auch immer, nein wirklich und wahrhaftig ein richtiger Bäcker. Er hat auch mal schlechte Tage, dann sind die Brötchen etwas fester, das Brot etwas dunkler oder auch mal einen Tuc kleiner, aber immer lecker. Man kennt sich nun mehr seit 15 Jahren, tratscht auch mal ein paar Worte über dies und das. Alles sehr entspannt und urban dort. Man spricht übrigens überwiegend hessisch. Sehr geil am frühen Morgen, weil es hilft dem müden Kopf auf die Sprünge, zuhören ist ein Muss, sonst verpasst man womöglich Anweisungen oder Ansagen. Die Göttergattin leidet Eingangs des Wochenendes an spontan partieller Bewegungmüdigkeit, sprich sie bleibt faul im Bett liegen bis Frühstückszeugs verzehrgerecht offeriert wird. Sonntags wechselt die Krankheit dann überraschenderweise zu mir. *hüstel*

Der samstägliche Gang zum Bäcker meines Vertrauens fand heute schon gegen 08.15 Uhr statt. Sonne und schönes Wetter draußen, Tür stand offen, kleine Schlange im kleinen Laden mit Ende Schlange vor dem Laden. *bäh* Die mir vertraute Bedienung im Laden ist ’sehr‘ deutlich hörbar. Ich mag sie trotz Ihrer Lautstärke sehr, eine etwas ältere, robuste und doch sehr herzfrische Person. Ich drängle mich kurz entschlossen an der Außenschlange vorbei, weil ich es hasse vor einem Laden in der Schlange zu stehen. Dabei ist der Laden innen groß genug, man hat wohl nur Sorge keine Schlange bilden zu können und dann womöglich die heilige Reihenfolge der Bedienung zu brechen. Dabei sind es doch die Briten die eine gewissen Freude beim queueing (=Schlange stehen) empfinden.

Ich ernte beim „darf ich bitte vorbei“ zwei wirklich böse Blicke von 2 Männern gehobenen Alters. Sag ich was? Ja, besser ist das wohl. „Keine Sorge ich drängle mich nicht vor, ich mag nur im Laden warten.“ Sichtbares Ausatmen meiner Blickfeinde, Kopfnicken, Einverständnis,…. was geht denn hier los? Die Herzfrische ist fix wie immer, routiniert und bedient jeden in gleich freundlicher Manier, kurzer Schwatz über den-dies-und-das, die andere Leute mischen sich ein, alles ist mir eigentlich zu laut und zu viel, aber so ist das um 8.15 Uhr hier. Ab 09.00 wird es dann ruhiger. Ich stelle mich um die Ecke im Laden und lehne mich an die Wand um zu demonstrieren, das ich wirklich warten werde bis ich dran bin. Die Schlange wird zügig kürzer und minimiert sich auf 3.

Plötzlich hustet einer meiner Blickfeinde überlaut und heftig. Dabei schaut er mir großen vorwurfsvollen Augen auf den anderen Blickfeind, der frech seine Bestellung der Herzfrischen zuruft. Die erkennt sofort den Ernst der Situation und fragt den Hustenden sofort, ob er denn dran sei. Er: „eischendlisch ja, awer des mischt nix, gewwe sem soi zaich, ’s werd jo net so long brauche.“ Dabei fuchtelt er abwiegelnd mit der rechten Hand. Sie bedauert die Reihenfolge nicht berücksichtigt zu haben und will den unfreiwlligen Drängler nun weiter bedienen. Der jedoch dreht sich zum Huster, „nä, vordrängele du isch misch net. Machese äst den herrn do färdisch„. Die Herzfrische ist sichtlich verwirrt und weiß nicht so recht. Sie wendet sich dem ehemaligen Huster zu, um seine Bestellung anzuhören. Der weigert sich wiederum, „ei jetz gewwe se sem doch sai zaich, isch watt so long.“ Die Herzfrische ist am Ende, weiß nicht wer oder wie. Nun fangen die beiden Sandalenträger in vorherig beschriebener Manier an sich gegenseitig den Vortritt lassen zu wollen. Der Herzfrischen friert derweil das Gesicht ein und schaut zu mir, wir sind beide genervt, die benehmen sich wie Waldorf und Stettler, nur ohne lustig.

[Bild © unbekannt]

Während der Ton der Mustersockenmenschen in Ihrer diskutierten Höflichkeit etwas an Schärfe zunimmt, kann ich mir nicht verkneifen, nun auch mal zu husten. „Bis Sie sich geeinigt haben, werde ich dann meine vorbestellte Tüte nehmen“. Die Herzfrische geht eilfertig zum Regal findet meine Tüte und legt Sie auf der Theke ab. Ich traue mich aber nicht diese anzufassen, ich werde gerade von 4 Augen zu Pulver verdampft. „Ja was?“ Ich bin wirklich genervt. „Wenn Sie beide hier um die Uhrzeit einen Debattierklub gründen müssen, muss ich nicht warten bis Sie beide damit fertig sind. Ich will meine Tüte und heim. Dauert noch keine 10 Sekunden und Sie können weiter machen.“ Die Herzfrische ist verlegen, lächelt zudem unsicher und lässt ihre Hand unauffällig in Richtung der Kasse wandern. „Ei so ged des jo net. Warum drängle se sisch jetz do vor? Was solln des?“ Mein Nervlevel nimmt zu, am frühen Morgen schon, argh… die Herzfrische gibt mir mutig mein Wechselgeld in die Hand und tritt zurück, in Erwartung eines Faustkampfes vielleicht? „Also des is jo wärglisch unmöglisch das se sisch do jez vordrängle misse, nur weil mer uns net einisch sin.“ Beide spontan vereint sind sie beide gleich entrüstet über mein unglaubliches Vorgehen. „Um ehrlich zu sein, es ist mir völlig egal, ich gehe jetzt frühstücken. Viel Spaß noch beim Vortritt lassen üben.

Ich drehe mich um und verlasse alle höflich grüßend den Laden und einer schimpft mir doch tatsächlich nach. Dem Drang mich umzudrehen und dem einen Spinner sein Schimpfwort wieder zurück in den Hals zu drücken, widerstehe ich relativ leicht. Ich bin im Herzen ein friedlicher Mensch, es ist außerdem zu früh um sich aufzuregen, ich mag nur frühstücken und meinen Kaffee. Ob es wohl bald Baldiranbrötchen gibt?

[Bild © kunstgriff / www.pixelio.de]

Wie nennt man eigentlich männliche Zicken wohl am besten? Zicker, Zickerich?

5 Gedanken zu „Baldrianbrötchen

  1. Meckerkopp trifft es wohl nicht ganz..Aber genauso wünscht man sich doch seinen Samstagmorgen, wenn man nichtsahnend aus dem Haus geht. 😉

  2. Ei hosche se ma, Härr Rüdischer, so geht des abber werklisch net. Nur weil da zwei Hernn e bissje dispudirn tun, muss mer sisch ja net derart danebe benemme. Die wolle doch aach bloß frühstücke. Un jetzt müsse se sisch erst e mol über Sie uffresche!
    Werklich, isch muss de Kopp schüttele!

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