damals 1991

Wie war das damals? Alles verdrängt…gut verdrängt. Gestern bin ich eher zufällig in der Flimmerkiste an einer Sendung hängen geblieben. Eigentlich wollte ich mich müde schauen, war aber zu früh im Bett und dann ein Herz für Lilli. Die Sendung beschreibt erschreckend wie ein krankes Kleinkind vorher und dann später mit einem Spenderherz lebt.

Eine Mutter der man die Angst um Ihr Kind ansieht und dennoch versucht Haltung zu bewahren. Warum versucht Sie das? Das Kind merkt davon nichts, es lebt vor sich hin. Die viele Technik macht die Kleine nicht nervörs, sie kennt es nicht anders. Das Kind lacht. Wie kann es blos lachen? Die Mutter leidet und zerbricht stückchenweise, ich glaube es zu sehen. Muss man das filmen? Doch die Mutter hat einen Dickkopf und will sich nicht abfinden, liebe sie solange es dauert…..wir kennen das. Verdammt. Muss der Film wirklich sein? Ich will schalten und kann nicht. Die beste Tochter von allen hat uns ganz zu Anfang richtig Angst gemacht. Das kleine junge Herz wollte nicht, schon als sie noch gar nicht geboren war. Wir hatten solche Angst, so viel Angst. Ich sehe Lillys Eltern, ich sehe uns. Ich sehe uns im gleichen Krankenhauszimmer sitzen so wie die Eltern von Lilly. Ich hasse diese Erinnerungen. Geht wieder weg. Die dauernde Frage: Haben wir morgen noch ein Kind? Was tun wir wenn sie es nicht schafft? Was können wir tun um sie zu behalten, ihr helfen, sie retten. Wie soll es weiter gehen falls…..? Bitte kämpfe kleine Maus, hilf uns, bleib da, tut doch was mein Gott, helft uns. Sie kämpft, wir sind jenseits des Randes und können schon lange nicht mehr. Wir warten irgendwie. Leben dumpf in den Tag hinein und warten. Liliys Mutter schöpft Hoffnung, sie hat den richtigen Arzt. Wir lernen unsensible und brutale Ärtze kennen, doch auch barmherzige, liebevolle und sanfte Schwestern. Die beste Tochter von allen kämpft, sie kämpft immer weiter und lässt sich nichts gefallen. Von keinem. Wir fassen ein jeden Tag ein neues Quentchen Mut und rappeln uns hoch. Sie ist klasse und macht immer weiter. Endlich ein Arzt der weiß und uns hilft. Er drückt die richtigen Knöpfe und tut das richtige. Danke, wer immer diesen Mann geschickt hat. Endlich. Lilly bekommt überraschend ein neues Herz. Die Mutter lacht. Lilly lacht. Unser Arzt kämpft auch, zieht uns mit, holt uns aus dem Tal und sie lacht. Sie lacht endlich. Sitzt und lacht. Lilly geht es auch schlagartig besser, viel besser. Ich sehe Bilder, viele alte Bilder, die Mutter ist glücklich und froh. Wir tragen nach schrecklicher Zeit unseren einzigen Schatz nach Hause. Hoffentlich nie wieder, endlich… danke. Machs gut Lilly. Danke für die Erinnerung. Es war ist ein Geschenk.

8 Gedanken zu „damals 1991

  1. oh….mir kamen die Tränen…so schön geschrieben, so sanft und stark zu gleich.
    Es ist gut zu wissen das das eigene Schicksal nicht einzigartig ist, in gewisser weise schon, aber es gibt Mut und Kraft von Anderen zu lernen, es gubt Unterstützung.
    Danke, (schade das ich nicht ferngesehen habe).
    LG

  2. danke für dieses große stück herz, ich hab einen kloß im hals von so viel leben pur, wenn auch traurig, aber mit happy end… jetzt hast du deiner verdrängung platz gemacht! es hat sicher auch gut getan das zu schreiben…

  3. @bonafilia
    danke für Deine Anteilnahme.

    @Hilli
    Es hat gut in der Tat getan. irgendwie. Nach all den Jahren sind die Erfahrungen und Erinnerungen immer noch erschreckend lebendig. Auch Dir danke für die Anteilnahme

  4. Dein Bericht ruft in mir (un)schöne Erinnerungen hervor. Unschön, weil wir uns so hilflos gefühlt haben und das ganze Gefühlschaos der Eltern durchgemacht haben, die ihrem Kind nicht wirklich helfen können. Nur da sein, die Hand halten und versprechen, dass alles wieder gut wird. Schöne Erinnerungen, weil alles gut geworden ist und diese Zeit nur noch eine Erinnerung ist, die uns jedoch sehr geprägt hat. Auch, wenn es nicht um ein neues Herz ging, sondern um eine gesunde Lunge.

    Diese Erinnerungen rufen in mir gleichzeitig ein Gefühl der größten Hilflosigkeit hervor und im nächsten Moment ein Gefühl von absolutem Glück …

    Danke für diesen Einblick.

    Diesen Film hätte ich nicht sehen können. Ich ertrage es einfach nicht, leidende Kinder zu sehen …

  5. @Frau W.
    Du/Ihr werdet sicher ebenfalls genug traumatische Erinnerungen übrig haben. Aber gottlob sind sie drüber hinweg…..

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.