immer schön vorsichtig

Aufgrund der morgendlichen Bequemlichkeit fahre ich gewöhnlich mit dem Auto den Berg hinunter zum Bäcker. Da wir auf einem Hügel wohnen, fällt mir die Entscheidung hierzu recht leicht, hätte ich echt keine Lust den Hügel morgens wieder hochzuwandern. Heute morgen fahre ich also für die frischen Brötchen hinunter, begleitet von einem dieser PS-Panzermonster, ein Audi Q7. Also hinter mir taucht dieses blecherne Ungetüm auf, gelenkt von einer augenscheinlich sehr zierlichen Frau. Mein Rückspiegel zeigt über dem Lenkrad den gerade noch so hervorlugenden blonden Schopf einer Frau. Das Ding im Rückspiegel macht mir irgendwie Angst, also der Panzer meine ich. Sie fährt ziemlich dicht auf, weil ich mich an die hier vorgeschriebene 30km/h halte, sie mit den vermeintlich hunderten von Pferdestärken vor sich, kann diese wohl kaum bändigen. Ist mir egal, soll sie mich doch überrollen.

Vermutlich wegen der Ferienzeit wird in an zahllosen Stellen in Wiesbaden an den Strassen gefrickelt. Die Strasse hinunter ins Örtchen gehört auch dazu, etwas abschüssig ist ein ca. 1,5m breiter Schacht, quer über die gesamte Breite der Strasse gebuddelt worden. Dieser wird derzeit von diesen dicken schweren Stahlpanzerplatten verdeckt, über die locker auch große LKWs donnern können. Die Platten sind etwas in den Teer der Strasse eingelassen, dennoch sieht man deutlich Unebenheiten. Wir fahren also auf diese verdeckte Grube zu, ich mit den vorgeschriebenen 30km/h, sie kaum weniger als 2 meter hinter mir, immer wieder heult ungeduldig der Motor auf. Überholen tut sie nicht, Platz dafür hätte es deutlich genug. Feigling.

Ich fahre auf die Grube zu und fahre einfach weiter. Es rumpelt und klickert und klackert, das kleine Schwarze ist nun mal nicht mehr das Jüngste, daher darf das schon so klingen. Was mich aber auch daran erinnert, dass ich die Schrauben am Beifahrersitz überprüfen muss. Da ist manchmal so ein lästig penetrantes Quietschenden, von reibendem Metall-auf-Metall-Zirpen, was mich schon lange nervt. Na egal, plötzlich wird es lichter im Rückspiegel, der Kühlergrill des Panzermonsters ist nicht mehr bildfüllend hinter mir. *stutz*

Madam hat vor der Grube angehalten und passiert im langsamst möglichen Schritttempo und sehr vorsichtig die verdeckte Grube. Echt jetzt, selbst wenn die Platten sich verschieben würden, alleine durch den Eigenschwung würde der Eimer drüber rollen. Abgesehen davon, dass ihre Reifen auch so schon über die Grube rollen könnten. Aber immer schön langsam, man kann ja nie wissen. Ich musste herzhaft grinsen.

[Bild © geralt / www.pixelio.de]

2 Gedanken zu „immer schön vorsichtig

  1. Solche Monsterviecher werden nur von zierlichen Frauen gefahren (im Fall des Porsche Cayenne wird sogar der Innenraum passend zur Sommermode bestellt).
    Ich erinnere mich, dass mir meine Ex-Chefin (1,55 Groß, ca. 45 KG schwer) immer in einem Grand Cherokee entgegenkam. Schlingernd. Mit einer Hand telefonierend.

    Hatte ich jedesmal eine Angst, selbst in meinem damaligen Volvo! War richtig froh, als sie bei Rot über ne Ampel gedonnert ist und Fahrverbot bekam.

    Im Ernst, die REIFEN des Autos waren höher als die Fahrerin, die ohne die Ausklappleiter nicht mal in die Kiste reingekommen wäre.

  2. …ohne die Ausklappleiter nicht mal in die Kiste reingekommen wäre.

    hehe, sehr schönes Bild.

    Wie früher als James die hölzerne Trittstufe am Pferd aufstellte, damit Madam stilvoll aufsteigen konnte. 😉

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