Das Ende des Müßiggangs

Falls jemand dieses Wort als solches nicht kennt:

Müßiggang ist das Aufsuchen der Muße, das entspannte und von Pflichten freie Ausleben, nicht die Erholung von besonderen Stresssituationen oder körperlichen Belastungen. Er geht z. B. mit geistigen Genüssen oder leichten vergnüglichen Tätigkeiten einher. [quelle: wikipedia.de]

Auch die kurzweiligste und schönste Zeit geht vorüber. Vor 3 Wochen habe ich mein Hamsterrad angehalten und morgen beginnt es wieder sich zu drehen, unerbittlich und ohne Gnade. Das Erste was geschah, dass mich der plötzliche Halteruck erst einmal nach vorne warf, logisch weil zuviel Schwung. Dann bin ich nach hinten gefallen und liegen geblieben. So. Und dann?

[Bild © Dirk Schelpe / www.pixelio.de]

Ganz zu Anfang habe ich mich dann bloggend gefragt, was für mich zum Urlaub gehört und dabei diese Handliste erstellt:

  • keinen festgelegten Tagesablauf zu haben => mehr in den Tag hinein leben
  • keinen Zeitdruck für ganz normale alltägliche Tätigkeiten verspüren
  • schlafen, lesen, träumen, gammeln, spielen
  • Freizeit nach Laune genießen und ohne auf die Uhr zu schauen
  • nur auf sich und seine Lieben achten
  • im Café sitzen
  • in die Wolken schauen
  • (viel) Sonne und (noch mehr) Wärme
  • Salzwasser
  • Shopping

Bis auf das Salzwasser und … alles geschafft. Nebenbei erwähnt haben wir uns vorgenommen, es muss das nächste Jahr wieder ans Meer gehen. Wohin genau ist noch nicht raus, wir finden uns derzeit noch. Mein Ansatz wäre Malta, sie mag die griechischen Inseln. Hauptsache viel noch mehr warm, noch mehr Sonne, viel Salzwasser und weit weg.

Was habe ich noch gemacht, um mich wieder einigermaßen gegen das überdrehende Hamsterrad zu wappnen?
Um es kurz zu machen, alles was wenig mit Business zu tun hat. Ich habe mich hie und da rein thematisch mal gekümmert, aber das war es auch schon. Das schlechte Gewissen hielt sich erschreckend hartnäckig. Deswegen ist wegfahren vielleicht doch besser, man kümmert sich nicht weil woanders. Wobei mir das viele Geld eigentlich jetzt schon leid tut. Wenn ich persönlich mal Geld in die Hand nehme, möchte ich auch gerne etwas dafür bekommen und behalten. Urlaubserinnerungen sind schön und auch wertvoll, aber für die Flüchtigkeit zu teuer bezahlt. Mit dem Geld (das werden alles in allem sicher ~3.000 Euro werden) können wir was Schöneres, im Sinne von etwas Dauerhafterem anschaffen. Aber ach was mach ich mir jetzt solche Gedanken, was weiß ich schon was in einem Jahr ist oder sein könnte. Es muss nur Pech dazu kommen und der Zahnarzt müsste tätig werden. Da die Krankenkassen kaum noch mehr als das wirklich unbedingt notwendige zahlen, sind größere Sachen wie Kronen Brücken oder Implantate mittlerweile richtig teuer geworden. Oder einer von uns müsste beim Optiker. Der langt ja auch richtig hin, wenn man den Anspruch hat, nicht auszusehen wie Rapunzel bei den Laienfestspielen in Klein-Körtznach. Zusatzversicherung, ja sicher. Dennoch kostet es Geld was dann an anderer Stelle fehlt… anyway, ich drifte wieder ab.

Die lichten Stellen im Fell sind jedenfalls wieder schön zugewachsen und ziemlich dicht. Das dauert bis da wieder was durch kommt (hoffe ich zumindest). Meiner Hausstrecke habe ich erfolgreich gestrotzt und das fast jeden 2.Tag. Darauf bin ich stolz. Mein Ziel mit weniger Gewicht aus dem Urlaub wieder zurückzukommen, habe ich sicher geschafft und sogar noch mehr. Es fühlt sich an als habe ich mich innerlich an der Herausforderung  (also dem Laufen auch im Urlaub) wieder aufgerichtet. Sehr komisches Gefühl. Das ist sicher wieder so ein Männerding „ich habe gewonnen, weil nicht aufgegeben“ so in der Art. Hab ich auch nicht!

Mit der Gattin in Ruhe und im Alltag kaum machbaren Ausführlichkeit durch die Fußgängerzonen zu strunzeln hatte auch etwas. Mal wieder gemeinsam einen Alltag haben und genießen zu können, ohne ständig vor hier nach dort zu müssen, habe ich wirklich vermisst. Die letzten 3 Wochen nicht. Die beste Tochter von allen machte sich ziemlich rar. Es gibt sicher besseres als mit den ollen Ollen herum zu hängen. Schade, früher war es kompletter. Aber das muss wohl auch dazu gehören, ob man es mag oder nicht.

Viel – sehr viel gelesen habe ich, leider keine Bücher sondern hauptsächlich Blogs. Ich habe wieder sehr schon Sachen in meiner Feedreader-Queue zur Sichtung, ob es sich lohnt dort länger zu lesen. Immer wieder sehr spannend das Ganze. Warum lese ich eigentlich keine Bücher mehr, nur noch meine Magazine (c’t, Linux-User und Linux-Magazin). Ich lese kaum noch auf Papier. An nicht nerdiger Literatur auf Papier mangelt es mir gar komplett. Den Stoff lasse ich gar gleich vorlesen. Seit Jahren verhöhnt mich schon der Wälzer „Der Klang der Zeit von Richard Powers“ aus dem Schrank heraus. Den hatte ich mir vor 3 Jahren zum Urlaub auf Krk gekauft, es aber nicht geschafft auch nur die erste Seite aufzuschlagen. Lesen ist was feines, wenn ich mir die Ruhe dafür gönnen kann. Das muss ich unbedingt wieder lernen, mich in Ruhe auf Texte einzulassen und sie mit Genuss studieren zu wollen. Das fehlt mir.

Ich denke ich bin soweit mich wieder ins Business zu stürzen. Der Montag wird holperig werden, weil ich mich nicht aufraffen kann heute das Laptop an zuschalten um die Mails abzurufen. Ich mag nicht, es würde mir nur den schönen Tag versauen, ich weiß es. Das halte ich schon noch bis morgen aus.

Auf meine Leute im Büro freue ich mich, die habe ich vermisst. Ich hoffe ich bin wieder frisch genug.

[Bild © mkdesign / www.pixelio.de]

Ungewohnt aufregend wird das Pendeln werden, weil ich testweise den kompletten August mit Bahn und Bussen pendeln werde. Der Fahrplan ist gesichtet und fertig zur Nutzung, nun muss nur die Bahn vernünftig spuren. Ich weiß, dass dies ein frommer Wunsch ist und auch bleiben wird. Aber immer noch besser als das ich mich weiterhin an der Zapfsäule ärgere.

Schlaft gut. Wir lesen uns.

P.S. Ich bin kein BlogBot.

5 Gedanken zu „Das Ende des Müßiggangs

  1. Falls Euch der wiederkehrende Anblick von Batiklappenträgern nicht allzuviel ausmacht, könnte Euch mein bevorzugtes Urlaubseiland gefallen: Viel mehr Meer geht nicht, Berge gibt es gleich dazu, Regenwald obendrein. Hohe Berge, tiefe Täler und Sonne satt.

  2. Die Gedanken, dass die Urlaubserinnerungen einfach zu teuer bezahlt werden müssen, halten mich auch von größeren Reisen ab. Wenn ich im Nachhinein überlege, was wir mit dem Geld (lang) vergangener Reisen hätten dauerhaft anschaffen können… oh je. Ich will nicht darüber nachdenken. Dafür sind die Erinnerungen erstaunlich frisch, obwohl die Reisen gut 10 Jahre her sind.

    Wünsche dir einen nicht zu stressigen ersten Arbeitstag und hoffe, dass dich das Hamsterrad nicht gleich wieder komplett verschlingt.

  3. @buchstaeblich
    isotonischen Urlaub? 🙂 Wo ist das?

    @Frau W.
    Merci. Ich werde mich mich Händen und Füssen zu wehren wissen. 🙂

  4. 3 Wochen Urlaub sind ja schon eine kleine Ewigkeit. Und irgendwie vermisst man doch seine Arbeit oder besser gesagt seine Kollegen/in . Urlaub hin oder her. Irgendwann muss man ja wieder ran. Dann wünsche ich Dir schon mal viel Spaß mit den Öffis 🙂 besser als immer teuer zu tanken!

  5. @Ecki
    Jo 3 Wochen sind eine lange Zeit, aber die waren nötig. Level war Ende der Reserve. Und ja die Kollegen …. die tägliche Portion Unfug ging mir ziemlich ab. Nach dem ersten Tag kann ich zumindest schon mal feststellen, dass ich meinen vermissten Gleichmut wieder habe, das ist schon mal was.

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