einpendeln

Tag eins im Pendelexperiment.

Ich habe keinesfalls vor jeden Tag im Detail hier auszubreiten, das wäre mir dann doch zu blöd. Also alles in allem habe ich heute am ersten Tag nichts zu beklagen. Der Bus, der Zug, die U-Bahn waren alle pünktlich und haben ihrer Bestimmung gemäß das getan, was sie sollten.

Und wie geht es mir? Um es kurz zu machen, mir ist komisch zumute.

Es sind so viele Menschen um mich herum, dass bin ich länger als eine Aufzugsfahrt wirklich nicht mehr gewöhnt. Alles rennt immer irgendwie, schubst und drängelt andere zur Seite. Baldrick hilft mir vortrefflich mich von der aufkeimenden Ungemütlichkeit abzulenken. Das wird noch ein kleiner Kampf werden, bis ich damit wirklich umgehen kann.

Die in Frage kommenden Züge beginnen alle in Wiesbaden, insofern kann ich mir die Plätze aussuchen und es wird erst später voller. Meine Mitpendler sind ziemlich gemischt, viele Schlipse und Anzüge, Köstümchen und Hochhackige. Viele haben mit auch einen Knopf im Ohr, lesen Zeitung, Bücher schlafen weiter, vermutlich übliches Pendlerdasein. Die Gattin hat mir eine Mini-Thermosflasche für Kaffee besorgt, was sehr praktisch ist. Brauche ich mir so nicht den teuren Bahnsteigkaffee zu kaufen. Ich spare wieder. 🙂

Bis auf das ich heute morgen etwas ziellos im Frankfurter Bahnhof herumirrte, weil ich den Zugang zur U-Bahn nicht sofort fand und dann letztlich am falschen Bahnsteig stand *räusper*, ging alles reibungslos und glatt. Beim hinterherschauen habe ich eingeprägt, besser auf die Banhsteigbeschriftung zu achten. Die U-Bahnen fahren gottlob im 5 Minuten Takt. Wegen des ‚Verlaufens‘ war ich dann erst um 8.45 im Office, also ~1 Stunde später als sonst. Kompletter Fahrtweg: 1.75h. Morgen geht es besser.

Der Rückweg war dann schon ein anderes Kaliber. Die Bahn hat ihren Job wieder fehlerfrei getan, ich denke der Spaß mit denen kommt erst später, im ‚Alltag‘. Was jedoch so alles an Passagieren einsteigt, treibt es einem die Sorgenfalten auf die Stirn.

Ich bin jetzt nicht unbedingt schmächtig oder so einfach zur Seite zu drängen, aber mit welcher Vehemenz da versucht wurde mich wegzuschubsen, war schon bemerkenswert. Irgendwann ist mir dann kurz und knackig der Ellenbogen ausgerutscht, dann hat geholfen, aber gut habe ich dabei nicht gefühlt. Sich derart unflätig zu verhalten muss doch nicht sein. Es scheint zudem der Aberglaube zu bestehen, dass wenn die S-Bahn anhält niemand genügend Zeit hat ein- und/oder aussteigen. So was von unhöflichem Gedränge, sich gegenseitigen blockieren und schieben nur um nicht vergessen zu werden … echt peinlich so etwas. Erfreulicherweise leerte sich die S9 recht schnell wieder und ich konnte mir einen Platz suchen. Wenig prickelnd fand ich dann, als sich ein geschätzter 140KG Mann mir gegenüber setzte. Mir war auch warm, aber muss man unbedingt 3 Wochen Sporthalle verströmen?

Ebenso frage ich mich, welcher hinversoffene Dickpfosten auf die Idee kam, Außenlautsprecher an Handys anzubauen. Das braucht echt keiner, zumal die Nutzer der Handys einen Musikgeschmack verbreiten, der ohne weiteres als strafbewehrt deklariert werden darf. Meine Ohrhörer lassen trotz normaler Lautstärke wenig bis gar nichts durch und doch…als ich einen dieser Musikliebhaber in seinem Schwofen vertieft drauf hinweisen wollte, dass sein kratziges Gedudel extrem störe und er es bitte leiser machen möchte, hat ein 1,90 Mann hinter ihm das schon auf sehr viel eindrucksvollere Weise geklärt. Er nimmt dem Verdutzen die Krachschachtel ganz sanft aus der Hand und schaltet es schlicht aus. Ganz ruhig, ohne Hektik und Stress. Dann gibt er es ihm wieder und schaut ihn in die Augen. „Fragen?“ Keinen Ton hat er sonst gesagt, sich nur das Dudelding geholt, es ausgeschaltet und dieses Wort gesprochen. Wie geil. Solche Coolness mag ich. Der Dudelkönig hielt auch brav seine Klappe, nahm sein Handy wieder stumm in Empfang und blieb auch stumm.

Also Herr Nokia, Frau Sony-Ecrisson usw, bauen sie bitte die Außenlautsprecher von ihren Handys wieder aus. Das tut nicht Not.

Kompletter Fahrtweg bis vor die heimische Haustür: 1.25h – geht doch (ich wusste ja nun, wo alles ist. *räusper*)

5 Gedanken zu „einpendeln

  1. Die Tage, der Meine und ich mit der S-Bahn auf dem Nachhauseweg aus der großen Stadt:
    Ein Pärchen setzt sich mit einem satten Tritt von ihm auf meinen Fuß zu uns. Mit einem weiteren Tritt gegen mein Knie werden Gliedmaßen sortiert, bevor es lauthals und primitiv losgeht, unterschwellige Aggression wird immer oberschwelliger, bis man beginnt, sich gegenseitig mit Bier zu begießen, und wir aufstehen, um einen anderen Platz zu finden. Man brüllt hinterher: „Jetzt hat sie Angst, wir beschütten sie auch mit Bier!“.
    Ja! Aber mit betrunkenen Idioten diskutiere ich nicht.

  2. Ich bin auf Erfahrungen mit Betrunkenen nicht gerade erpicht. Heute war es recht interessant, also die Gisela aus Griesheim wird Ihren Mann verlassen, weil es geht nicht mehr, auch sexuell und so. So hat sie also heute im Zug per Telefon soweit schon Dispositionen getroffen, wann und wie sie Ihre Koffer unauffällig unterstellen kann, damit sie dann völlig überraschend zum Freitag aus der eigentlich wirklich sehr schönen Wohnung auszieht. *kopfschuettel* Keinerlei Gespür für Privatsphäre, respektive passender Ort und/oder Zeit und das war nur das Telefonat direkt neben mir.Die Anderen habe ich wegen der Ohrhörer gottlob nicht mitverfolgen müssen. Hätte ich gekonnt, wäre auch ich aufgestanden, aber es war zu voll.

  3. Das ist leider das Nervige, obwohl hier in NRW eine SuperKampagne gerade startet: Musik ja, aber nur LEISE! Da kann man wieder das Buch bzw. den Kurzschlaf genießen. Doch natürlich gibt es immer solche, die meinen das betrifft sie natürlich nicht. Letzte Woche war es mal wieder soweit ein Runde indische Folklore beschalte den ganzen Waggon, warum merken die eigentlich nicht wie bescheiden sich die verzerrte Mucke dadurch anhört? Naja, der nette Zugbegleiter hat sie erstmal freundlich darauf hingewiesen und danach vor die Tür gesetzt. Und es herrschte Ruhe.

    Denke so Beispiele wie auch buchsteblich anführte erlebt man immer wieder. Und das ist mehr als traurig.

    Wünsche Dir weiterhin viel Spaß mit der Bahn!

  4. Halte durch, es ist gar nicht so schlimm mit den Öffentlichen zur Arbeit (und zurück) zu fahren. Ich für meinen Teil habe den Schritt auf das Auto zu verzichten und es zu verkaufen absolut nicht bereut. Und man erlebt immer wieder was (bloggenswertes). 🙂
    Das mit den lauten Handygesprächen (und der Musik des jungschen Rappervolkes) ist leider wirklich eine unangenehme Nebenerscheinung des täglichen Bahnfahrens.
    Ich weiß nicht in welcher Sendung es war, aber ein Kabarettist meinte mal, wir müssen und keine Sorgen machen von wegen Datenspionage und Privatsphäre. Denn wir geben unsere Privatsphäre ja eh laut und deutlich jedem am Handy preis, ob der Sitznachbar es nun hören will oder nicht. Da können die Pläne der Bundesregierung ja gar nicht so schlimm sein. Recht hat er! 😉

  5. @AndiBerlin
    Danke für die aufmunternden Worte. Ich hoffe, dass ich heute Abend noch Zeit finde die letzte Woche, auch wegen des Pendelns, noch bloggend zu verarbeiten. Man macht es mir wirklich schwer, die vorgenommene Toleranzschwelle bei der Nutzung der Öffentlichen aufrechtzuerhalten, wirklich schwer.

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