Handtasche gegen Bus

Ich steige heute morgen in den überraschen vollen Bus zum Bahnhof ein. Ein Platz vorne ist noch frei, auf den steuer ich zu. Sitzt da eine alte Vettel, breit und fett, neben sich ein ebenso breites und fettes Monster an Lederbeutel auf dem Sitz. Ich stelle mich neben Sie und gebe ich so zu verstehen, das ich mich setzen möchte. Zumindest verstehen diese Art der Annäherung alle anderen Menschen nur sie natürlich nicht. Ihr Blick bleibt starr geradeaus gerichtet, ich habe sogar den Eindruck sie zwingt sich nicht zu blinzeln. Na gut, also spreche ich sie an, „könnten sie bitte Ihre Tasche hochnehmen, ich möchte mich gerne setzen.“ Ich sehe mich 2 adels verblendeten Augen gegenüber, ja Du Nuss ich habe Dich ohne Erlaubnis angesprochen. „Wie bitte?“ Es ist Montag morgen und ich muss mal wieder an eine Schreckschraube geraten. „Ich bat Sie Ihre Tasche hoch zunehmen, ich möchte mich gerne setzen“. Dreht sie sich doch um, um zu sehen ob es noch andere Plätze gäbe, rührt sich aber sonst keinen Zentimeter.

„Hallo“, sage ich, „drücke ich mich missverständlich aus? Nehmen Sie bitte Ihre Tasche weg, jetzt,“ sagt es und legte nun etwas mehr Nachdruck in die Stimme. Der Busfahrer ist übrigens einer der ruppigen Sorte, Gas geben und bremsen gibt er an die Insassen weiter. „Das geht Sie gar nichts an, bleiben Sie doch stehen.“ Eindeutig zuviel, nun werde ich krawallig und das am Montag morgen. „Entweder Sie nehmen die jetzt Tasche hoch oder ich setze mich jetzt drauf. Was soll es werden?“ Sie kräuselt die Stirn und entrüstet sich „Das ist eine Louis Vuitton Tasche. Sie werden sich ganz sicher nicht da drauf setzen.“ Es reicht mir, „nehmen Sie sie endlich hoch, bevor ich mich aufrege.“ Dabei bin ich es eigentlich schon. „Was erlauben Sie sich?“ War die promte Antwort, klare Sache von Majestätsbeleidigung meinerseits. „Schauen Sie genau hin, was ich mir erlaube,“ ich dränge ihre Beine zur Seite, stelle ich mich vor den Platz, warte eine Höflichkeitssekunde und werde mich dann nach hinten fallen lassen. Du dumme Tasche wirst gleich sterben. Sie ist doch noch fix und grabscht den hässlichen Beutel schnell unter mir weg und ich sitze. Ich drehe mich zu ihr, „geht doch. Danke.“ Dann schalte ich Baldrick an, lausche Elliott Yamin und schaue aus dem Fenster. Im Spiegelbild sehe ich sie nach Luft japsen und hektisch aufstehen. Sie wird doch nicht? Doch sie wird, sie wankt tatsächlich zum Fahrer. Mit beiden Händen krallt sie dabei ihren Beutel fest an den Oberkörper. Wie kann die bei den Fahrbewegungen so gut gehen? Egal, die Olle geht mir am Arsch vorbei.

Vorne angekommen beginnt Sie eine Diskussion mit dem Fahrer, ich stöpsle einen Hörer aus dem Ohr um zu verfolgen was da vorgeht. Der Bus ist zu laut, ich bekomme nur Fetzen mit, von wegen Nötigung und Beschimpfung. Der Fahrer schaut an der Ampel nach hinten in meine Richtung und erkennt mich. Wir fahren seit einer Woche zusammen. Er sagt etwas zur Vettel, sie wird daraufhin lilarot und zetert weiter mit ihm. Die Ampel springt um, er fährt an den Straßenrand, macht die Tür auf und bittet sie offensichtlich den Bus zu verlassen. Sie ist völlig perplex, der Busfahrer drückt auf sein Geldings neben sich und will ihr das Geld von dem vermutlich zuvor bei ihm gelösten Fahrschein geben. Sie bleibt stehen und zetert weiter. Er fährt sie an „Raus jetzt, oder Ruhe. Der Mann hat Recht. Ihr Tasche kann auch auf dem Boden stehen.“ „Das ist eine Luis Vuitton Tasche“ schrillt sie nun auch ihn, „die kann ich doch nicht einfach so auf ihren dreckigen Boden stellen.“ Mittlerweile stöhnt und seufzt es mehrstimmig im Bus. Der Fahrer sagt erneut, „Raus oder Ruhe. Sie haben 3 Sekunden.“ Sie steigt aus. Ich bin baff. Sie steigt tatsächlich aus. Wie kann man nur so auf seine Handtasche erpicht sein.

Viel schlimmer, mein Tag ist irgendwie versaut, jetzt schon. Sich schon am frühen Morgen so einen Stuss antun zu müssen, da kann der restliche Tag nur Dreck werden. Komme mir heute bloß einer richtig quer, ich bürge für nichts.

Das müsste die Tasche gewesen sein. Ein echt hässliches Ding.

Update 19.08.08:
Nach einer oberflächlichen Recherche (merci K.) bin ich komplett verunsichert. Die von mir hier abgebildete Tasche kostet wahrhaftige 52.000$ (nein, das ist kein Scherz) und wurde auch nur paar Mal gemacht. Das kann die unmöglich gewesen sein. Ich habe mich ganz sicher getäuscht.

15 Gedanken zu „Handtasche gegen Bus

  1. Nojo, das kommt doch wenigstens der Kreislauf in Wallung 🙂 Das ist übrigens einer der vielen Gründe, warum ich öffentliche Verkehrsmittel meide wie der Teufel das Weihwasser 🙂

  2. Ich schicke dir einen Appluas für deine konsequente Haltung. Und der Busfahrer wird Mitarbeiter des Jahres (bis auf seinen Fahrstil, denn spontane Vollbremsungen an jeder Ecke nerven völlig).

  3. @piri
    So eine Tasche gehört dorthin wo sie Sinn macht => als Mülleimer für Grünabfälle. 🙂

    @Frau Ährenwort
    ich verspürte tatsächlich Wallungen, unerwünschte um genau zu sein. Gottlob sind die Leute um die Uhrzeit im Bus alle mehr oder weniger die Uhrzeit genervt, aber dennoch still und nicht drauf aus, andere oder mich in Wallung zu versetzen. Also mal echt, wie verkracht muss man sein um sich derart kindisch aufzuführen….?

  4. Fein, dass Du hart geblieben bist – auch wenn es sich momentan schlimm anfühlt: Für dich war das gut. Und für die Vettel und den Busfahrer auch.

  5. Grins, wann ist das Buch fertig: Rüdigers abenteuerliche Reisen im öffentlichen Nahverkehr??? *habenwill* 😉

  6. Ja, stirb du elendige Handtasche, stirb! 😆

    Solche alten Schreckschrauben sind doch berüchtigt dafür, mit ihren Handtaschen zu zuschlagen.
    Somit hast du Glück gehabt und anstatt der Beule den Sitzplatz bekommen. Das ist doch was! 😉

  7. Alle Achtung, Du wirst ja noch zum Todfeind der Vettel-Fashionitas… hihi. Ich möcht mich jetzt schon melden für das nach dem Bestseller „Rüdigers abenteuerlichen Reisen im öffentlichen Nahverkehr“ erscheinende Hörbuch. Ein Knüller!

  8. @buchstaeblich
    Banzai! 🙂

    @Markus
    öhm, ne soweit ist es dann doch noch nicht.

    @Schildmaid
    Dieses Taschenmonster hätte die Olle im Leben nicht mit dem Schwung bewegen können, der nötig gewesen wäre um es als Schlagwaffe zu gebrauchen. Ich nenne so etwas Kinderwohnwagen ohne Rollen. 🙂

    @ri
    Du auch noch. 🙂 obwohl, wenn ich dazu phantasieren würde, bekäme ich vielleicht genug Stoff zusammen. *grübel* Im Stile eines Jules Verne, in 30 Tagen von Wiesbaden nach Frankfurt und zurück.

  9. Ahahhaa, Montage sind einfach Moppelkotze.

    Aber dein Blogeintrag ist genial wie immer… vor allem, wenn man diese gewissen Adern kennt, die bei dir gern mal anschwillen in solchen Situationen. Nette Erinnerung 😉

  10. Aua, aua , aua. So eine Schreckschraube am frühen Montag Morgen! Über das fahren in öffis müßte man ein Buch schreiben 🙂

  11. Hihi…das war der krönende Abschluss, deine Geschichte…..ich lache noch immer.
    Ich gestehe ich bin ein wahrer Taschennarr, habe jedoch keine von Louis V. , allerdings ich stelle auch keine Tasche über irgendeinen Menschen. Man das war eine echte Vettel, Kompliment an den Fahrer…der hat tatsächlich die Auszeichnung zum Mitarbeiter des Monats verdient.
    Fahre du mal schön weiter Bus und geh recht oft einkaufen dann haben wir hier immer etwas zu lachen…. Mir gefällst!

    LG ♥ -lich Bonafilia

  12. @sanna
    Merci vielmals. !Gequirlte Mopelkotze! doppelt am besten noch.

    @Ecki
    *hmpf*

    @Bonafilia
    Merci. 🙂 Der Fahrer hatte echt Schneid. Das mit den Öffentlichen will ich mir bis Ende der Woche überlegen. Ich bin mir trotz allem Unbill nicht so ganz sicher. Vielleicht habe ich noch nicht wirklich genug davon.

    Ich zwiste mich regelmäßig mit der Gattin, weil sie wieder mich immer wieder mal in die Stadt zu schleppen versucht, um die Tasche der Taschen zu finden, die zu allem und alles passt, nur 5 Euro kostet und außer ihr sonst niemand in der Welt haben kann, weil sie die einzig wahre Tasche der Taschen ein handgefertigtes Einzelstück ist. Wenn ich dann aber mal nach einem Tempo frage, ist keins da. Ich kann Handtaschen partout nicht leiden. 🙂

  13. Ja, Frauen und ihre Taschen… eine unendliche Geschichte, die ein Mann niemals nie verstehen wird. Aber das, was diese alte Vettel da gebracht hat, ist einfach nur unhöflich und hat nix mit der Magie einer Tasche zu tun. Ich würde meine Tasche niemals auf einen ollen Bussitz legen. Pah. Ich trage sie auf dem Schoss – und schon kann jemand neben mir sitzen. 😀

    Der Preis der obigen Tasche muss von mir erst mal verdaut werden. Mit derartigen Luxusgütern kann ich wirklich nichts anfangen. *kopfschüttel*

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