Blut geleckt

Das Schöne am wieder früher zu Hause sein ist auch, das ich früher auf die Piste zum laufen komme. Macht einfach mehr Spaß bei Licht und ich muss nicht so verbissen auf den Weg achten, damit ich nicht auf Wurzeln oder so drauf trete.

Ich hatte heute ein spontanes Mini-Rennen mit einer echten Klasseläuferin. Sie habe ich schön des Öfteren im Park gesehen, sie ist mindestens zwei Klassen zu hoch für mich. Sie hat einen wunderbar runden Laufstil, leicht auf dem Fuß und doch kraftvoll. Sie hat ihr Handy mit Headset dabei und telefoniert teilweise sogar, man sieht und hört es ihr nicht an. Es ist eine Augenweide ihr zuzusehen. Ich meine jetzt nicht ihre Erscheinung, die ist normal adrett. Was muss das für Arbeit gewesen sein, dermaßen fit zu werden.

Leider habe ich selten das Vergnügen länger zu beobachten wie sie läuft, da sie meist schnell wieder aus meinem Blickfeld verschwindet. Sie ist auch eine der wenigen Trainierten, die immer freundlich zurücknicken. Na ja, heute war sie langsamer als sonst unterwegs und ich dachte „häng dich mal dran“. Nicht offensiv, sondern schon mit deutlich Abstand, aber ich wollte mich nicht abschütteln lassen wie sonst. Sie sieht es und grinst mir über die Schulter freundlich zu. Toll, sie spielt tatsächlich mit. Sie forciert und ich kann nach einiger Zeit nicht mehr mithalten, sie macht also langsamer und lässt mich wieder aufschließen. Endlich kann mir ihrem sehenswerten Stil mal genauer ansehen. Ich beobachte also so genau wie es geht, wie sie und was es macht. Aufrechter Oberkörper, die Arme oben und locker schwingend, die Hände hängen lassen, Kopf gerade aber nicht steif, sanfte weiche Bewegung beim Laufen, der Oberkörper bewegt sich wenig bis kaum. Alles ist irgendwie in Bewegung und doch wieder nicht. Wie schafft sie es dabei so locker zu wirken? Sie forciert vorsichtiger und ich folge so gut es geht. Das Spielchen geht eine zeitlang aber ich komme nicht an sie heran. Wie auch? Ich wette sie kann die richtig großen Strecken laufen und ich wette auch, sie kommt so ins Ziel wie sie am Start los gelaufen ist. *hmpf*

Nach geschätzten 6km (sie läuft in dem Teil des Parks die gleiche Runde wie ich) kann ich nicht mehr und biege winkend zu einer kleinen Brücke ab, die ich gewöhnlich nach Beendigung meiner Runde für eine Dehnungsgymnastik nutze. Unten läuft die Rambach entlang, dort liegt meine Flasche Wasser zur Kühlung, ich muss etwas warten bis ich die Böschung hinunter kann, die Beine brauchen eine kurze Pause. Das war definitiv zuviel Speed für mich, aber es hat dennoch irren Spaß gemacht. Das Wasser tut gut, die Beine erholen sich. Nach etwa 10 Minuten Gymnastik breche ich dann gemütlich nach Hause auf, sie kommt immer noch so locker wie vorhin um die Ecke gelaufen. Sie lächelt mich an, läuft aber unmindert weiter. Zur Seite hält sie mir low five hin und spricht im Vorbeihuschen „well done“.  Ich klatsche ab und erwiderte reflexmäßig „Thanks Mam‘ und kurz danach war sie weg. Ein Lob, auch wenn es vielleicht nur Höflichkeit war, von so einer tollen Läuferin…. cool

Ich muss nächstes Jahr unbedingt ein Event mitlaufen. Ich habe Blut geleckt. Aber viel geht heute nicht mehr, ich muss ins Bett und die Beine hochlegen. rolleyes Gute Nacht.

[Bild © mipa / www.pixelio.de]

2 Gedanken zu „Blut geleckt

  1. laufen macht spaß… wünsche dir viel durchhaltungsvermögen beim training auf so ein event. bei mir macht der schweinehund leider nicht mit …

  2. @Andrea
    Geht nur nicht davon aus, das ich keinen Schweinehund hinter mir herziehen muss. Der Anfang ist wie so häufig mit das Schwerste, kleine sorgsam erarbeitet Erfolge sorgen dafür, dass die Leine zum _Viech_ immer länger wird. 😉

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