Platz lassen

Seit in Frankfurt diese Umweltplakette eingeführt wurde, sind gefühlt deutlich mehr Autos auf der Strasse. Vielleicht haben nun alle über diese Plakette sich erinnert ja auch ein Töff-Töff in der Garage zu haben und haben sich flugs die Plakette gekauft. Damit kauft man ja quasi die Berechtigung zum in die City fahren gleich mit. Die Gebühr muss sich auch gelohnt haben. Nun aber schnell raus, lustig auf die Strassen und sich zu den Anderen stellen, die sich derweil natürlich fragen „was zu Hölle eigentlich plötzlich los ist?“.

Dazu kommt, dass es regnet. In einer Tour kommt Wasser von Himmel. Mal mehr mal weniger, aber es kommt. Es ist aber nur Wasser, keine Steine oder Blecheimer, simples H2O. Jetzt kommen endlich die ganzen PS-Kasper und Außendienstrutscher auf Ihre Kosten. Nun können sie zeigen zu was ihre Straßenbomber alles gut sein können. Es wird geheizt und brettert, als wenn es kein morgen mehr gibt. Doch oh Schreck, das böse Aquaplaning hat ja überhaupt keinen Respekt. Das massige Heck schlingert und wackelt, dass es einem daneben fahrenden Unbeteiligten ganz flau wird. So geht das ja nicht, da drosselt der PS-Panzerfahrer doch besser mal seine 300PS, macht schön langsam, damit nichts kaputt geht. Die Kleinwagen und restlichen Straßenpöbel sind nicht wichtig, die sind nur gut für die Steuer zu zahlen. Also zieht Arschloch volle Kanne rechts rüber, steigt beidfüssig in die Bremsen und telefoniert dabei fröhlich weiter. Als Vollpfosten kümmert man sich einen Scheiß um den Rest der Welt. Hey, was solls, ist doch voll cool.

Hört zu ihr Dachpappen, ich lasse bei dem Wetter bewusst einen gewissen Abstand zum Vorderman, damit ich Platz habe zu reagieren und nicht DAMIT IHR HORNOCHSEN EURE VERWANZTEN MÜLLEIMER IN ‚MEINE‘ LÜCKE ZWÄNGT UND MICH IN ANGST UND SCHRECKEN VERSETZT.

Es kommt der Tag, da können das kleine Schwarze und ich nicht mehr gewaltbremsen und dabei auch noch ausweichen. Dann setzen wir den vielleicht nicht so ganz ernst gemeinten Rat meines Fahrlehrers dann doch um: „Im Zweifel, richtig drauf halten“.

Doch heute brauchten wir erstmal eine kurze Pause, bis die Knie nicht mehr weich waren. Das war der erste Tag seit ich aus dem Club ausgetreten bin, an dem ich mich wieder in die Uniform zurückgewünscht habe. Es ist gottlob nichts passiert, außer einem riesigen Schreck und den kurzzeitig weichen Knien. Wie immer wir das auch gemacht haben, es hätte vom Platz eigentlich nicht gehen können. Wem immer ich das Glück der Unversehrtheit zu verdanken habe, danke ich im Stillen und mit geschlossenen Augen. Falls er noch da ist, will ich ihn nicht verscheuchen.

[Bild © trent59 / www.pixelio.de]

Ein Gedanke zu „Platz lassen

  1. Oh, DAS liebe ich ja. Bei mir sind es meist Passatfahrer, die meinen Schutzengel durch so einen Mist in Anspruch nehmen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.