Eckendepp

Gehen zwei Menschen auf eine Hausecke zu. Jeder für sich und keiner sieht den Anderen. Der Eine ist mit seinem Handy beschäftigt, schaut also nach unten, der Andere hört erfrischende Musik und schaut beim Gehen einer Mutter zu, die sich mit einem vom Einkauf überladenen Kinderwagen und einem vor Zorn brüllenden Kind abmüht. Hilfe? Ok, dann geh ich ma … *klatsch* – *klong* . Die Ecke ist erreicht, das Handy des Anderen liegt auf dem Boden, sein Gesicht klebt mir an der Schulter. Ich zieh den Hörer aus einem Ohr, schaue zuerst ihn böse an (bitte einen Schritt Abstand) und folge dann seinem wehleidigen Blick auf den Boden. Da liegt es also, das iPhone. Er schaut mich an „Man, pass doch auf Du Arsch“. Oh ja, damit kann ich gut umgehen und  auch weil heute Montag ist und sage erst einmal nichts.

Er bückt sich hektisch und hebt sein Spielzeug auf. Er streichelt es, wischt es ab und drückt auf dem Display herum, prüft ob es noch funktioniert. Fast gebannt verfolge ich sein Bemühen und erwarte eine Träne auf dem Display aufschlagen zu sehen. An der Kante ist es ein wenig eingedellt, so ein Steinboden ist halt schon hart. Er schaut mich mit wütenden Augen an. „Und jetzt?“ Ich antworte, „Nun haben wir gelernt, dass Sie während Sie gehen nicht aufs Handy starren sollten und ich nicht mehr so nah an Häuserecken vorbeigehen darf. Und wenn Sie mich noch einmal Arsch nennen, …… .“ Dabei mache ich den Schritt auf ihn zu, den er vorher rückwärts gemacht hat einen. Und ja, ich wurde lauter dabei. Der alte Polizist in mir kam ungewollt und plötzlich wieder zum Vorschein. Er ist einen Kopf kleiner als ich, also…. .

„Viel wichtiger als Ihr scheiß iPhone ist mir, ob sie sich etwas getan haben.“ Wollte er mir doch in den Oberarm beißen. Er schaut irritiert, „ähm, mir geht es gut, danke.“ Also, geht doch. „Schön“, erwidere ich und setze meinen weg fort. Das schreiende Kind ist mittlerweile weg. Ohne es zu wollen, sagt mein Mund dann plötzlich automatisiert „Entschuldigung,“ worauf er verdattert postum erwidert. „Macht nichts, kann ja mal passieren. Es geht ja noch.“ Dabei hebt er das iPhone kurz an. Ich gehe weiter und nach ein paar Metern … Moment …. Jetzt tut der Pfosten doch tatsächlich so, als hätte ich ihn angerempelt und nicht er mich. Und überhaupt, wieso habe ich Dämel mich dann überhaupt entschuldigt? *god dammit*

[Bild © memephoto / www.pixelio.de]

2 Gedanken zu „Eckendepp

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