Politikgedanken

Ich gestehe, ich bin modisch ausgedrückt „politisch verdrossen“, dieses schon seit Jahren, somit gründlich und nachhaltig.

Die Demokratie bzw. das politische System als solches weiß ich sehr wohl zu schätzen, jedoch nicht was die große Zahl der auf der öffentlichen Bühne agierenden Politiker draus machen. Meine Verdrossenheit fust, da alle wie sie ‚da oben‘ stehen fortwährend für sich deklarieren, doch so viel Gutes getan zu haben, man habe doch überaus erfolgreich gewirkt. Bei mir persönlich kommt sowohl erlebt als auch gefühlt herzlich wenig davon an. Oder bin ich nur undankbar und unersättlich? Von hier unten sieht es eher aus, als wenn es vornehmlich um die Sicherung von Pfründen geht. Sich möglichst in den Vordergrund zu drängen, sich die kurzfristig Sporen zu verdienen, weil _nach_ den politischen Karrieren beginnen dann endlich ‚offiziell‘ die Vortragsreisen und Posten in Aufsichtsräten Einzug zu halten.

Es ärgert mich persönlich unsäglich, dass sobald Macht in greifbarer Nähe rückt die Maulhelden von ihren hochtrabenden Versprechungen abrücken, nur damit man sie endlich ganz oben sind. Die Möglichkeit sich zu produzieren setzt scheinbar alle menschlich natürlichen Hemmungen außer Kraft. Sich in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen sieht für mich dann irgendwie anders aus. Das sind eher Menschen, die arbeiten im Stillen und brauchen kein Scheinwerferlicht oder Lobhudeleien.

Der Bürger wählt seine Partei, weil er die Einen und die Anderen aus welchen Gründen auch immer schlicht nicht möchte. Nur am Ende der Wahl klüngeln die doch alle wieder miteinander und haben sich plötzlich ganz dolle lieb, was während der Bet- und Lügenzeit (aka. Wahlkampf) völlig ausgeschlossen war. Das alles ist doch die eigene Integrität (sofern vorhanden) verkommt zur Farce. Und keiner schämt sich deswegen oder zeigt sichtbare Gewissenbisse. Den heutigen Wahlen daher noch wirklich Bedeutung beimessen zu wollen ist aus meiner persönlichen Sicht schon fragwürdig. Was noch fehlt ist das Argument, „wählen Sie uns, damit die *** nicht an die Macht kommen“. Aber so abgefuckt sind die dann wohl noch nicht.

Die Kerninhalte der Programme aller Parteien sind aus meiner Sicht im wesentlichen identisch, jeder verspricht mehr Arbeit, weniger Steuern, mehr Transparenz und blubbert was weiß ich noch alles vor sich hin. Doch werden Versprechen zum Zwecke der Machtübernahme schnell und leichtfertig gemacht, später dann entweder ‚angepasst‘ oder schlicht gebrochen. Der Wähler wird es sicher verstehen, weil es dient ja einem höheren Ziel.

Was bleibt sind die Personen, die sich zur Wahl stellen. Personen die mittels Sympathie oder Antipathie Stimmen sammeln können oder nicht. Es werden also Show-Politiker gezüchtet – von uns selbst, von den Wählen. Das hessische Schmierentheater um Frau Ypsilanti und den geschassten Herrn Beck zum Anlass, kann ich weiterhin nicht ausmachen, wer von den Akteuren eigentlich das erträglichere Übel darstellt. Zum kotzen finde ich alle.

Ein Bericht im Spiegel heute morgen lässt mich an die böse Schelte von Frau Simonis im März 2005 erinnern, als Frau Simonis:

… wegen eines „Heckenschützen“ aus den eigenen Reihen bei ihrer Wiederwahl zur Abstimmung Ministerpräsidentin in vier Wahlgängen keine Mehrheit gefunden hat. …

Ich kann nicht beurteilen, ob Frau Simonis gute Arbeit geleistet hat oder nicht. Ich mochte sie jedenfalls als Person in dem Amt. Irgendwie hoffe ich, es passiert Frau Ypsilanti ebenso wie ihr seinerzeit. Was diese Frau hierzulande abzieht ist traurig. Auch deswegen wird sich meine politische Verdrossenheit wohl so schnell nicht in Luft auflösen.

Jeder macht sich seine Gedanken und handelt ggf. danach. Besser machen könnte ich es sicher auch nicht. Man sagt mir bisweilen ein diplomatisches Geschick nach, verfüge aber nicht über die nötige Rücksichtslosigkeit. Wie vielleicht bekannt deklariere ich für mich „Leben und leben lassen“. Doch in einer politischen Gesellschaft die sich mit Wonne und/oder Lust öffentlich bis auf Blut bekämpft und einen irrsinnigen Aufwand betreibt, nur um den politischen Gegner in Misskredit zu bringen, anstatt gemeinsam einen Job zu machen, wäre das ein denkbar schlechter Charakterzug.

Was so ein simpler Bericht doch für merkwürdige Gedankengänge freisetzen kann.

[Bild © slicer / www.pixelio.de]

2 Gedanken zu „Politikgedanken

  1. Also ICH züchte keine Politiker, weder im Garten noch sonstwo.
    Ich finde Deinen Gedankengang nachvollziehbar. Mir waren die Klüngeleien in Hessen lange egal – nach dem Motto „Alles ist besser als Koch“ – bis ich begriffen habe, was für ein Betrug da am Wahlvolk begangen wird.

  2. Ich züchte DIE auch nicht bewusst, die nisten sich wie Kuckuckseier ein und werden unbewusst groß gezogen. IMHO ist es nur eine Frage der Zeit, bis wir diese Hollywodd-Poliiker haben wie drüben übern Teich.

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