Fahrstuhletikette

Aus mehr oder weniger aktuellen Anlässen möchte ich die eigentlich selbstverständliche Etikette dennoch zu definieren versuchen. Die Wahrscheinlichkeit der Umsetzung ist vermutlich gering, doch fühle ich mich berufen es zumindest einmal niedergeschrieben zu haben:

  • Beim Betreten eines Fahrstuhls grüßt man eventuell bereits anwesende Personen, entweder mit einem deutlichen Kopfnicken oder einem der Räumlichkeit angemessen Tagesgruß.
  • Nach Einnehmen der Fahrposition prüft man optisch in welchen Stockwerken der Fahrstuhl bereits halten wird. Ist das eigenen Stockwerk nicht dabei und kann aber auch gleichzeitig nicht ungehindert auf das Panel zugreifen, bittet man höflich die Person die aufgrund des Platzmangels vor dem Panel stehen muss, es für einen zu tun.
  • Während der Fahrt ist offensiver Augenkontakt zu vermeiden. Der Blick sollte frei geradeaus gehen und keine anwesende Person im Besonderen betreffen. Das Fixieren von körperlichen Merkmalen, besonders der weiblichen Mitfahrer, muss selbstständig unterlassen werden.
  • Nach betreten des Fahrstuhls ist das Lesen einer aufgeschlagenen Zeitung wie z.B. der FAZ nicht mehr angemessen. Hier ist anzuraten die Zeitung temporär wieder zusammen zu falten und erst nach Verlassen des Fahrstuhls weiter zu lesen.
  • Wurden unmittelbar vor betreten des Aufzugs noch Tabakprodukte restkonsumiert, ziemt es sich den Rauch des zuletzt vermutlich intensiv getätigten Zuges _vorher_ wieder auszuatmen.
  • Dem Drang die eigenen Naseninnenbereiche zu reinigen oder lästige Essensreste aus der heimischen Mundhöhle bzw. den eigenen Kauwerkzeugen zu verbringen, muss in dieser Fahrgemeinschaft dringendst Einhalt geboten werden. Im Erfolgsfall sich der Ergebnisse dahingehend zu entledigen, dass man diese an der Wand abstreift ist in Mitteleuropa nicht üblich und zwischenmenschlich umstritten.
  • Ist jemand in dem bemitleidenswerten Zustand der akuten Erkältung, ist es die Pflicht der Person Nies- und Hustenanfälle nach unten auf den Boden zu richten, sowie zusätzlich auch die entsprechenden Körperöffnungen soweit als möglich zu verdecken. Dabei darf eventuell vorhandenes Handgepäck auch gerne kurzfristig abgestellt werden. Zweckmäßigerweise sollte dies vor oder spätestens während des Anfalls geschehen.
  • Sollte sich unter den Fahrgästen ein lockeres Gespräch entwickeln, darf man gerne zuhören. Kennen sich die Fahrgäste untereinander und reden über ‚Insider-Themen‘ ist es durchaus Sitte, sich ungebeten nicht zu beteiligen und sich stattdessen weiterhin auf die Fahrt zu konzentrieren.
  • Kaugummis kauen sollte mit geschlossenen Mund und unter Vermeidung schmatzender Geräusche vollzogen werden.
  • Handytelefonate sind nach Möglichkeit für die Dauer der Aufzugsfahrt zu unterbrechen oder vor Antritt der Fahrt mit dem Gesprächsteilnehmer insoweit abzuklären, dass nun eine Gesprächspause sinnvoll erscheinen könnte.
  • Eine unmittelbar stattfindende Nahrungsaufnahme sollte nur dann weitergeführt werden, sofern keine koordinativen Defizite bestehen. Sich letzte Bissen in den Mund zu stopfen führt unter Umständen zur extremen und unüberhörbaren Atmungseinschränkungen.
  • Vom Absetzen olfaktorisch individueller Erkennungszeichen ist während der Fahrt, bei Erreichen des Zielstockwerkes und dem Verlassen der Aufzugskabine ausnahmslos Abstand zu nehmen.
  • Sollte man auf der Strasse versehentlich in eine tierische Hinterlassenschaft getreten sein und es erst beim Betreten des Aufzuges feststellen, ist mit der Reinigung des Schuhwerks abzuwarten, bis man den Aufzug wieder verlassen hat.
  • Beim Verlassen der Aufzugskabine verabschiedet man sich von eventuell noch anwesenden Personen entweder mit einem deutlichen Kopfnicken, oder einem der Räumlichkeit angemessen Abschiedsgruß.
  • ….

Für zusätzliche Hinweise, die das gemeinsame Benutzen eines Fahrstuhles allgemein erleichtern, bitte ich das Feld unter diesem Beitrag zu verwenden. Danke für die Mithilfe.

[Bild © margasch / www.pixelio.de]

13 Gedanken zu „Fahrstuhletikette

  1. Interessant das ich das nicht während meiner Ausbildung in einem großen Betrieb für Aufzüge (es heißt AUFZUG, nicht Fahrstuhl!!!) nicht gelernt habe! 🙂

  2. Die wesentlichen Dinge hast du ja genannt. Bliebe zu ergänzen, dass man Leuten beim Einsteigen nicht vor die Füße springt um mal eben das gewünschte Ziel zu wählen.
    Auch ist es hilfreich die keep-open-Taste (<>)zu betätigen, wenn Leute mit Rollstuhl, Kinderwagen oder Beschwerden beim Laufen/Gehen einsteigen.

  3. Im Fahrtuhl ist unbedingt darauf zu achten, ob Hinweisschilder angebracht sind, die dem arbeitenden Fußvolk mitteilen, man hätte nach 18 Uhr das Gebäude nicht durch das Foyer, sondern durch den Dienstboteneingang (sorry – Posthof) zu verlassen. Ansonsten kann es nämlich passieren, dass man ahnungslos kurz vor Acht aus dem Fahrstuhl hetzt und dann ungebremst auf einen Flügel trifft, an dem ein Pianist (wahlweise auch Pianistin) Kaffeehausmusik zum Empfang des Vorstandes klimpert. Oder aber die entsetzten Blicke von sektgläserhaltenden schwarzgekleideten Menschen aushalten muss, die sich fragen, wie frau wohl in so eine Veranstaltung geraten kann.

  4. @tAXMAN
    true.

    @FrauÄhrenwort
    Ganz recht.

    @PapaBodenhase
    Schön wär es ja, aber leider dem ist nicht so. Derart sozialamputierte Gesellen benötigen dezidierte Anleitung.

    @tonari
    *hgnnnnffff* 😀

  5. Und sollte man einmal mit der Mannschaft im Fahrstuhl/Aufzug/Etagenhüpfer stecken bleiben, dann bitte im Interesse der Mehrheit nicht anfangen zu springen, wackeln oder stampfen auch Liedgut á la „Alles geht zu Ende“ oder „Ein tränenreicher Abschied“ ist nicht gerade förderlich, um die Laune noch etwas zu erhalten.

  6. Grüßen, wenn ich einen Fahrstuhl betrete? Nö. Niemals. Zumindest nicht dann, wenn es sich um den des Parkhauses handelt, das zu unserem Supermarkt gehört. Die Muffelköpfe, die dort nicht einen Millimeter mit dem Wagen zur Seite rücken, grüße ich niemals. 😛

  7. @sevenjobs
    Ein ganz wichtiger Hinweis, vielen Dank.

    @ri
    *schauder* Ich nenne das den Titanic-Effekt.

    @Frau W.
    Gerade dann ist ein herzerfrischender Gruß, gepaart mit der nötigen Gewalt den Scheißwagen zur Seite zu schubsen, für dumme Gesichter immer gut. Mir macht gerade das richtig Freude => Büfffel schubsen.

  8. muss man nicht auch, bevor man den Aufzug … ähm Fahrstuhl wieder verlässt, noch alle nicht leuchtenden Tasten betätigen?

    😀

  9. @Andrea
    Nein, im Allgemeinen macht man das nicht. Sondern man geht die Treppen und drückt von außen die Knöpfe. Die Gefahr das jemand einsteigt und man als letzter doch noch in der Kabine steht ist einfach zu groß. Wie soll man sich erklären? 😀

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