Aufmerksamkeit

Zum bloggen kam ich zufällig. Nach einem abendlichen Onlineplausch mit Sanna wurde neugierig WordPress auf den Server gepackt und damit herum gespielt. Spaß und Freude am schreiben taten bzw. tun ihr übriges. Und so bin ich nun hier, schreibe seit Jan-2008 wie vorgenommen was mir in den Sinn kommt oder auch nicht.

Ich fummle immer wieder mal an Details, verändere Teile am Backend oder spiele meist erfolglos – frag nicht mit Ajax basierenden PlugIns herum, kurzum ich amüsiere mich prächtig hier und entspanne dabei auch noch. Ich lerne dabei tolle Menschen auf eine sehr bequeme Weise kennen, die dem gleichen Hobby frönen, passt alles so wie es ist.

Von Beginn an werden auf thatblog kaum Statistiken geführt, oder Feed-Abozahlen beobachtet, es werden weder Referrer ausgewertet noch etwas anderes veranstaltet. Anfangs habe ich sporadisch die serverseitige Auswertung betrachtet, doch dann interessierte es mich nicht weiter ob und wie viele hier mitlesen. Ich mache das in erster Linie für mich und freue mich über nur Gäste und Kommentare. Der Server ist mit einem sehr großzügigen Kontingent an Traffic ausgestattet, also alles easy.

Im Footer sind ein der paar Suchmaschinen verankert. Warum ich das seinerzeit getan haben, kann ich jetzt nicht mehr sagen. Es geschah wohl mehr unmotiviert und ‚weil-Blogger-es-halt-so-machen‘ dachte ich anfangs. Eigentlich könnte ich die auch wieder raus nehmen und doch auch wieder nicht. Gelesen will man doch irgendwie werden. Komische Sache das. Anyway, in den letzten 2 Wochen geschah aber etwas merkwürdiges und unerwartetes. Ich bekomme plötzlich E-Mails von verschiedenen Unternehmen, die mich um mein Interesse fragen, gegen Bezahlung Banner- und oder Linkwerbung auf thatblog.de zu platzieren. *holla*

Da ich mich grundsätzlich dem Geld verdienen zwar aufgeschlossen zeige, es auf meinem Spielplatz hier nicht wünsche, bekommen diese Unternehmen freundliche und unzweideutige Absagen. ‚Randerscheinung, abheften, weitermachen‘ dachte ich, doch ging es lustig weiter. Es kamen und kommen weitere seriös anmutende Offerten. Mit einigen hatte ich eine kurzweilig amüsante E- Mail-Kommunikation betrieben, weil man mich zu überzeugen versuchte. ‚Nein‘ heißt nun einmal ‚Nein‘. Alles lief sehr professionell, gesittet und hinterlässt daher auch einen gewissen Eindruck bei mir.

Wie kommen die alle plötzlich auf mich? Auf welchem Radar bin ich aufgetaucht, auf welcher Mailingsliste ungewollt eingetragen, dass man mich ‚plötzlich‘ als Ausgangsplattform für Werbung gewinnen will? Mir ist auch klar, dass solche E-Mails täglich hundertfach verschickt werden, Crawler wild das Web durchstöbern und anhand bestimmter Kriterien so Adressen generieren. Die Kommunikationen mit den Vetriebsbeauftragen sind in Wahrheit irgendwelche Studi-Aushilfen, deren Job es ist zu überzeugen. Und doch fühle ich mich gebauchpinselt und bin überraschend jetzt doch neugierig geworden.

Ich habe die Analyse von WebServerlogfiles, die jeder WebServer automatisch erzeugt, quasi gelernt. Damals heuerte ich mitten in der sich blähenden Dot-Com-Blase bei einem Unternehmen an, welches eine Spitzensoftware dafür entwickelte und vertrieb. Der Support lag in meinen Händen, ein geiler Job. Es ist zwar alles etwas eingerostet, aber das lässt sich sicher zügig wieder auffrischen. Ob ich doch mal schauen soll, was die letzten 12 Monate auf thatblog.de los war. Mit diesem liegen 421 Beiträge vor, schreibfaul kann ich mich also schon mal nicht schimpfen. Die Menge an Kommentaren sind kein Maß für mich. Ich lese ebenfalls vielen Blogs und gebe nicht zu jedem Beitrag meine 2cents dazu.  ….. Verdammt. Soll ich? Soll ich nicht? Was könnte das Wissen verändern?

[Bild © hofschlaeger / www.pixelio.de]

6 Gedanken zu „Aufmerksamkeit

  1. Du sollst!
    Ich kann Deine Bedenken verstehen. Ich freue mich über hohe Zugriffszahlen, aber was mit wirklich wichtig ist, sind die Kommentatorinnen. Ich glaube, ich hätte keine Freude am bloggen, wenn die mich nicht wissen liessen, dass sie mitlesen und Anteil nehmen. Trotzdem gucke ich ganz gerne mal, wieviele Leute noch so mitgucken. Auch wenn ich auf die schweigende Mehrheit verzichten könnte.

  2. Ich blogge seit 2005. Meinen ‚großen‘ Blog habe ich im Juli ‚dichtgemacht‘ und nur noch eine Handvoll internetter Freunde können via PW weiterlesen. Lange habe ich das nicht durchgehalten. Hey, ich will gelesen werden, ob ich nun was zu sagen habe oder nicht. Aber ich will sagen können was ich will und mit Werbung im Blog wäre ich nicht mehr unabhängig und würde mir wohl einen Maulkorb umlegen lassen. Schlimm genug, dass es Sachen gibt, über die ich nicht bloggen kann, weil unter der schweigenden Mehrheit auch der eine oder andere Nachbar/Kollege ist, der sich nicht outet. Schon komisch, dass mich das stört, obwohl wildfremde Blogger alles von mir wissen dürfen, was sie wollen.
    Als Blogger muss man mit der schweigenden Mehrheit leben. Und die Kommentatoren lieben.

  3. @Silencer
    Sehe was Du meinst. Dennoch scheue ich davor zurück. Meine Sorge, dass sich dann für mich etwas wichtiges ändert, ist sehr groß. Ich muss da wohl richtig in mich gehen. hin und her gerissen……

    @S(tef)unny
    Ein guter Punkt. Die Bereitschaft Beiträge so zu verfassen um Clicks anzulocxken. Möglicherweise denkt man auch 2 Mal drüber nach, ob man ‚den‘ Beitrag nun so veröffentlichen sollte, oder nicht.

    Die Wahrscheinlichkeit von Wildfremden ob der eigenen Offenheit gescholten/verhöhnt oder was auch immer zu werden, ist deutlich geringer, als bei Menschen die einen kennen. Die Menge an Beitragen die ich aus dem Grund nicht veröffentlicht habe, ist zwar ungezählt aber dennoch sicher nicht gerade wenig.

    Auch ich mag die Menschen (außer die Backlinkjäger) die sich berufen fühlen etwas zu dem zu sagen, was ich schreibend verzapft habe. Ich weiß es sehr zu schätzen, nur liegt hier nicht nicht mein Hauptaugenmerk.

  4. Prinzipiell finde ich es nicht verwerflich mit seinem Blog Geld zu verdienen. Da wärst du nicht der Erste. Ich hinterfrage gerade viel mehr, wieso das auf diesem Weg passiert. Du hattest den Gedanken mit deinem Blog Geld zu verdienen nicht in deinem Kopf. Also kam der Gedanke zu dir. Und das ganz unfreiwillig. Du konntest hier also nichts mitentscheiden. Vielleicht ist es ein guter Denkanstoß sich zu fragen, wie du auch ohne den Anstoß der Werbefirmen über Werbung auf deinem Blog denkst?

    (Kannst den Kommentar auch überlesen. Nicht weiter schlimm.)

  5. @FrauLehmann
    Warum sollte/wollte ich Dich überlesen? 🙂

    Ich glaube Dir folgen zu können, die re-Initiierung eines Gedanken, den ich im Vorgriff für mich bereits ausschloss. Werbung zu platzieren und zu akzeptieren heißt auch sich gezwungenermaßen mit fremden Inhalten und Aussagen identifizieren (lassen) zu müssen. Damit habe ich massive Probleme. Das Wissen um Content der gegen meine Überzeugung ober Ansichten ginge, könnte ich nicht guten Gewissens aushalten. Unterhalb der Woche muss ich mich genug verbiegen, das geht gegen Ende der Woche zunehmend schlechter. Ich kenne mich, ich weiß was ich mir zumuten kann.
    ++++++++++++++++++
    Ich muss in mich gehen, ob ich die Daten ziehen und betrachten werde. Werbung kommt definitiv nicht in Betracht und das ist keine Fraged des Preises … oder doch? Man sagt ja, jeder und alles ist käuflich, es kommt nur auf den Preis an. In meiner bisherigen Erfahrung ist das leider richtig, außer man trifft auf meinen Sturkopf. Überzeugungsarbeit wird zur Aufgabe für jeden der es versucht. Prinzipien und Entscheidungen sind mir wichtig, sorgen sie doch für eine gewisse Verlässlichkeit und demonstrieren dies auch, auch mir selbst gegenüber. 😉

  6. Ich habe mich entschlossen nicht zu spicken, auch wenn thatblog bald ein Jahr alt wird. 🙂

    Nebenbei erwähnt, die Anfragen haben aufgehört. War also scheinbar nur ein Verteiler, aus dem ich nun wieder raus geflogen bin.

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