einen Moment

Mein Drang eine Runde im Park zu laufen resultiert aus der Lust an vermisster Bewegung im akzeptablen Wetter, als an meinem schlechten Gewissen. Es gab sicher reichlich, aber nicht zuviel. Draußen ist es kühl und frisch, nur eine Runde. Aber die in Ruhe und Einsamkeit … es pustet den Kopf frei … macht Platz für … .

Im Park waren mächtig viele Spaziergänger. Vermutlich drängt es viele nach der gestrigen Schlemmerei zum Gehen an der frischen Luft. Es wird der Sonntagsstaat zur Schau getragen oder die Geschenke werden in der Öffentlichkeit gezeigt. Kinder dürfen rennen, oder werden streng an der Hand geführt, beide sind dennoch kaum zu bremsen. Väter schieben Kinderwagen mit Stolz geschwellter Brust, Frauen schlendern daneben her, ein waches Auge auf was er tut. Alte Leute jammern sitzend und lautstark über die Wehwehchen, was würden sie auch wieder gerne richtig laufen können und doch ist es auch im Alter schön. Die Enten werden noch dicker gefüttert und ich laufe gemütlich an allem vorbei, nehme alles auf, bin doch auf mich und den Weg vor mir konzentriert. Langsam genug um nichts in meiner Nähe zu verpassen und schnell genug um meinem Anspruch noch gerecht zu werden.

Am Spielplatz steht das Tor offen, Hunde können hinein. Ein kleines Kind müht sich redlich das schwere Tor auf Anweisung seiner Mutter zu schließen.  „Los Frodo, feste drücken“, und macht dabei aufmunternde Kopfbewegungen. So motiviert legt sich der Kleine mächtig ins Zeug. Den Rest des Weges denke ich drüber nach, welche Strafe es für den Jungen ist diesen Namen tragen zu müssen. Ist das am Ende gar nur ein Spitzname, oder hat da wirklich jemand zu viel Herr der Ringe abbekommen? Am liebsten würde ich zurück und fragen. Doch lieber nicht.

Dafür sehe ich die beste Tochter von allen mit ihrem Neuen, innig umarmt und mitten auf dem Weg knutschen. Kein Grund den Lauf zu unterbrechen, es würde vermutlich doch nur peinlich werden. Wir kennen uns nicht und ich habe einen Räuberbart. So laufe ich weiter, tippe ihr auf gleicher Höhe auf die Schulter und grüße lachend mit der Hand, als ich weiter weg bin. Er war sichtlich verlegen, sie hat fröhlich gelacht und ich bin mit meinen Gedanken alleine weiter gelaufen. Kein Problem, ich freu mich sehr für sie. Man sieht es an den Augen und hört es am Lachen.

Parkszene im Herbst

[Bild © Templermeister / www.pixelio.de]

2 Gedanken zu „einen Moment

  1. Warste nun doch endlich los? 🙂 Gestern früh um 8:00 war’s sehr still auf den Straßen … nur einen Jogger ist mir begegnet. Die Ruhe ist auch das, was mir am besten gefällt. Ich mag nicht, zwischen zig-Joggern und Walkern Slalom zu laufen…

  2. Japp, musste sein. Ich bin ~16.00 Uhr los, da ich nicht auf Asphalt laufen mag und im Park eigentlich keine Beleuchtung gibt.

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