Sockso-Personal-MusicServer Erfahrungsbericht

Auch wenn Baldrick mit eigentlich reichlich Platz ausgestattet ist, es hat schon einen eigenen Reiz für mich auch vom Büro aus auf die heimische Musikbibliothek zugreifen zu können. Der kleine Musik-Server steht sowieso im heimischen Netz (ohne öffentlichen Zugriff), also warum nicht etwas finden was den Zugriff auch von extern erlaubt?

Das Zauberwort ist Streaming, aber nicht das dauernde und wiederholte Aussenden eines starren vorbereiteten Audio-Streams, sondern eine Art Privat-Jukebox im Web wäre sehr cool. Das war vor etlichen Monaten eine im Kopf herumspukende Idee, die jedoch mit mehr oder weniger Disziplin nur eine ansatzweise Umsetzung fand. *öhm*

Mithilfe eines Artikels in der Papierversion des Linux-Magazins (hier nur ein Onlineauszug) fand ich unerwartet im Sockso-Streaming-Server eine sehr interessante Möglichkeit diesen Wunsch doch noch unkompliziert umzusetzen. Das ganze Projekt ist in Java geschrieben, daher unabhängig der Plattform und (auch unter Linux) kinderleicht zu installieren. In Kurzform:

  • Java-Runtime installieren (sudo apt-get install java-runtime).
  • Download des mit ~3MB doch recht kleinen Sockso-Paketes (click).
  • In ein Verzeichnis unter ~/entpacken und gleich rein ins neue Verzeichnis.
  • Rechte Maustaste auf die Datei „linux.sh“ Eigenschaften => Zugriff => Datei als Programm ausführen markieren und mit OK bestätigen.
  • Dann einen Doppelklick auf die Datei „linux.sh“, im Terminal ausführen (damit man auch sieht falls was schief läuft).
  • Einen Moment warten und schon ist das Backend gestartet.
  • Nun noch die Musikdateien importieren und im Wesentlichen ist der Streaming-Server auch schon fertig. Die Restlichen sich selbst erklärenden Optionen kann man beizeiten erkunden, Sockso läuft so wie er ausgepackt wurde ‚out-of-the-box‘.
  • Der Zugriff zum konsumieren selbst erfolgt über ein komfortables Web-Interface mit %IP-Adresse:4444% im jedem handelsüblichen Browser. Hier bietet sich ggf. ein kostenloser DynDNS-Service an, damit man auch mit einem häuslichen DSL-Anschluss noch von außen an seine Musik kommt.

Achtung: Man sollte den Zugriff via Web-Interface mittels Benutzerkonto und Passwort schützen (ist in der default config abgeschaltet), weil sonst jeder auf die Musik zugreifen kann, der die IP kennt oder herausfindet. Das wäre dann ein öffentliches Aufführen, was wiederum die GEMA auf den Plan rufen würde und man ggf. richtig Ärger wegen Verletzung des Urheberrechts erfahren könnte. Also bitte aufpassen wenn sich jemand an Sockso versuchen will. In meinem Router habe ich als alternative Sicherheit eine Regel eingestellt, die einen Zugriff auf das Web-Interface nur von der Firmen-IP erlaubt. Ansonsten ist ‚mein‘ Sockso nach außen hin blind und taub wie ein Stock. Innerhalb des heimischen Netzwerkes kann jeder PC auf das Web-Interface zugreifen und in meinem Fall zusätzlich noch ein Nutzerkonto vorausgesetzt, auch Musik abspielen.

Man sollte Lame als mp3-Encoder installieren (console => sudo apt-get install lame) und diesen in der Registerkarte Encoders, sowie auch die Bitrate auswählen/eintragen, andernfalls schuftet die CPU bei konstant 99%.

top with Sockso

[klick auf das Bild zum vergrößern ]

Also keinen Schreck bekommen, wenn im top die CPU japst. Die Überlastung hier äußert sich am Web-Interface übrigens durch arg abgehackte Musik oder wellenartige Artefakte während des Abspielens. Macht keinen Spaß.

Sockso Encoder

Mit installiertem Lame bleibt die CPU für das Backend bei <20%, dafür lutscht Lame kurzfristig mit >60% an der CPU solange (bei mir ca. 30 sec) bis das Musikstück fertig im Speicher des Servers gepuffert ist. Warum ein fertiges mp3 noch einmal encoded werden muss, ist mir auch nicht klar, vermutlich um den Stream in den Puffer des Servers  zu laden. Wenn man die Bitrate auf 64 herunter dreht, geht das Puffern leider nur unwesentlich schneller.

Nach einigen Titeln hängt dieses Gespann bei mir jedoch leider fest, dass heißt Lame kommt mit dem encoden nicht mehr nach und Sockso hat demzufolge nichts mehr zum streamen.  Manchmal ist es schon nach 2 Stücken passiert, dann erst wieder nach 10. Ein Muster habe ich leider nicht ausmachen können. In dem Fall bleibt nichts anderes übrig als den Stream kurz zu stoppen und zu warten bis wieder ausreichend Puffer (siehe die hellgraue Unterlegung hinter dem Titel im Playerfenster) wieder vorhanden ist:

Sockso player

oder Sockso gleich neu starten. Beides ist ein saublödes und lästiges Verhalten, denn vor dem Neustart hängt die Java-Runtime dann wieder mit konstant 99% an der CPU und Lame idled vor sich hin, aber Musik kommt keine mehr. Es ist reproduzierbar jedoch nicht absichtlich, zumindest auf meinem MusikServer (PIII-500Mhz, 384MB RAM). Ob es mit ‚problematischen‘ mp3 zusammenhängen könnte, oder dem Rechner schlicht die Puste ausgeht da der Speicher nicht freigeräumt wird, kann ich nicht ermitteln. Leider habe ich im Kämmerchen keine alten SD-RAMs gefunden um es auszutesten. Mein a-DSL bietet einen Upload von ~70kb/sec, während des Streamens gab es hier keinerlei Engpässe. Wenn ich keinen andere Testbüchse finden sollte, werde ich den Entwickler deswegen angeschrieben oder ins Forum post, mal schauen ob er oder einer dazu etwas sagen kann.

Mein Fazit:
Die Software ist absolut brauchbar und eine echte Lösung für Musikjunkies wie mich. Zum frickeln hat man wenig bis gar nichts, dafür sorgt das Java. Alle Einstellungen am Back-End werden in Echtzeit übernommen, das erste Scannen der Bibliothek erfordert je nach Größe etwas Geduld. Danach kann man Sockso anweisen, in welchen Intervallen er die eingetragenen Speicherplätze nach neuen Dateien scannen soll. Sockso kommt gut mit externen wie auch internen Platten zurecht, keine Probleme hier gefunden.

Es werden sogar die richtigen Cover nachgeladen, Sockso kann stimmige Künstlerempfehlungen aus der eigenen Bibliothek zum laufenden Musikstück anbieten (ähnlich Genius in iTunes) , man kann seine Musik downloadbar schalten, Playlists erstellen, speichern und abspielen, oder auch via Upload jederzeit neue Stücke zur Bibliothek hinzufügen. Die Up-und Downloadfunktion sind erfreulicherweise jeweils getrennt voneinander optional. Beim Test ist mir allerdings der Upload regelmäßig abgeschmiert, weil ich den Speicherpfad der Uploads auf eine externe Platte verlegt habe, dies mag Sockso wohl nicht sonderlich. Man kann User-Accounts mit eingeschränkten Zugriffsmöglichkeiten für Bekannte und Freunde am Web-Interface einrichten, wenn man die Problematik der möglichen Urheberrechtsverletzung berücksichtigt.

Ob nun meine sicher schon etwas veraltete Hardware für die Wiedergabeprobleme verantwortlich ist, will ich noch austesten. Irgendwo werde ich wohl noch alten SD-RAM auftreiben können. Vielleicht ist das auch ein Grund den alten Musik-Server gegen etwas Potenteres auszutauschen? Ich habe  mal wieder Lust was mit Linux zu frickeln. Wenn es läuft ist es klasse, die Qualität des Streams selbst ist 1a.

3 Gedanken zu „Sockso-Personal-MusicServer Erfahrungsbericht

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.