nicht fluchen

Zugegeben fluche ich bisweilen auch gerne, sehr gerne sogar. Dabei ist es egal ob es Personen oder Situationen sind, Sachen oder Beobachtungen, wenn mir danach ist wird geflucht und gut ist es. Das entspannt und manchmal geht es danach halt besser.

Wie am daily pic zu sehen, war es heute morgen war arsch kalt – so richtig knackig, klirrend, gesichtsgänsehaut kalt. So ein Wetter ist eigentlich deutlich leichter auszuhalten als diese widerliche feuchte Kälte, die sich ungebeten Zutritt verschafft, in die Handschuhe kriecht, sich unter der Jacke sammel und sich im Schal festkrallt. Aber kalt ist nun mal kalt. Die Fingerkuppen sind taub, quasi gefühllos und doch zugleich arg stoßempfindlich. Die Füsse stecken Schuhen mit zu dünnen Sohlen. So kann die Kälte leichter die Beine hoch wandern. Kalt ist nun mal kalt.

Als das kleine Schwarze heute morgen vom nächtlichen Scheibeneis befreit werden musste, dachte ich aber nicht ‚wie toll das jetzt ist‘. Mit Eis auf den Scheiben zu fahren geht nun mal nicht, also runter damit. Baldrick beschallte mich derweil sehr sachte mit „cafe del mar“.

Das Ganze verhasste Prozedere war trotz allem dann dennoch sehr schön. Leider spielt die Exilim hier nicht mit, denn zu gerne hätte ich diese Stimmung in einem Bild versucht einzufangen.Wenn das Licht zu diffus wird, mutiert sie ohne Blitzeinsatz zu einem nutzlosen Stück ähnlich eines Briefbeschwerers. Mit Blitz ist jede Stimmung dahin. *hmpf* Wo war ich? Ah ja, die Scheiben sind also sauber, die Standheizung des nachbarlichen Daimlers sondert dünne Rauchwölkchen ab. Neid ist erlaubt, der macht keinen Spaß, schon gar nicht für denjenigen der neidet.

In Frankfurt angekommen wird die Parkplatzsuche nach der 2. Blockrunde schon nerviger. Scheinbar verlässt heute keiner das Haus. Alles schläft noch und liegt im warmen molligen Bettchen. Doch da sehe ich plötzlich einen Menschen in direkter Nähe, der jedoch einen schlechten Start in den Tag hat. Er steht sichtbar schimpfend mit einem verkrüppelten Eiskratzer vor seinem gänzlich vereisten Auto und weiß wohl nicht so recht wo er anfangen soll. Was ist ein verkrüppelter Eiskratzer? In seiner Hand sah es aus wie eine übergroße Kreditkarte, verlängert mit einem dicken Streichholz. Schon aus der Entfernung ist es wohl kaum dazu geeignet, echtes Eis von Autoscheiben zu entfernen. Aber ich werde einen Parkplatz haben. Bald zumindest, sobald er es auf der Reihe hat und endlich anfängt. Ich stelle mich in die 2.Reihe und versuche durch intensives Musik hören mein schlechtes Gewissen den weiterhin laufenden Motor (HEIZUNG!) betreffend zu unterdrücken. Klappt. *sorry*

Er ist offensichtlich ein gelernter Bewegungslegastheniker in Sachen „Eiskratzen“. Die Scheiben seines Autos lachen ihn aus, ich kann es durch die Ohrhörer mit verfolgen. Mit seinem Playmobildingens versucht er massives Scheibeneis nur durch unmotiviert müdes Reiben oberflächliches zum schmelzen zu bringen. „Kratzen“ denke ich mir, „Du musst kratzen Du Trottel, k-r-a-t-z-e-n, nicht schaben, sonst stehen wir in 2 Tagen noch hier. Mein Tank ist dann alle, bekomme reichlich Mecker vom Chef, ratlose Kunden auf der Suche nach mir Hilfe rotten sich zusammen und Du bist erfroren, Dein Auto lacht Dich immer noch aus. Los streng Dich, ich habe nicht ewig Zeit. Ich muss zudem auch mal. “

Er verliert die Lust über dem nutzlosen Streicheln seiner Scheiben und schmeißt das auch für ihn nun erkannte, komplett untaugliche Ding auf den Boden. Er tritt es frustriert unter sein Auto und ….. erweckt dabei mein Mitleid. Seinen Parkplatz mag ich unbedingt haben, weil zufällig der einzige Verfügbare weit und breit und der ist nämlich sehr schön. Was mache ich also? Ihm meinen wertvollen 2. Hochleistungseiskratzer aus meinem Kofferraum geben? Das würde bedeuten ‚raus in die Kälte und so weiter‘. *brrr* Jede Minute im Warmen ist mir kostbar. Die Zeit rinnt, ich werde mir ihm helfen. Mit meiner Scheibenenteisersprühflasche bewaffnet frage ich höflich, ob ich ihm aushelfen dürfte, damit er mir seinen Parkplatz vermacht. Seit Gesicht ist rot vor Kälte, seine Nase läuft. Ein dünnes Mäntelchen in Trenchcoat-Optik, feines dürres Schälchen, keine Handschuhe, kein Wunder das er friert und Galle spuckt. Ich höre ein mürrisches „Ja bitte, mir egal, Hauptsache die Schreiben sind frei und ich kann weg“ dabei tritt er zur Seite. Ich sprühe ein paar Mal aus der Flasche auf seine Frontscheibe und seine Seitenscheiben. Der Erfolg ist binnen weniger Sekunden schon sichtbar. Er flucht indes immer noch, ich kann es jetzt ja hören. „Scheiß Wetter, scheiß Kälte, verdammter Mist in bin zu spät, Dreck verdammter, usw. Ich bin fertig wünsche ihm dennoch einen schönen Tag und setze mich wieder ins warme kleine Schwarze. Er steigt schnell ein, winkt mir dankend, seine Zähne sind dabei ganz kurz sichtbar (ah – ein Lächeln) und weg ist er. Hallo Parkplatz, Du gehörst für heute mir!

„cafe del mar“ versüßt mir den weiteren Gang durch die Arschkälte ins Büro. An der(!) einen Ecke weht wie jeden Morgen schon wieder dieser schneidige Wind, als wenn er auf mich wartet. Leider muss ich da lang, keine andere Möglichkeit. Ich ziehe den Krangen des Mantels etwas höher, fluche über den energisch zupackenden Wind und denke just an den Mann von eben. Sein Tag ist definitiv versaut, fluchen macht es nicht leichter, fluchen macht diese mistige Straßenecke auch nicht wärmer, fluchen verhindert nicht das ich jetzt gerade so doll friere. Also was solls. Bloß schnell ins Warme.

vereiste Seitenscheibe

[Bild © gabisch / www.pixelio.de]

7 Gedanken zu „nicht fluchen

  1. *öhm* Doch. Ich weiß jedoch um die Gefahr meine Umgebung zu überhören. Die Stöpsel schließen daher die Umwelt nicht aus und sowie auch die Musik adäquate Lautstärke hat.

  2. Himmeherrgottsacklzement! Fluchen? Das soll man nicht, verdammte Scheiße! Das ist so unfein, verfickt nochmal! Ich kann ’s fürn Arsch nicht leiden, wenn Leuten so dermaßen ihre Scheißsprache entgleist. Welch verkackte Disziplinlosigkeit.
    🙂

  3. Nicht doch beste buchstaeblich. Niemand, am allerwenigsten ich, möchte jemand anderem, am allerwenigsten Ihnen, auch nur ansatzweise das herzhafte Fluchen vergrämen. 😀 Nur gebe ich gerne zu, dass es mir zum fluchen einfach zu kalt war.

  4. Oh Mann, ich glaube ich wäre vor Scham im Boden versunken, wenn mich jemand beobachtet und mir dann noch seine Dienste angeboten hätte. Vermutlich wäre ich eher wenigsehend um die Ecke gebogen, um es dann nochmal in Ruhe zu versuchen. Aber ich bin ja auch ein schüchternes Mädchen… 😉

  5. Hach, was bin ich froh, daß ich eine Garage habe. Ich weiß diesen Luxus zu schätzen. Lange genug habe ich auch jeden Morgen fluchend mein Auto freigekratzt.
    Mit dem Schweibenwischer habe ich allerdings kein richtiges Mitleid. Soll er sich bei dieser Arschkälte ordentlich anziehen.

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