Taschenlüger

oder Meine persönliche Gedanken zur Hessenwahl am 18.01.2009.

Die Frage war nicht ob die CDU in Hessen gewinnt, sondern lediglich wie hoch. Da gab es nichts zu orakeln, das Ganze konnte nicht schief gehen. Der unbeliebte Herr Koch hat die bravurös dilettantische Steilvorlage von der nun noch viel unbeliebteren Frau Ypsilanti zu nutzen verstanden und eben nicht noch wie im vorigen Wahlkampf, mittels billigster Polemik und fragwürdigen, weil im Ansatz als möglicherweise fremdenfeindlich auslegbarer Parolen zu punkten versucht. Alles schön easy und in Ruhe. Jetzt nur keine Fehler machen. Das unerwartete Projekt ‚Comeback‘ konnte nur gelingen, die Vorarbeit war allumfassend.

Nach Schließung der Wahllokale und den ersten seriösen Hochrechnungen hat dann Frau Ypsilanti gestern doch die politische Verantwortung für das desaströse Wahlergebnis der SPD übernommen und ist zurückgetreten. *rofl* Ja ist es denn? Jetzt schon erst? Auf was hat sie denn gewartet? Auf schönes Wetter? Auf fabulöse 50,1%? Die Fenster im Türmchen sind aus Milchglas, oder doch Klebstoff auf dem Stuhl? Der Rücktritt nutzt niemandem, egal wann er verkündet wurde. Wenn es eine symbolische Handlung gewesen sein soll, wüsste ich gerne welche Symbolik dahinter steht.

Für mich erwartungsgemäß sind nur sehr wenige Hessen zur Wahl geschritten, nochmal weniger als sonst. Wen sollte man denn wählen?

  • Die FDP dackelt hinter der Macht hinterher, egal wer sie hat.
  • Die Grünen sind gut als Gegenpol, aber mehr traue ich denen einfach nicht zu.
  • Die SPD hat es nicht mehr verdient gewählt zu werden und
  • CDU heißt Herrn Koch wieder zurück ins Amt zu hieven.

Das ganze Debakel ist wie Hardcore-Flaschendrehen unter Schwulen und ich selbst bin Hetero. Also habe ich entschlossen zu verweigern. Ich habe bewusst darauf verzichtet mein Kreuz zu machen. Mein schlechtes Gewissen deswegen hielt sich in Grenzen.

Dann lese ich heute morgen das:

Taschenlueger

[quelle: netzeitung.de]

Vertrauensvorschuss? Hä? Jeder gesunde Mensch, der sich die Situation anschaut weiß was passiert ist. Wählerwanderung, aber nicht aus neu gewonnener Überzeugung. Die FDP ist wohl noch das geringste Übel, wenn ich schon wählen gehe, dann halt die. Ist schließlich besser als gar nichts. Wie viele mögen so gedacht haben? Die Aussagen und das Programm der FDP haben sich gegenüber dem Wahlgang von vor letztem Jahr nicht, oder nur geringfügig geändert. Halt doch, es hat sich was geändert. Es gab neue Plakate und man hat sinngemäß auf die Plakate schreiben lassen, dass man natürlich Wort halten werde. Alleine in Sonnenberg hat ein Scherzbold mit schwarzem Edding dick und fett „Amen“ ergänzt. Ich war es nicht – ehrlich!

Doch wird sich in die Taschen gelogen, was das Zeug aushält und ein großer Erfolg gefeiert. Des anderen Untergang ist der eigene Vertrauensvorschuss. *rofl* Wie weit weg von der Realität kann man noch sein?Ach egal, sie werden zusammen mit der CDU für weitere 45, wenn nicht gar für 810 Jahre in Hessen von vorne versuchen alles zu retten, was sie vorher selbst verursacht haben. Neue Periode – Neues Glück. Der Wähler vergisst sicher wieder, es dauert nur. Es hätte sicher schlimmer kommen können und die Linken stünden mit 50,1% vor uns. 😉

Nachtrag 20.01.: Alle Landtage werden für 5 Jahre gewählt, nur Bremen und Hamburg wählen Ihre Bürgerschaften für 4 Jahre. *peinlich*

7 Gedanken zu „Taschenlüger

  1. So sehr ich ja prinzipiell dafür bin, sein Wahlrecht fleißig zu nutzen: Gestern war ich heilfroh, nicht in Hessen zu wohnen – mich hätte es ebenso zerrissen, bzw. in Schockstarre auf dem heimischen Sofa fixiert.

  2. @paramantus
    Was waren die Alternativen? Eben. IMHO nimmt der genervte konservative Wähler das Übel was er glaubt zu kennen, weil schlimmer wird es kaum werden.

  3. Ich verstehe nicht wieso so viele Leute der Meinung sind bei einem schlechten Angebot an Alternativen dann einfach nicht wählen gehen! Denn das ist in meinen Augen der vollkommen falsche Weg den Politikern zu zeigen was man von deren dummer Politik hält. Schließlich ist jede nicht abgegebene Stimme wiederum eine mehr für Parteien mit denen man nun gar nicht kann.
    Wenn es keine Alternativen gibt, dann wählt man halt eine klitzekleine Splitterpartei, wie die Gartenfreunde oder was weiß ich! ich bin der Meinung, je mehr Stimmen abwandern zu kleinen Parteien, um so mehr müßten die etablierten Parteien doch in grübeln kommen das sie was falsch machen. Da ist es egal das die kleinen Parteien unter fünf Prozent kommen, aber es sind Stimmen die den großen fehlen. Wenn nur jeder zweite Nichtwähler seine Stimme einer kleinen Popelpartei gibt, was meinst Du wie sehr da die großen etablierten Parteien ins rudern kommen!
    Wir haben das Glück in einer Demokratie zu leben, also sollten wir auch auf Teufel komm raus davon Gebrauch machen. Andere Länder haben nicht das Glück!

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