Businesskasper on tour

Im Anzug einen Arbeitstag zu bestreiten verursacht mir fast immer ein mulmiges Gefühl. Es macht mir in dem Sinne nicht wirklich etwas aus (eigentlich aber schon) und doch komme ich mir lächerlich und deplatziert vor. Sicherlich auch deswegen, weil ich im Alltag eher leger und salopp herumlaufen darf. Gewohnte Kleidung gibt mir Sicherheit gegenüber fremden Menschen. Sachen und Dinge zu tragen, die man zwar selbst gekauft, aber dennoch eher fremd sind, verursachen genau das Gegenteil – Unwohlsein.

Heute muss die Kasperei leider sein, also Anzug mit Krawatte (der Windsor wurde früh und richtig erlernt und sitzt daher immer noch). Der Laptop-Rucksack mit den bunten Anhängseln der damals kleine besten Tochter von allen passt definitiv nicht zum Outfit, es ist mir egal. Die Kasperei hat trotz der relativen Wichtigkeit dennoch seine Grenzen. Sich verstellen liegt mir nicht, so wie ich bin möchte ich auch wahrgenommen werden.

Dieses Mal werde ich Kunde sein, ich werde Geld ausgeben können. Sie ahnen es und ich weiß es. Das ist eine Art der Verantwortung, der ich in meinen gewohnten Sachen sicherlich etwas gelassener entgegensehen würde. Was zur Hölle sind das nur für krude Gedanken? Das ist sicher nur der Kopf und die Nervosität vor dem Flug.

Im Support ist es menschlich gesehen dann schon einfacher, die Anfrage kommt rein, man kümmert und bemüht sich, holt sich seine Portion Beschimpfung, Laberei oder gar mal ein Lob ab und legt auf/drückt auf senden – fertig. Mein Barometer im Bauch wird helfen, darauf kann ich mich verlassen. Ich bleibe ich – immer!

Um 07.20 Uhr soll es losgehen. Das wird ein langer Tag. Im Moment sitze ich wohl schon im Flieger und versuche die Armlehne zu zerdrücken, oder auch nicht. Alles wird gut.

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6 Gedanken zu „Businesskasper on tour

  1. Ist doch sicherlich schön, mal KUNDE zu sein, oder? Ich habe immer die wildeKerleTasche von Kind2 auf Reisen dabei. Gibt mir Kraft, weil ich ein Stückchen zuHause dabei habe. Sollen die anderen doch gucken. Wenn Konformität so leicht zu zerstören ist, dann ist es mir gerade recht.
    Die kleinen Anhänger am Rucksack werden schon für das notwendige Glück sorgen!! 🙂 Alles Gute!

  2. du sprichst mir aus quasi aus der seele. war am mittwoch auch im schicken hosenanzug und mit mantel in düsseldorf unterwegs. das bin nicht ich und ich erschrecke mich davor, wie ich dann wahrgenommen werde. oder besser, dass ich dann wahrgenommen werde. andere anzug- oder schlipsträger erkennen in mir eine scheinbar gleichgestellte, obwohl ich das so gar nicht bin.

    fliegen hingegen macht mir spaß, besonders der start… 😀

  3. @DiePrinzessin
    Merci. Hat mitgeholfen:)

    @Meg
    Immer und immer wieder. 🙂

    @sevenjobs
    Ja ist es. Es ist ungewohnt ‚hofiert‘ zu werden, doch könnte ich mich dran gewöhnen. Außer mir hatte nur die IT noch Laptop-Rücksäcke. Merkt man doch gleich, wo ich herkomme?. 😉

    @buchstaeblich
    Das ist beruhigend. Der Hinflug war für mich Flug-Anfänger vorsichtig ausgedrückt ‚wenig Vertrauen erweckend‘. Es hat sich hinten sehr ruppig und wild angefühlt. Nicht schön. Gottlob hatte ich in weiser Voraussicht nur einen Toast zum Frühstück. Der Rückflug indes war sanft und weich wie ein Federkissen. Ich bin davon überzeugt, dass es nichts damit zu tun hat, dass der Hinflug ein reiner Mädelsflieger war, der Rückflug dann nicht. Ich bin kein Chauvie, nein – bin ich nicht. 😀

    @Semmy
    Ich verstehe was du meinst, sehr genau sogar.

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