Messezeit

Es steht die (noch) größte IT-Messe hierzulande an, die CeBit. Wenn man die Presse, die Newsletterverweise, die unzähligen Messeposts, die diversen Ankündigungen aller namhaften Hersteller, usw. erfolgreich ignoriert und man diese Phase der Messevorbereitung erfolgreich verdrängt hat, wird man spätestens dann auf den Boden der Tatsachen geholt, wenn die Eigenadressbuchdurchforster ihre „Hallo, ich bin noch da“ Mail senden. Davon gibt es leider heuer reichlich.

Menschen die unbedingt noch einen Slot auf ihrem Stand besetzen müssen, damit Cheffe sieht „Schau hin, alles schon ausgebucht, ich bin fleißig“, bis zu Business-Menschen die scheinbar aus purer geschäftlicher Verzweiflung eine mitunter deutlich zu persönlich gefärbte E-Mail verfassen. Das ganze Prozedere gehört irgendwie auch zum Business, aber ich mag es dennoch nicht. Im Ghostwriter sind deshalb schon lange ein paar diesbezügliche Floskeln vorbereitet, die werden verschickt und sollten bis zum nächsten Jahr halten, falls ich nicht schon vorher aus deren Adressbuch fliege.

Eine dieser ‚Hallo‘ Mails ist mir in der Menge dennoch aufgefallen. Doch dazu gibt es eine Vorgeschichte:

Vor etwa 3 Jahren ging es eine neue Telefonanlage für die Firma zu leasen und einbauen zu lassen. Mithilfe eines überschaubaren Pflichtenhefts wurden die üblichen Verdächtigen der Branche von mir mit der Bitte um Abgabe einer Offerte angeschrieben. Es folgte der normale Gang, bis 2 Anbieter übrig blieben. Diese Beiden lud ich mir ein, um Details der Offerte zu besprechen. Einer der beiden Kandidaten schlug mit 3 Leuten bei mir auf. Etwas überzogen für eine verhältnismäßig kleine Anlage, aber es ist ja nicht mein Geld.

Wie in Meetings üblich hielt man zuerst etwas Smalltalk und sollte dann aber irgendwann zum Geschäft kommen. Doch diese drei hatten anderes im Sinn. Man referierte über die Vorzüge der Hubber-Blubber GmbH, vor allem als Hardwarelieferant für Laptops, PCs und Server für die wir sicher Verwendung hätten. Man versuchte mehr oder weniger unverblümt unsere Quellen zu ergründen, unsere dortigen Konditionen zu erfragen und so weiter. Aus Höflichkeit spielte ich etwas mit, gab aber nichts wirklich verwertbares von mir. Zu meiner Verwunderung bremste meine offensichtliche Zurückhaltung die 3 nicht etwa aus, sondern stachelte sie gar noch an mich weiter im Thema zu behelligen, so wie schlechte Vertriebsleute nun mal sein können. Wobei 2 eher die ruhigen Vertreter waren und nur einer so penetrant war.

Nach ~10 Minuten bat ich zum eigentlichen Grund des Treffens, also unserer neuen Telefonanlage zu kommen. 3 Sätze später waren die schon wieder bei Leasingkonditionen für Server, Laptops und Desktops. Das wurde mir zu bunt. Erneut bat im unabsichtlich zu unwirschen Ton dieses Gesprächsthema nun endgültig zu beenden und mit mir bitte die Details zum Angebot zur Lieferung der Telefonanlage zu unterbreiten. Und zur Untermauerung meiner Aussage schob ich noch nach, dass wir kein Interesse unseren bisherigen Händler zu wechseln hätten. Darüber könne man ggf. gerne reden, wenn die Telefonanlage von der Hubber-Blubber GmbH tatsächlich eingebaut werden sollte und wir damit zufrieden wären. Es trat eine kurze Stille ein und wir gingen endlich zum Thema Telefonanlage, für genau 5 Minuten. Auf meine Frage „Welche Vorbereitungen sind getroffen, um die Telefone an unsere PCs anzubinden“, ging es jedoch sofort wieder los, dass man zur Anlage auch die passenden Laptops und PC liefern könne usw. usw.. *argh*

Wie der Ruediger nun mal sein kann, wenn er extrem genervt wird, gibt es kurze knackige Rundschläge ohne weitere Vorwarnungen. Ich stand auf und wollte zum Erstaunen der Drei das Meeting vorzeitig beenden. Ich bedauerte ihre Zeit verschwendet zu haben, denn offensichtlich hätte die Hubber-Blubber GmbH kein Interesse für Telefonanlagen zu liefern und einzubauen. Nach einer kurzen Phase der Verwunderung trat eine gewisse Empörung über mein rüdes Verhalten zu Tage. Wir einigten uns dann, ausschließlich über das Angebot zu sprechen und sonst über nichts. Der Penetrante verabschiedete sich daraufhin und die beiden Ruhigen blieben. Sollte mir auch recht sein. Der Rest des Meetings war schon etwas angespannt, aber komplett im Thema. Sie kamen wegen der Konditionen und der kostenpflichtigen Serviceleistungen dann letztlich doch nicht zum Zuge.

Heute bekomme ich also eine „Hall-wach“ Mail von der Hubber-Blubber GmbH von dem Typ, der damals das Meeting vorzeitig verlassen hat, mit diesem Inhalt:

Ich möchte Ihnen, als Außendienstmitarbeiter der Blubber-Blubber GmbH, einen Wechsel auf ein modernes Telekommunikationssystem günstig ermöglichen. Hierbei erhalten Sie, je nach Größe und Preis des neuen Systems, eine „Abwrackprämie“ von bis zu xxxxx,- Euro für Ihre alte TK-Anlage verrechnet – Demontage inklusive.

Ich musste herzhaft lachen, alleine schon wegen der Abwrackprämie für Telefonanlagen. Das wird vermutlich das Unwort für das Jahr 2009. Wenn Marketingabteilungen aufgrund aktueller Umstände schnell kreativ werden müssen wollen, kann auch mal so etwas ‚absurdes‘ heraus kommen. Ich schreibe dem Absender, er möge mich doch bitte aus seinem Verteiler nehmen, weil wir uns seinerzeit für einen Wettbewerber entschieden hätten und ich auch für die Zukunft keine Möglichkeiten der Zusammenarbeit sehe.

Ratet was als 15 Minuten später als Antwort kam, „Wenn wir nicht um eine neue Telefonanlage reden wollten, könne man sich ja auch über Laptops, Desktop und Server reden. Man wäre jederzeit in der Lage und auch Willens ……“ *argh*  *plonk*

5 Gedanken zu „Messezeit

  1. Sehr schön!
    Vertriebler sind die ersten, die an die Wand gestellt werden, wenn die Revolution kommt.
    Ist der PLONK jetzt eigentlich in der Zwischenzeit zur einem anderen Unternehmen gewechselt? Von Hubber Blubber zu Blubber Blubber?

  2. Diese Ignoranz ist ja wohl kaum zu toppen. Wenn er diese Schiene so penetrant fährt, muss er damit ja überwiegend erfolgreich sein….

  3. Kaum vorstellbar, dass diese Penetranz sich in Aufträge auszahlt. Oder auch vielleicht gerade deswegen. Diese Art des Verkaufens ist jedenfalls nicht für mich und unabhängig des Produkts und den Konditionen schon abschreckend genug. Kein Partner den man sich wünscht.

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