Blattbefreiung

Der Hunger trieb mich zu Ban-Thai für gebratenen Reis mit Hühnchen und Gemüse. Wobei ich unbedingt mal mit denen reden muss, der Hühnchenanteil nimmt gegenüber dem Gemüseanteil überdurchschnittlich ab. Wobei das mit dem Reden schwer wird, die beiden ‚Cookies‘ sind asiatisch freundlich und höflich, doch egal was ich sage, mein Eindruck nicht verstanden zu werden verstärkt sich expotential mit der Kopfnickfrequenz der Beiden.

Ich trau mich kaum etwas anderes zu bestellen, weil ich fürchte brachial scharfes Zeugs kredenzt zu bekommen. Frage ich „wie scharf“ lächelt sie. Wie lieb. Und mir fliegt am Ende die Schnauze in Fetzen. Danke nein. Wenn ich meinen Reis bestelle und ‚bitte nur etwas scharf‘ bestelle, lächelt sie und nickt in bester Headbanger-Manier. Es ist spannend bis zum auspacken, ob es mir den Gaumen entzündet oder nur heftig an der Lippe bitzelt, oder sich die Nebenhöhlen schlagartig befreien. Sie macht das scheinbar nach Tagesform, mal mehr oder mal weniger. Sie ist nett und ich glaube am Grad ihres asiatisch freundlichen Lächelns schon erkennen zu können, wie es mir in etwa 30 Minuten gehen wird. Nicht das wir uns missverstehen, ich mag gut gewürztes Essen. Es darf auch mal etwas mehr würziger sein, doch möchte ich von der Trägermasse der Schärfe außer der Konsistenz auch gerne noch etwas Eigengeschmack mitbekommen. Heute lächelte sie sehr verhalten, vermutlich auch weil sie die Haare geschnitten hat, also werde ich einen guten Mittag haben. Bewaffnet mit der Portion Reis und einem köstlichen Schoko-Muffin vom Wiener Feinbäcker, eile ich zurück ins Büro. Hunger! An der Tür:

unten

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Grinsen, Karte an den Leser drücken, brummen abwarten, rein, Aufzug holen, hoch, Lunchroom, Bauch vollschlagen, Muffin töten, 2 Cappuccino – hat alles geklappt. Der Mittag ging gut, die Arbeit fluscht, die Sonne scheint. Als fleißiger Mensch gehe ich dann heute mal pünktlich, also einigermaßen. Außerdem muss ich noch Zeugs für meinen CeBit-Aufenthalt besorgen. Den Aufzug runter und fällt mir auf, dass ich den ersten Tag seit langem bei Licht ins Büro gefahren bin und es auch im Hellen wieder verlassen werde. Die Laune steigt, es heißt heute früher nach Hause. Der Zettel an der Tür ist weg. Auf der Strasse schaue ich neugierig nach oben in den 3. Stock, um das misshandelte Blatt oder auch nicht mehr zu erspähen.

oben

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Pech für das Blatt, es muss leider weiter leiden. Neben mir steht eine mir vom Sehen bekannte Frau und schaut auch nach oben. „Äschd jez“, sagt sie, „di kenne des Blädsche ruisch widder roi nämme, ei des ged dooch gabut. Hawwe se ach vorhien den zeddel do an de dier g’sehe?“ Wir quatschen noch einen Moment, also sie quatscht und ich versuche nur dem Schwall ohne Schaden zu folgen und dann geht jeder seiner Wege. Ich sitze im Schlittchen, rein aus guter Laune und weil die Sonne herrlich zwickt zupfe ich die Sonnenbrille aus dem Etui und lasse Tim Daughtry laufen. Das Schlittchen fährt mich nach Hause. Heute war ein guter Tag.

P.S. Warum hat GIMP eigentlich keine vorgefertigten Pfeile oder andere Stardardformen?

4 Gedanken zu „Blattbefreiung

  1. Ick gloob det nich….wat ihr da die Planzen quält. Bei uns jib et sowas nich…

  2. @FrauLehmann
    Soweit ich heute gesehen habe, klemmt das Blatt noch immer im Fenster. Das Büro ist besetzt, offensichtlich ist es dem- oder derjenigen nicht wichtig.

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