Blei im Arsch

Zwar habe ich die Laufpause beendet, doch muss ich mich plötzlich extrem aufraffen und arg an der Kandare halten. Das Ziel ist seit jeher die gewählte Strecke bestmöglich in einem Zug zu bewältigen, in dem vorgenommenen Tempo, ohne Zwischenpausen (aka. Notgymnastik) und ohne mich zu dabei überfordern. Die Grenzen habe ich letztes Jahr ausgelotet, also gelernt wie und was ich mir zumuten kann und darf. Die ersten paar hundert Meter benötige ich um meinen Tritt zu finden, den ich dann idealerweise bis zum Ende beibehalte. Wenn alles klappt, muss ich mich dann zu nichts mehr zwingen, sondern kann recht entspannt laufen. Auf der Strecke habe ich dann Zeit und Muße mir die Gegend anzusehen, Tage und/oder Situationen zu reflektieren, Leute im Park zu beobachten, oder auch schlicht nur Blödsinn zu denken. Das ich dabei laufe, nehme ich dann erst an 2.Stelle wahr.

Und heute, nach ca.3 Wochen wiederaufnahme des Lauftrainings? Der kleine Wicht (aka. innerer Schweinehund) hat hinzu gelernt und ist mächtig wie nie. Die mehr oder weniger mühsam antrainierten Mechanismen des letzte Jahres greifen nicht mehr, den Tritt finde ich nur sehr schwer, egal welche Tempo ich anschlage. Das fühlt sich richtig beschissen an. Dazu kommt, dass ich plötzlich meine 5km Strecke nicht mehr durchstehe, der kleine Wicht drängt mich zur Pause.

An fehlenden Erholungspausen kann es nicht liegen, es immer mindestens 1-2 Tage sind zwischen den Läufen, max. 2 Läufe die Woche und für die Wiederaufnahme nicht mehr als 5km. Die Distanz hat sich also nicht verändert, die Strecke ebenfalls nicht. An meiner Aufwärmgymnastik vor dem Lauf hat sich nichts geändert. Der kleine Wicht gibt auch keine Ruhe, wenn ich mir als Ziel <50 statt <40 Minuten setze. Die Beine werden dennoch nach ca.3km bleischwer. Das ist kaum zu ignorieren und schon gar nicht, wenn die Beine zu brennen anfangen. Also gehe ich zähneknirschend ein Stück, bis die Beine wieder gut sind, oder ich mache zusätzliche Lockerungsgymnastik. Das Brennen kommt kurz vor Ende der Strecke noch einmal wieder. Dann bin ich die Streck testweise umgekehrt gelaufen, jedoch ohne eine Änderung zu erfahren.

Viele Läufer haben dieses komische Brennen in den Beinen, mal mehr oder mal weniger. Es wird allgemein auf mangelnde Ausdauer zurück geführt. Doch nach der Strecke fühle ich mich, als hätte ich fast ’nichts‘ gemacht. Die Probe aufs Exempel kam letzten Sonntag auf dem Crosstrainer. Bewusst bin ich hier 2 Stufen über meinen normalen Level gegangen, dann strikt/gleichmäßig und kontant 60 Minuten (15 mehr als normal) auf dem Gerät geblieben. Gegen Ende wurde es erst anstrengend, doch kein brennen und kein kleiner Wicht. Als ich vom Geräte runter war, beklagten sich die Beine und es stellte sich das vertraute ’nach-sportliche‘ Gefühl ein. Das werte ich als ‚genug Kondition vorhanden‘.

Das Phänomen im Park deute ich dennoch als Überlastung. Irgend etwas ist zuviel, nur was ist es? Der feste Vorsatz die nächsten 4 Wochen die Pause wieder weg zulaufen, die Strecke intus zu bekommen, mich wieder dran gewöhnen, schwindet aufgrund des Frustes und der wiederum schafft Platz für Zweifel.#verdammter.mist

Ich sehe keine signifikante Änderung in den Vorbereitungen, der Durchführung, dem Grundsätzlichen gegenüber dem letzten Jahr, in dem ich zuletzt sehr locker die 5km lief, teilweise sogar unter 25 Minuten. Was ist es also? Trainingsdefizit? Direkt nach der Pause hat es sich nicht so komisch angefühlt. Wo kommt das Ganze so plötzlich her? Ich bin mir fast sicher, dass es nur der Kopf ist. Ausgerechnet.

Da die Schuhe ziemlich fertig sind, versuche es mal auf diesem Weg. Sprich Samstag ist Shopping-time.

5 Gedanken zu „Blei im Arsch

  1. Sport ist Mord! 🙂 Ich liebe diese Beiträge über Sport oder Abnehmen, wenn ich dabei gemütlich auf dem Sofa sitze….gerade Kirsch-Puddingkuchen gegessen habe und der Darjeeling noch dampft.

  2. Da musst du wohl durch. Ich kenne Ähnliches, wenn auch auf anderem Niveau. Am Jahresanfang kämpfte ich mich mit schweren, harten Beinen ab Kilometer 13 ab. Nach 3-4 Einheiten gewöhnt sich der Körper daran. Jetzt kann ich länger laufen ohne Probleme zu bekommen. Bleib einfach am Ball und wirf die Flinte nicht ins Korn. Es wird schon.
    Vielleicht solltest du auch mal eine andere Strecke versuchen, eine wo du nicht immer sofort weißt, wo du bist und dich dadurch belastest. Abwechslung setzt neue Impulse und ist manchmal gut für die Motivation.
    PS: Was ist ein innerer Schweinehund? Sowas kenn ich nicht.

  3. Ja, durch muss ich wohl durch. Die neuen Schuhe helfen dabei. Die Strecke wollte ich variieren, wenn die Jetztige mir zu öde wird. Im Moment geht es, es gibt halt immer was zum gucken. Bis Ende Mai wollte die 12km (also 2 Runden) intus haben. Ach was plane ich hin und her, abwarten was kommt. 🙂

    Der innere Schweinehund ist der Drecksack, die sich bei km13 ins Gehirn schleicht und permanent flüstert „mach langsamer, bleib doch mal stehen, lauf mal ein Stück, wofür machst Du das alles, ist doch öde immer um die Ecke zu laufen, … usw. Den kennst Du wirklich nicht? Nimm meinen, den kann ich nicht gebrauchen und mach den mal fit. 🙂

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