Trottoirpanzer

Die Trottoirs in Geschäftsstraßen sind häufig von Händlern und deren externen Warenauslagen zugestellt. Soweit ich weiß, darf ein Händler seine Waren vor seinem Ladengeschäft dann auslegen, wenn das Ordnungsamt die Genehmigung erteilt dazu hat, sowie und auch der entsprechende Platz dafür vorhanden ist. Die Erlaubnis ist immer an genau definierte Abmessungen und Grenzen gebunden, alle Händler halten sich auch ganz bestimmt dran.

Dies alleine wäre nicht so bemerkenswert, gäbe es nicht Kinderwagenschieber die ihre Kinderwagen zum Trottoirpanzer umfunktionieren. Dies macht sich ganz besonders dann negativ bemerkbar, wenn sich aufgrund einer oben beschriebenen künstlichen Trottoir-Verengung und der Nähe zu einer befahrenen Strasse, eine Gruppe von Menschen sich langsamer bewegen muss und es zum Stau kommt. Sodann der Kinderwagenschieber in der Regel dennoch weiterhin frohen Mutes ist, umgehend Platz für sich und die Panzerbesatzung wähnt geschaffen zu bekommen, da sich alle Behinderungen in eine andere Dimension verflüchtigen. In der Realität jedoch hagelt es meist schmerzhafte Achillessehnenrempler (Warum zum Teufel müssen so viele Kinderwagen ausgerechnet in der Höhe derart feste und scharfe Kanten haben. Jeder Scheißdreck wird mit abgerundeten oder aufprallsicher armierte Verstrebungen geliefert, weil sonst irgend eine Prüfinstanz ihren Segen nicht geben würde.), verdreckte Hosenbeine (Wenn die Panzerbesatzung abenteuerlustig die verschlammte Spielplatzbotten weit abgespreizt und in bester Schneefräsemanier horizontal rotieren lässt), löchrige Nylons (durch abstehendes kantiges Bespaßungszubehör der Besatzung),  lautes Gehupe (aufgrund von flüchtenden Menschen, die versuchen auszuweichen und auf die Strasse springen, auf der rein zufällig auch noch Autos fahren) oder auch Menschen wie ich.

Menschen, die einer Attacke schlicht nicht ausweichen können, weil sie sonst in der Warenauslage landen würden, weswegen sich an der Stelle ja schließlich alles staut. Daher nehmen wir auch sehr gerne in der Absicht vorzeitig die Aufmerksamkeit des lenkenden Menschen zu erwecken direkten Blickkontakt auf, was gerade bei weiblichen Menschen mit scheinbar muslimischer Gesinnung meist die gewünschte Reaktion hervorruft. Die Dame um die es hier geht, ist jedoch intensiv damit beschäftigt blödes und sinnlosen Zeugs in ein Handy zu schreien, derweil sich die im Mundwinkel befindliche Kippe binnen kurzem selbst in Richtung der Fräse abascht. Die Labertasche schiebt sich also sehr eilig das Trottoir entlang, unaufhörlich in Richtung des Staus ohne im Stakkato der geschrienen Worte auch nur etwas Luft holen zu müssen. Auf gleicher Höhe des Sateus angekommen stobt der Teil der Menge der es kann auseinander, nur ich komme natürlich nicht weg und werde auch direkt von der Kinderbeinfräse erfasst. Der Panzer ruckt während ich laut und vernehmlich „Achtung“ rufe. Vermutlich wählte ich die falsche Sprache, denn anstelle nach vorne zu schauen hält sie weiterhin ihren Blick gesenkt und drückt den Panzer feste weiter. Jeder Widerstand lässt sich schliesslich irgendwann brechen, es ist nur eine Frage des Drucks. Diesem kann ich nur noch bedingt standhalten, rufe erneut sehr laut „Achtungggg“ (mit erheblich Betonung auf das g) und folge dann doch schliesslich den Regeln der Physik, indem ich mich längs und möglichst unbequem auf den Kinderwagenpanzer ablege. Nun beginnt die Fräse im emotionalen Warnton loszuheulen, was auch endlich die Aufmerksamkeit der Panzerlenkerin hervorruft. Der Blick geht sofort auf den Kopf der Sirene, das Handy immer noch am Ohr (nur nichts verpassen), die Asche wird endlich im Rücken der Sirene versenkt. Ihr Blick trifft mich und gibt mir so zu verstehen, dass sie ob meiner verdrehten Haltung über der anschwellenden Sirene stark verwirrt ist. Der Panzer drückt erwartungsgemäß nicht mehr, weil sie gleich alle freie Kapatität zum denken benötigt. Die Sirene jault erbrämlich weiter, die blöde Tusse verwirrte Person an der Lenkstange versucht derweil krampfhaft und mühevoll die sich ihr darbietende Situation zu entschlüsseln. Dieses 3 Sekunden geben mir genug Zeit mich wieder aufzurichten und aus dem Fräsbereich der Sirene zu gelangen. Sie hat die Situation endlich doch erfasst und bewegt den Panzer mit den fräsenden Beinen ein Stück nach rechts, um an mir vorbei zu kommen, die Fräse keult im Panzer sitzend und wie von Sinnen weiter. Dank der stetig weiterheulenden Sirene wird selbiges im weiteren Verlauf des Trottoirs sicher nicht mehr vorkommen.

10 Gedanken zu „Trottoirpanzer

  1. …mmmh was hat den das „unterschichtgehabe“ mit „muslimisch“ zu tun ?
    was hat denn das Kinderwagenschieben auf scheiss-engen Fußgängerwegen mit Panzer zu tun ?

    Ich kann mich noch gut daran erinnern wie es war mit dem Kinderwagen oder Buggy auf dem Markt zu gehen. Ja ich bin extra vor 10 gegangen, damit es nicht voll war, nein ich kann kein Kleinkind/Baby und die Einkäufe tragen, nein ich kann das Kind schlecht an der Ecke am Kiosk abgeben. Ja ich kann mich auch noch blendend an die Strassenbahnen erinnern, in die wir nicht hineinpassten, ja ich kann mich noch blendend an die vielen dummen Sprüche erinnern, bloss weil wir an der Langen Museumsnacht auch als Eltern eines Kleinkindes teilnehmen wollten ….
    Und ich kann mich an die ganzen kinderlosen Egomanen erinnern, die meinten gerade noch vor meinem Kinderwagen vorbeizulaufen und darauf setzten, dass ich dann mal stehenbleibe. Und ich kann mich an die Schemzen der Achillessehnen dieser Egomanen erinnern – mit klammheimlicher Freude….
    Und ich kann mich an die muslimischen Männer erinnern, die mir den Kinderwagen in die Ubahn getragen haben und ich kann mich an die Heerscharen von Nicht-Migranten erinnern, die mich auf der Treppe überholt haben.

    Ich ich wundere mich, daß Du all das nicht kannst (okay, ich habe zwei Kinder)
    Aber ich freu mich schon aufs Opa-Sein mit Kinderwagen….

    in diesem Sinne

  2. @Cohn Structa

    …mmmh was hat den das “unterschichtgehabe” mit “muslimisch” zu tun ?

    öhm, nichts … den Bogen habe ich nicht gespannt. Üblicherweise ist es nicht sittsam muslimischen Frauen direkt in die Augen zu schauen, dieses wird in deren Heimatländern als zu offensiv empfunden. Daher werden in den Aufzügen auch mehr Spiegel verbaut als hierzulande, weil der indirekte Augenkontakt toleriert wird. Andere Länder, andere Sitten.

    was hat denn das Kinderwagenschieben auf scheiss-engen Fußgängerwegen mit Panzer zu tun ?

    Manche, oder besser viele Schieber nutzen Ihre Kinderwagen wie Panzer. Und gerade wenn der Bürgersteig sehr voll ist, muss man den Wagen nicht mit Gewalt noch in die Menge hineinschieben, in der Hoffnung das der Rest der Bevölkerung schon Platz machen wird. Mir hat es jedenfalls keinen Spaß gemacht, halb auf dem Kinderwagen und dem brüllenden Kind zu liegen, meinen Bandscheiben übrigens auch nicht. Und derartiges Verhalten gilt für viele unachtsame Kinderwagenschieber, unabhängig eines möglichen Migrationshintergrundes oder nicht. Mir ist es jedoch mit einer muslimischen Dame passiert, ebenso wie es mir auch mit einer deutschen oder französischen Dame hätte passieren können. Das ist kein Versuch irgendeine anti-muslimische Stimmung zu produzieren, sondern die banale Beschreibung eines für mich sehr ärgerlichen Geschehnisses. Also versuche Du bitte auch keine Stimmungen zu erzeugen, das ist hier nicht erwünscht. Danke für Dein Verständnis. Ich wünsche Dir einen schönen Tag.

  3. Kinderbeinfräse? Hihi.. ein schöner Begriff und es ist komplett egal welchen Nationalität die Dame hatte. Es gibt nun mal solche, die trotz Mobilgerät am Ohr aufmerksam die Umgebung scannen, und dann solche, denen es total egal ist, was um sie herum existiert.

    Mir passiert immer folgendes:
    Breite Einkaufsstraße, genügend Platz für 7 Leutchen nebeneinander. Da bin aber nur ich und mir kommt ein Kinderwagen samt Führung entgegen. Ich linke Seite, ersiees rechte Seite. Glaub mal nicht, dass das so bleibt. Spätestens innerhalb von Sekunden zielt man genau auf mich, egal ob ich links oder rechts Haken schlage, sprich entweder umgenietet werden mit Beschimpfungen oder Ausweichen. Hallooo??
    Manche (und zum Glück ist das nicht die breite Masse) meinen mit Erhalt eines Kindes bzw. Kinderwagens einen Freifahrtschein fürs Kinderwagencruisen zu bekommen und somit ist man automatisch Queen and King with Prince or Princess of the Trottoir. Und wenn man nicht bemerkt wird, dann macht man sich halt bemerkbar.. Aua!

  4. @ri
    Und wenn der Lenker versagt, wirft die Besatzung die Schnullies in die gewünschte Richtung … oder so. 😀

    Aber um fair zu bleiben, mit einem Kinderwagen durch die Stadt zu müssen, ist auch nicht immer angenehm. Da muss man hin und wieder auch schon mal forsch zur Sache gehen. Solange keiner zu Schaden kommt ist soll mir das Recht sein.

  5. ich finde kinderwägen besonders auf straßenfesten immer sehr erquickend.
    die fahren einem immer so fein in die hacken.
    und die kinder, die drin sitzen, haben bestimmt auch immer eine tolle aussicht nach oben, in den menschenwald.
    ob das kind abends eigentlich dann noch was zum essen braucht?
    da fallen doch bestimmt von den umstehenden menschen dauernd irgendwelche reste in den wagen?! ich denke da an senfkleckse, brötchenkrümel, hier und da mal n schluck bier ausm humpen…

    sowas haben wir mit david im buggy immer gemieden, entweder im babybjörn, auf papas schulter, zu fuß oder daheim geblieben.
    kinderwagen auf vollen straßenfesten, also echt…

  6. Nur schnell was Provokantes: Rollifahrer sausen auch gerne einen in die Haken, können auf Festen auch nichts sehen, stehen ständig im Weg und die Schieber nehmen keine Rücksicht darauf, ob vor ihnen jemand ein Pläuschchen hält! Sollen Rollstuhlfahren nun lieber daheim hinter dem Herd bleiben?

  7. @Piri
    Nein, warum denn? Das ist ein ’normales‘ Fortbewegungsmittel, ich sehe keinen Grund hier zu separieren. Sicher müssen Umgebungen dafür anders als üblich ausgelegt sein, doch sonst ist das für mich wie ein Mensch der vor mir her läuft. Wenn jedoch ein Rolli-Fahrer absichtlich und quasi mit Ansage mir in die Hacken fahren würde, bekäme er auch die Aufmerksamkeit von mir geschenkt wie jemand, der mir ebenso absichtlich mit seinen Füssen in die Hack tritt. Gleiches Recht für alle. falsch?

  8. Huh, brenzlige Stimmung hier. Zum Thema sag ich jetzt mal nichts, sonst werden irgendwelche Stimmungen gedeutet.
    Hrhr…

    *jetzt auch mal popcorn holt und es sich gemütlich macht*
    round one – FIGHT

  9. @tAXMAN
    Nichts da mit brenzlig, ist doch alles geklärt. Sag ruhig, solange mir keine Fremdenfeindlichkeit unterstellt wird, bin und bleibe ich wie immer sehr handzahm. Außerdem habe ich erfahren das Popcorn doch dick macht. *bätsch*

  10. Hey, Toll geschrieben. Der Bugaboo Kinderwagen ist wirklich einmalig.

    [Edit: Den Link zu Deiner kommerziellen WebSite habe ich entfernt.
    Werbung (auch indirekte) für kommerzielle Webauftritte sind in den Kommentaren
    meines Blogs nicht erwünscht. Danke für Dein Verständnis.]

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