Geldverschwendung, Peinlichkeiten und eine rote Bluse

Wir wollten uns an meinem sicher vorerst letzten möglichen freien Tag und vor dem morgen wieder beginnenden Arbeitsalltag *bäh* noch einen schönen Tag machen, ein wenig bummeln, sachte shoppen gehen, im Cafe sitzen, Sonne genießen, tratschen, gaffen, lästern … den Urlaub gemütlich auslaufen lassen. Wir hatten dann im Städtchen angekommen plötzlich und spontan Lust auf Steak. Da wir in der Nähe des Maredo in Wiesbaden am Marktplatz waren, wollten wir das mal versuchen. Echt schade ums Geld, weil schnodderige Bedienung, mittelmäßiges Essen und gemessen an allem auch noch ziemlich überzogene Preise. So vergrault man neuen Kunden, gut gemacht, mit uns nie wieder.

Unsere Bedienung hat sich äußerlich nichts anmerken lassen, als wir kein Trinkgeld in die Rechnung haben einrechnen lassen. Auch seine umständliche Art das Wechselgeld aus seiner Geldtasche zu fummeln, um uns mehr Zeit zu geben, hat uns nicht weiter beeindruckt. Auf den Cent und Euro genau, nichts war mit Trinkgeld. Abgesehen davon, so eine Bedienung habe ich noch nie erlebt. Fortwährend und gerade noch hörbar war der am brabbeln, ob nun der freie Tisch gegenüber abgewischt oder Getränke/Speisen vorbei getragen wurden, ständig war der am knoddern. Meine Meinung: Wenn man offensichtlich keinen Bock auf Gastro-Service hat, soll man es halt lassen.

Just als wir unser Essen bekamen, nahm ein typisch amerikanisches Paar um die Ende 50 am Nachbartisch den freien Platz ein. Wie Amerikaner, die scheinbar das erste Mal überhaupt in Europa sind nun mal sein können, sie waren laut, sogar sehr laut und auch irgendwie peinlich. Alles war love it, cute, pretty, new und so fantastic und unbedingt musste jeder erfahren (wir saßen draußen), dass sie aus den USA kamen und jetzt hier essen wollen. So eine Art laut sein meine ich.

Beide mit Cocktails vorne weg, die unbelievable strong waren, weil Alkohol in good old Germany wohl doch etwas anderes ist, als at home. Aha, Margaritas und Caipirinhas sind nicht überall gleich. Die größten Steaks und Portionen sollten es sein, think big wie immer, die Bedienung hatte wieder neuen Stoff zum grummeln. 350gr Steaks sind nicht gerade klein, aber das mag drüben anders sein. Es musste also noch größer sein. Ich wette, die haben pro Portion locker 35 Euro hingelegt. Na, mir soll es egal sein. Die Zwei unterhielten mit Leichtigkeit einen guten Teil des äußeren Gastro-Bereichs. Ganz sicher wollte keiner lauschen, doch muss es jedem klar sein, dass ab einer gewissen Lautstärke die Unterhaltung keine Privatsphäre mehr genießt. Sich dermaßen laut zu unterhalten und auch noch scheinbar davon auszugehen, dass keiner englisch spricht ist grob fahrlässig und schon ungehörig. Oder macht man das in den USA so? Kein Scheiß jetzt, ich war noch nie drüben. Die Amerikaner, die ich bis heuer hier kennen gelernt habe, waren jedenfalls nicht so. Um aufrichtig zu sein, mit den Wenigsten war ich überhaupt im Restaurant und außerdem waren die auch alle schon recht lange hier, sprich die kannten die hiesigen Gepflogenheiten. Für uns also eine neue und leider auch sehr unwillkommene Erfahrung.

Von großer Scheu waren die Beiden nicht wirklich geplagt, Details der uns aufgezwungenen teils recht pikanten Konversation erspare ich mir. Das alleine wäre nicht so nervend gewesen, als wenn der Mann endlich mal ein Taschentuch zum putzen seiner Nase gezogen hätte, anstatt seinen Schnodder immer nur wieder geräuschvoll hochzuziehen. Ihm ein Tempo anzubieten habe ich mich dennoch nicht getraut. Hätte ich ihn ansprechen sollen? Da er von sich aus nicht wusste, wie er sich in fremder Gesellschaft und bei Tisch zu benehmen hat, muss er von „Gastgebern“ nicht noch deswegen angezählt werden. Das wäre mir persönlich der Gipfel der Unhöflichkeit.

Wir flüchteten uns später in unser Stamm-Cafe, nur um dann am nahen Nachbartisch mitzubekommen, wie 2 ältere Damen sich nur einen Tuck zu laut um die verdauungsfördernde Nebenwirkung eines ihrer Medikamente unterhielten. Unterbrochen wurde dieses intensive von allerlei anderen medizinischen Themen geprägte Gespräch auch nur immer dann, wenn eine der Damen eben den Nebenwirkungen eiligst Beachtung schenken musste. *argh* Umsetzen ging leider nicht, weil alles voll. Sich vertreiben lassen? Ganz bestimmt nicht. Scheinbar ist es wirklich so, dass je älter die Menschen werden, sich der Lebensmittelpunkt fast ausschließlich noch um die Praxen diverser Ärzte legt.

Auch das ging vorbei und die Gattin wollte auf die Jagd. Eine rote Bluse sollte es sein, immer schon wieder noch. Aber das richtige Rot, im perfekten Schnitt, mit dem perfekten Preis ohne eine bessere Alternative zu haben, finden können ist echt schwierig und eine währe Meisterleistung. 15 Blusen und 4 Läden später hatte wir sie endlich und ich habe mir meinen Heidelbeerbecher verdient. #jipee

Zu guter Letzt sind wir noch zum Opel-Händler unseres Vertrauens gefahren, um den Kleiderbügel für hinter den Fahrersitz im Schlittchen abzuholen. Doch das muss sein, weil die Jacke am hinteren Haltegriff aufgehängt, mir den Schulterblick beim Spurwechsel echt schwer macht. Das Schlittchen ist an so vielen Ecken sehr fein durchdacht, aber hier haben die Ingenieure echt geschludert. Egal, es sieht zwar etwas merkwürdig aus wie der Kleiderbügel am Fahrersitz eines Opel Corsa hängt doch Hauptsache ist, dass ich wieder freien Blick über die Schulter habe.

So und nun geh ich noch was ballern, der 3. Stern ist immer noch in greifbarer Nähe. Und was kommt danach? Dann höre ich mit BF2 auf und spiele endlich Assassin’s Creed .

P.S. Mag jemand morgen für mich arbeiten gehen?

18 Gedanken zu „Geldverschwendung, Peinlichkeiten und eine rote Bluse

  1. zum PS -> Nö, ich muss meineen ersten Arbeitstag im neune Job noch verarbeiten 😉

    zu den Amerikanern -> Echt nervig finde ich vor allem das immer wieder gern genommene und völlig aufgesetzte Rumwundern „Ooooooh, really?“

  2. @tonari
    och büüddddeeee. 😎

    Das Aufgesetzte ist halt so bei denen. Nervig für uns Europäer ist es sicher allemal, doch macht man es in deren Umgebung nicht, wird man als Europäer nur allzu gerne als unhöflich und stur eingeordnet. Wenn man es weiß, kann man auch damit prima umgehen, oder? 😉

  3. Jaein. 😎 Doch so weit sind wir da auch nicht mehr von weg, gerade mal noch 7 Jahre. Zählt aber nicht, ich weiß. 😮

  4. Dieses Erlebnis was Ihr im Maredo hattet, hatte ich letztes Jahr im BlockHouse. Der Laden sieht mich keines Wegs wieder. So sehr ich auch Filetsetak liebe, und auch bereit bin für ein gutes Teil etwas mehr Geld auszugeben. Aber nicht wenn die Bedienung das mit dem Bedienen nicht so wortwörtlich zu nehmen scheint.
    Mist, jetzt habe ich tierischen Appetit auf ein Flietsteak! 😡
    Assassins Creed spiele ich gerade auf meiner PS3. Aber irgendwie komme ich da nicht weiter. Liegt wohl daran das zwischen den Spielpausen mehrere Tage bis zwei Wochen liegen. Ich will mehr Zeit! 🙁

  5. @AndiBerlin
    Irgendwie beschleicht mich der Eindruck, das ich derartiges bei Systemgastronomie/Franchise häufiger erleben muss. 😕

    Probleme mit dem Ablauf, oder hängst Du? Mir geht es häufig so, dass nach einer Pause die Finger etwas brauchen, bis die wieder die Tastatur korrekt bedienen können, damit Altair das macht was er soll. Man muss halt dran bleiben. 😉

  6. Amerikaner sind nicht gleich Amerikaner. Es gibt laute und es gibt leise. Es gibt peinliche und es gibt nette. Warum sollte es bei ihnen anders sein. Und auch nicht alle denken in großen Dimensionen, auch wenn ich das nach meinen knapp 2 Jahren dort eher bejahen kann. Es fängt beim Haus und Auto an und hört nicht mehr auf 🙂

  7. @Meg
    Stimmt schon. Komischerweise treffe ich scheinbar immer auf die laute Sorte. Ah. ich treibe mich an den falschen Stellen herum. Ist es das? 🙂

  8. Hm, ich will ja jetzt nichts zu den unglaublich leckeren (und natürlich großen) Steaks hier in AMERIKA sagen – aber das mit der Lautstärke scheint keine touristisches Phänomen zu sein… Hier – und wir sind nicht in Texas sondern im „vornehmen“ New England“ ist der Nachbartisch auch immer eher laut…. Hat aber den Vorteil dass man die Kids nicht immer maßregeln muss… 🙂 Have a great day, you wonderful Germans.

  9. Ha, auf Dich habe ich gewartet, Du „Dafo-Geroaster“. 😀 Wenn das nicht nur hier so ist, muss ich mich also nicht weiter wundern….. (btw: happy birthday old boy)

  10. „So eine Art laut sein meine ich.“ Kenne ich gut. Auch von Deutschen am Nebentisch. Man weiss nicht, ob man sich ärgern oder fremdschämen oder beides soll. Es hilft nur Ortswechsel. Und worüber sich Leute beim Essen unterhalten… OMG 😯

    PS: Glückwunsch an die Gattin für die Beute und Respekt an Sie für das Durchhaltevermögen!

  11. @Allwissende
    Meinerseits überstrahlt das Fremschämen den Ärgerfaktor eigentlich deutlich. Auch wir bevorzugen dann eher einen spontanen Ortswechel, aber nicht inmitten der Mahlzeit. Weil Stress beim Essen tut nicht gut. 😳

    Herzlichen Dank für die Glückwünsche, entweder das oder kein Eis. Was hätten Sie getan? 🙄 😎

  12. Bei den Amerikanern gibt es bestimmt wie bei allen anderen Nationen auch solche und solche … solche, die sich in einem fremden Land zu benehmen wissen und die, die es eben nicht schert. Du hättest dich vielleicht mal in die Unterhaltung einschalten sollen, so nach dem Motto, yeah, its wonderful, beautiful, marvelous! Immerhin waren sie ja anscheinend auf eine Gruppendiskussion aus 😀 die Gesicherter hätte ich gerne gesehen …

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