rauchfrei

*Rückblende*

Als ich im November 1999 im Krankenhaus lag, durfte ich das Bett für 3 Tage nicht verlassen. Zu der Zeit war ich ein mittelmäßiger Raucher, ein halbes bis eineinhalb Päckchen am Tag waren üblich, wobei mitunter ein Großteil der Kippen im Büroaschenbecher verrauchte. (Damals war rauchen im Büro noch nicht verpönt) Also im Bett liegend war rauchen schlicht nicht möglich,  hätte auch reichlich Mecker von den Schwestern gegeben.

Nach den 3 Tagen dann stand ich mit der Kippe in der Hand, im Garten der Klinik. Soll ich, soll ich nicht? Wenn ich schon 3 Tage nicht geraucht habe, schaffe ich auch 4, und 5, und 6 …… . Sogleich und spontan war der Vorsatz gefasst:

Du hörst auf zu rauchen – jetzt und sofort.

Es klappte auch prima, ich entwöhnte mich ohne große Umstände und vermisste die Kippe in der Hand zusehends weniger, bis eigentlich fast gar nicht mehr. Die Geschmacksnerven stellten sich ebenso darauf ein und zu meinem Erstaunen schmeckten plötzlich einige Speisen als Neu-Nichtraucher ganz anders als noch zuvor. Nach etwa 10 Tagen kam jedoch plötzlich die ‚harte Phase‘, denn ab hier war das Aufhören für mich scheinbar schon wieder Alltag. Desensibilisiert wie ich gegenüber dem Entzug  wohl war, wähnte ich mich eigentlich sogar schon über den Berg. Weit gefehlt, die folgenden 4 Wochen waren wirklich hart und geprägt von dauerndem Schmacht und dem steten Zug nach oraler Ersatzbefriedigung, aka. Süßzeugs. Ausgleichssport? Pah, das ist was für Beckenrandschwimmer, ich schaff das auch so.

* Heute*

Nach den überstandenen 30 harten Tagen im Dezember 1999 hatte ich bis dato nie wieder Lust auf eine Kippe oder anderes Rauchwerk. Als Andenken an die Zeit sind ca. 15 KG hinzugekommen, denen ich mich nachwievor widme. Es geht mal hoch mal runter, derzeit trennen mich noch 7KG übrig von meinem Gewicht von Nov. 1999. Ob das nochmal klappt? Ich arbeite dran, sicher jedoch nicht mit der letzten Konsequenz, dazu esse und schmecke ich zu gerne.

Die Gattin lässt sich indes weiterhin nicht davon überzeugen, das Rauchen ebenfalls sein zu lassen. Sie ist eine sehr mäßige Raucherin, kaum mehr als 10-15 am Tag, auch am Wochenende. Zu Hause stört mich das Gequarze nicht sonderlich, weil sie nur in der Küche raucht. Die beste Tochter von allen hat sich lobenswerter Weise eines besseren belehren lassen und selbst wieder nach 1,5  Jahren (eines davon heimlich) aufgehört. Selbst zähle ich mich zu den teiltoleranten Nichtrauchern, jedoch ohne missionarischen Tätigkeit. Der Tabakrauch an sich nervt mich schon, weil es ein für mich sehr unangenehmer Geruch ist. Doch wenn ich wo einkehre und dort wird geraucht, muss ich das entweder hinnehmen oder wieder gehen. Die Rauchverbote in öffentlichen Gebäuden und vor allem in Büros finde ich mittlerweile persönlich sehr gut, wenngleich dies per Gesetz zu regeln ich eher als Ergebnis eines politischen Kindergartens werte.

Ach so zurück zu Thema: ich schreibe, weil die liebe Maid sich entschlossen hat, die Kippen beiseite zu legen und ich ihr auf diesem Wege  Mut machen möchte es durchzuhalten. Sich selbst und ohne zwingende Indikation des Rauchens zu entwöhnen ist ganz sicher nicht leicht und da bedarf es jeder Unterstützung. 💡

13 Gedanken zu „rauchfrei

  1. Ich war schon immer rauchfrei. GöGa ist es periodisch auch, wobei ich seine Zyklen noch nicht richtig abschätzen kann 😉 Immerhin – und das rechne ich ihm hoch an – findet das heimische Rauchen nur auf den Balkon statt. Anfangs wegen der Kinder, heute aus Rücksicht mir gegenüber.

  2. @Tonari
    Das ist rücksichtsvoll. Raucht GöGa auch dann draußen, wenn es kalt ist? Wenn wir einen Balkon hätten, würde die Gattin sicher auch draußen schmökern.

  3. Oh, ein posting, das mir gewidmet ist, Danke! 😳
    Und Danke auch für das Mut machen. Aus mehreren Versuchen das Rauchen zu beenden, weiß ich, dass immer mal wieder Phasen kommen können, in denen es kritisch wird. Nach 10 Tagen? ja, kommt mir bekannt vor. 😀
    Und nach einem halben Jahr… und nach einem Jahr, und dann habe ich wieder angefangen. Mist.

    Irgendwie habe ich so die vergangenen zwanzig Jahre, mit Unterbrechungen, geraucht. Und jetzt reicht es halt. Ich will das nicht mehr. Und wenn Du dann schreibst, dass Du eher aus einer günstigen Gelegenheit heraus, Dein Raucherdasein beendet hast und auch heute, nach zehn Jahren, immer noch nicht wieder drauf bist, dann freut mich das sehr! Zum Einen für Dich, weil Du es geschafft hast, zum Anderen für mich, weil ich auch gerade eine günstige Gelegenheit habe (mein Liebster hat ja auch aufgehört) und sie einfach nutze. 🙂

  4. @Schildmaid
    You are very welcome. 🙂 Die Gelegenheit scheint wirklich günstig, denn zu zweien ist man nicht allein. 🙄

  5. Erstmal herzlichen Glückwunsch an Dich und viel Erfolg für Frau Maid 🙂

    Ich bin der Meinung, dass man bei Rauchern nicht unterscheiden darf, ob sie mäßige oder mittelmäßige Raucher sind, wenn Du jeden Tag rauchst, ist es Deinem Körper recht wurscht, ob es 5 oder 10 sind, würde ich behaupten. Raucher ist Raucher ist Raucher.
    Ich habe am 29.08.2007 aufgehört, einen Tag bevor ich in den Urlaub geflogen bin. ElMar ebenfalls.
    Der Urlaub war … anstrengend. Ich litt nicht bewusst unter Entzug, denn dieser war nach 24 Stunden durch, aber die Entgiftung, die sogleich einsetzte, machte mich sehr reizbar … und ich ähm .. fuhr etwas leichter aus der Haut.
    Seitdem habe ich insgesamt 3 Zigaretten wieder angezündet, um zu probieren – ich schaffte je 2 Züge, bis mir kotzübel wurde.
    Endlich Nichtraucher. 🙂

  6. @Silencer
    Nur zu.

    @Meg
    merci, re. Vor einem Urlaub mit dem Nikotin aufzuhören ist schon ein Statement für sich. #kudos Du hast natürlich indem Recht, dass die Menge der täglich verzehrten Kippen nicht auf den Grad der Sucht rückschließen lässt. Und doch habe ich erlebt, dass heftig rauchende Menschen sich ohne medizinische Indikation nicht so einfach entwöhnen können, wie welche die ‚maßvoll‘ quarzen.

  7. @Meg
    Für mich,
    * nicht bei sich jeder bietenden Gelegenheit sofort, wenn diese auch nur für wenige Minuten gilt
    * auf der Fahrt zu quengeln, dass man mal eine Raucherpause machen könne
    * in der Kneipe, bzw. draußen sitzend alle 10 Minuten
    * nach dem Essen zwanghaft zu rauchen

    Im Allgemeinen sich der Raucher eher unter Kontrolle hat und sich nicht nur willenlos ergibt.

  8. Okay, verstanden … dann habe ich auch maß:voll geraucht, bis auf den letzten Punkt.Das war auch die Kippe, die am meisten fehlte: die nach dem Essen, die „Verdauungszigarette“ – ätzend.

    Oh, das mit dem Urlaub war wohl überlegt:
    – ich brauchte einen festen Termin
    – ich reiste mit einer Nichtraucherin
    – in ein Land, in dem Kippen teuer sind

    War ales gut. Bis auf den Schlafentzug – sie schnarchte wie ein Berserker. Zum ersten Mal im Leben verstand ich am eigenen Leib, wie gut sich Schlafentzug als Foltermittel eignet 👿

  9. @Meg
    Die Kippe nach dem Essen habe ich am allerwenigsten vermisst, als vielmehr den ersten Zug beim ersten Kaffee. Die war für die 4 harten Wochen mein Prüfstein. Ich redete mir ein, dass wenn ich die Kippe ‚überstehe‘ (im Sinne von vermeide), schaffe ich auch den ganzen Tag. Dies nennt man vermutlich Selbstsuggestion.. 🙄

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