Gemeinschaftsumkleidekabinenknigge

Männer in Gemeinschaftsumkleidekabinen sind manchmal echt peinlich, eigentlich sogar mehr als peinlich. Üblicherweise lernen wir Männer die nötige Selbstsicherheit und Gewandheit um uns in einer solchen Umgebung zu bewegen im Sportverein der frühen Jugend, spätestens jedoch in der Kaserne. Wir erfahren dort was sich gehört, bzw. angebracht ist und was nicht. Selbst weiß ich gar nicht mehr in wie vielen Gemeinschaftsumkleidekabinen ich bisher schon war oder sein musste. Nach meiner Auffassung in genügend um zu wissen, was man machen darf/kann oder auch besser nicht. Vieles habe ich in der Zeit erlebt, einiges war echt, einiges aus Übermut oder fragwürdigen Spaßtrieb. Letzteres ging ich nicht mit und entpuppe mich so als Spaßbremse und humorlosen Gesellen.

Aus mehr oder weniger aktuellem Anlass möchte ich die no-do’s in öffentlichen und nicht vereinsmäßig genutzten Gemeinschaftsumkleidekabinen versuchen zur gefälligen Bewertung aufzulisten:

  • Man nickt beim ersten Betreten jedem nur leicht mit dem Kopf zu, der einen selbsttätig anschaut. Das fröhliche Gröhlen von moin-moin oder ei guude wie ist nicht wirklich angemessen. Ist ja schließlich kein Stammtisch. Will man als Kraftprotz einen gewissen Eindruck schinden, genügt allenfalls ein gemurmeltes Hallo, Guten Tag, oder so ähnlich. Ein Ergreifen der Hand (rechts bitte) geht in Ordnung, solange sich der Gegenüber sich nicht in prekärer Situation befindet.
  • Sichtet der Ankömmling  in der Runde einen Bekannten, sollten dieser für die sich nun anschließende männliche Begrüßungszeremonie einer angemessenen Lautstärke befleißigen. Saufgeschichten oder anderes pseudo maskulines Imponiergehabe, wie z.B. erhöhte Abschleppquote, Anschaffungsnews, Handygrößen, demonstratives Verlieren des Porscheschlüssels …. mögen durchaus ein kurzweiliges Interesse in der Nachbarschaft erzeugen, bilden jedoch in Abhängigkeit des Ausschmückungsfaktors häufig gleichzeitig einen kaum wieder zu entfernenden Lächerlichkeitsindex, der fortan fest mit der Erscheinung der vortragenden Personen verknüpft ist.
  • Gleichzeitiges Lachen oder missbilligendes verändern von Gesichtszügen beim gemeinsamen Mustern in der Nähe befindlichen Geschlechtsgenossen ist zu unterlassen.
  • Wo auch immer der prophylaktische Penisneid seine Wurzeln hat: Männer vergleichen ihre Geschlechtsmerkmale, sobald diese im Zuge der Ent- oder Bekleidung zur Schau gestellt werden. Das ist ungeschriebenes Gesetz und daher Pflicht für jeden echten Kerl. Also tun Sie erst gar nichts so, als wenn dieses Gesetz nicht für Sie gilt, jeder Kerl weiß es, jeder Kerl macht es, also stehen Sie gefälligst auch dazu. Alles andere wirkt affektiert, ja geradezu mädchenhaft. Den Blick jedoch länger als 0,25 Sekunden verweilen zu lassen sorgt dafür, dass der Begaffte sich entweder bestätigt/belästigt fühlt oder sogar schämt. Was uns zum nächsten Punkt bringt:
  • Jedwede Änderung der Mimik oder Gestik vor, während und vor allem nach dem Vergleichsgaffen gilt es unbedingt und unter jeden Umständen zu vermeiden.
  • Wenn man sich der Kleidung gänzlich entledigt hat, ist das Präsentierlungern inklusive diverser Trockenpirouetten vor dem Spind fehl am Platz. Entweder gleich in die Dusche oder gleich wieder anziehen, egal wie toll Sie sind.
  • Als Prä-Duscher sollten Sie vor dem Entkleiden bitte die sanitären Anlagen aufsuchen. Es ist besonders unnötig, wenn sich der nackten Post-Sportler noch schnell auf die Toilette begibt, natürlich ohne sich zu verhüllen.
  • Eigene Badeschuhe sollten eine Selbstverständlichkeit sein. Sich welche leihen zu wollen kann auf heftiges Unverständnis stoßen. Es droht spontaner Sympathieverlust und Kumpelstatusaberkennung.
  • Nach dem Duschen sollte frische Wäsche bereitliegen und nicht, ich wiederhole NICHT die gerade entledigte Sportkleidung wieder angelegt werden. Dies zeugt von mangelndem Hygienebewusstsein und Ekelberfeiung. Das Gerücht, dass es sich um eine animalischen Duft handelt, der besonders die Frauen begeistern soll, wurde im Zuge früher Studien eindeutig entkräftet.
  • Das Abtrocknen nach dem Duschen sollte zügig und wiederum unter Vermeidung von Präsentierpositionen zum Wohle seiner Tattoos oder Intimpiercings von statten gehen. Weil wir gerade dabei sind, in der Öffentlichkeit Intimpiercing ab- oder wieder abzulegen gehört zu den Tätigkeiten, die gänzlich unnötig vorgeführt werden. Vor allem wenn körperliche oder anatomische Unzulänglichkeiten den ungehinderten Zugriff auf die Perforation verhindern. Fragen Sie nie, ich wiederhole NIE um Hilfe.
  • Ist der frisch geduscht Sportler noch nackend, sollte ein Bücken des Oberkörpers zum trockenen der unteren Extremitäten zwingend verbieten. Den sich im rückwärtigen Bereich befindlichen Personen sind Einblicke in die persönliche Intimsphäre unbedingt also vorenthaltenen. Ebenso legt man sein Bein nicht auf Haltegrifffe in Hüfthöhe zum leichteren Abtrocknen ab. Die dadurch entstehende Körperhaltung hat den gleichen Effekt wie zuvor beschrieben.#fo shizzle
  • Deospray und weitere wohlriechende Artikel sind nur am eigenen Körper und darüber hinaus maßvoll zu verwenden. Sofern Sie sich nach der Benutzung in einer sich mühsam verflüchtigenden Sprühwolke befinden, haben Sie das gesunde Maß deutlich überschritten. Nach Verwendung der Mittel ist die Umgebungsreaktion aufmerksam in die Mengeneinschätzung (zuwenig oder reicht?) hilfreich und daher selbstständig einzubeziehen. Ggf. ist es anzuraten im heimischen Badezimmer mittels kritischer Selbstversuche und unter Anteilnahme guter Freunde das gesunde Maß zu ermitteln und dauerhaft zu beherzigen.
  • Das Kratzen, Untersuchen, die übermäßige Pflege, massiv aggressives Eincremen und sonstiges Bekrabbeln von Körperpartien, inklusive des eigenen Genitalbereiches hat unterbleiben. Unter allen Umständen! Gleiches gilt natürlich auch für derartige Bereiche bei anderen Anwesenden.
  • …. (sofern geneigte Leser etwas hinzuzufügen hätten, bitte ich hierfür die Kommentarfunktion zu verwenden)

Leider sind das echte Tatsachen und wie ich selbst erleben muss und musste leider auch keine Seltenheit. Sind nur wir Männer so drauf, oder geht das in den Gemeinschaftsumkleidekabinen für Frauen sinngemäß ähnlich zu?

20 Gedanken zu „Gemeinschaftsumkleidekabinenknigge

  1. @Silencer
    War ich zu plastisch? Das täte mir leid. Mich hat es im übrigen noch mehr geschuckert, weil live ist so was nochmal eine ganze andere Marke.

  2. Mein bislang lieber Rüdiger,

    also mit deiner mehr als plastischen Darstellung männlichen Verhaltens in Gemeinschaftskabinen, wurde die Grenze des guten Geschmacks eindeutig überschritten!!! *schüttel*

    Fazit: Männer untereinander benehmen sich nach wie vor wie die Höhlenmenschen und der Vergleich männlicher Geschlechtsmerkmale ist an der Tagesordnung.

    Bei Frauen in Gemeinschaftsumkleiden begrenzt sich der Vergleich auf die entblöste Oberweite, wobei da die meisten Damen soviel Anstand besitzen und sich während des Umkleidens von den Augen der Mitsportlerinnen wegdrehen, ergo zum Spint gucken. Grober Gegensatz zur männlichen Umkleide: Frauen behalten nach dem Duschen das Handtuch um, bis sie dich wichtigsten Stellen mit Stoff bedeckt haben!

    Fazit: Bin ich froh, ne Frau zu sein!!! 😉

  3. @hochverehrte Ganden
    Zutiefst betrübt sehe ich mich Ihnen gegenüber nunmehr gunstlos ausgeliefert und verspreche weder Anstrengung noch Mühen zu scheuen, um mich alsbald wieder in den Besitz der Selbigen zu bringen. Doch gebe ich zu Bedenken, das Tatsachen durch verschweifen keineswegs zu Gerüchten werden. Insofern wähnte ich mich auf der Seite der Guten. Ein folgenschwerer Trugschluss, wie sich nun erweist. Dennoch danke ich für die ansatzweise Beschreibung der Umstände in einer Damenumkleide. Könnten euer Gnaden hier auch etwas ausschweifender zu Werke gehen? Ganz besonders wenn ich verspreche, keinen Gunstentzug zum Zwecke des Ausdrucks der Missbilligung verlauten zu lassen? Ihr ewiger Diener. ruediger

  4. Hah!
    Du müsstest mal erleben, was geschieht, wenn ich in einer Sammelumkleide die Hüllen fallen lasse. Dann sind einige vermutlich mehr als nur ein wenig verblüfft…

  5. Mein um Zuwendung buhlender Untertan *leise lach*,

    ich nehme Ihre Worte wohlwollend zur Kenntnis und sehe mich genötigt, Ihnen Ihre missbilligenden Ausschweifungen zu verzeihen. Und nein, ich werde die Geheimnisse einer Damensammelumkleide hier nicht weiter offenlegen, wo bleibt denn Ihre Contenance?

    Ihre angedrohten erpresserisch klingenden Worte zum Thema Gunstentzug lasse ich ungehört im Raume Ihres Blogs verklingen. Sie wünschen nicht wirklich, dass ich mich Ihrer Gunst entziehe, denn unlängst stehen Sie in meiner Gunst, aber ich doch nicht in Ihrer, mein gern gelesener Herr Rüdiger!

    Herzlichst Ihre Prinzessin!

  6. @Svenja-and-the-City
    Willkommen auf thatblog. Das denke ich mir, dass die versammelte Männerschaft große Augen machen würden. 😈

  7. @würdevolle
    Ich stehe wadentief in Ihrer Schuld und ganz gewiss werde ich mich hüten, dero Gnaden erneut jemals so etwas perfidem wie einer Gefügigmachung auszusetzen. Und doch wäre ich ein freudiger Leser dessen gewesen, was dero Gnaden aus Ihrer Feder hätten fließen lassen können. Freiwillig natürlich. 😈

  8. Ich zitiere: „Und doch wäre ich ein freudiger Leser dessen gewesen, was dero Gnaden aus Ihrer Feder hätten fließen lassen können.“

    Dann lies mal schön freudig mein Blog! Heute und morgen und übermorgen und IMMER!!! Jawohl! 😀

  9. @oh zierliche
    Drum gehet hin und produzieret Content en masse. 😉

    Nicht das dero Gnaden glauben, man hätte die Sache mit der Umkleidekabine etwa vergessen. 😀

  10. Dero Gnaden werden hier nicht ausplaudern, was Herr Rüdiger hören ergo lesen wollen über die Freizügigkeiten in weiblichen Sammelumkleiden.Nein, nein mein Lieber. Sie müssen sich wohl oder übel mit den kurz angerissenen Punkten zufrieden geben – ob Ihnen das nun passt oder nicht! 8)

  11. Lol wie geil 😀 Du hast ja sowas von recht.

    Allerdings muss ich einen Punkt kritisieren. Ich gehe in meinen Tagesklamotten ins Studio, mache dann Sport, und ziehe hinterher meine Tagesklamotten wieder an um heim zu gehen. Das hat allerdings nichts mit mangelndem Hygienebewusstesein zu tun.

    1. Schwitze ich nur sehr sehr wenig, egal wie sehr ich mich auspowere (YEAH!)
    2. Brauch ich ca. 2 Minuten bis ich zu hause bin.
    3. Kommen die Klamotten dann eh in die Wäsche

    Zudem habe ich keine Lust nackt in so einem Ding rumzurennen oder mich noch gar dort zu duschen. DAS finde ich eher ekelhaft als noch 2 Tage in den Sportklamotten rumzurennen. Wenn ich das manchmal sehe…

    Und meine nach 2 Minuten erreichte Dusche ziehe ich definitiv vor 😉

  12. @DeserTStorM
    Kritik angenommen. Die beschriebenen Genossen treiben das Spielchen ein paar Mal hintereinander, mit den selben Kleidern.

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