Abgründe am Abend

In den Shorties 32 steht es schon, das MEIN MacBook ist endlich in heiß ersehnter Reichweite wäre und seit dem Tag der Erkenntnis hibbel ich mir einen ab, ob ich nun doch besser auf das 15″ gehen soll, oder zur sofortigen Stilllegung des Muss-Haben-Zwangs doch eher das 13″ nehme. Das 15″ erfordert noch mindesten weitere 6 Monate Geduld und Warten. In Gewissheit dieser meiner Gemütsverfassung sendet das 13″ MacBook natürlich auf neuraler Submeta-Ebene und in böswilliger Absicht fortwährend trizillarden Kaufjammerbefehle aus. Die Qual entsteht rein nur schon beim Ansehen des 13″ auf WebSeiten. Um künstlich erzeugten möglichen Unsicherheiten wegen der doch damit einhergehenden Herabsetzung des gewohnten 15″ Displays vorzubeugen, sollte ein Besuch im Elektro-Zoo helfen.

Wie üblich, ist am Eingang alles voll mit kreischenden aufdringlichen Plakaten/Aufstellern, in grässlicher aufdringlicher Schrift und mit noch grässlicheren und aufdringlicheren Aussagen. Sie haben aber MacBooks ausliegen, insofern macht das den Zoo jetzt wieder akzeptabel, zumindest zeitweise. Der Eingang widert mich dennoch an, aber ich bin schon willen- und wehrlos – ich will gucken/anfassen, also Arschbacken zusammen und durch. Es ist für einen guten Zweck.

Wie ich aus an der Wand hängenden kleinen Plakaten entnehmen darf, wird der Zoo gerade umgebaut, doch der Verkauf geht natürlich mit vielen Sonderpreisen (wieder große Plakate) weiter. *hm* Und tatsächlich sieht es in dem riesigen Laden aus wie Hulle. Chaos und Durcheinander, lose gestapelte offene Kartons, halbfertig aufgebaute Regale, teilweise offene Decken von der Kabel herunter hängen, am Boden herumliegende Kleinteile der Handwerker und so weiter. Der so oft zitierte Bombenangriff ist hier zur Ansicht aller tatsächlich Wirklichkeit geworden. Ich erwäge wieder kehrt zu machen und mein Vorhaben doch besser zu verschieben, doch da erblickt das verzweifelte Auge blöderweise die kleine Mac-Ecke. Die ist hübsch aufgeräumt und schön am Rande des gröbsten Chaos. Damit ist diese Ausrede nun auch passé und ich mache mich auf den Weg durch Chaos.

Ich komme mir vor wie Gordon Freeman auf dem Weg durch City 17 (wie passend), zwischen all den Regalen, Kisten und dem ganzen Umbauplunder lungern immer wieder merkwürdige Rudel männlicher Wesen herum. Viele sehen sich in ihrer Aufmachung sehr ähnlich aus:

  • unrasiert (ich ja auch, aber nur heute, allerdings nur seit einem Tag und nicht gleich 3 Tage),
  • wirre Haare (meine sind kurz um wirklich wirr zu werden, also…),
  • knielange Container-Hosen in beige oder khaki (meine sind dunkel-dunkel-grau),
  • Mallorcagedenkurlaubsplastiksandalen mit Socken (Flip-Flops und ohne #grusel),
  • schlabbrige, unförmige und ausgewaschene T-Shirts (Hemd – hallo?) ,
  • dicke behaarte Arme (*äh nee, tut mir leid).

Es ist jedenfalls überwiegend recht unappetitlich, was ich da an Geschlechtsgenossen sehen muss. Weiter geht es an Paletten vorbei, mit fachsimpelten Kunden udn Verkäufern, Pakete werden gewuchtet (um an das Unterste zu kommen *wtf) und Päckchen gewissenhaft in Augenschein genommen, hier stehen gelangweilt eine 5-köpfige Familien und wünschen sich schleunigst hinaus, während sich Papa mit aufgesetzter Wichtigtuermiene, nickendem Kopf  und einstudiertem Fachwissengesicht den Unterschied zwischen 8 und 12 MegaPixel erklären lässt. An anderer Ecke zanken sich zwei um das wohl letzte Telefon im Stapel, Kiddies wühlen in der Spielekrabbelkiste und werfen dabei etliche Schachteln auf den Boden, es wird gedrängelt oder geschoben, nur um noch schneller vor dem Kontrahenten zum nächsten Elektrosonderpreiskrempel zu gelangen. Kinder stehen verloren und heulend in den Gängen, Mütter rufen verwirrt irgendwelche Namen, einsame Kinderwagen blockieren schwer schuftende Arbeiter und Warentransporteure. In all dem Gewusel versucht entnervtes Personal die anwesende Kundschaft vor Selbstjustiz zu bewahren und verbreitet dennoch gute Stimmung, so gut es eben geht.  Das es in diesen Elektrohöllen wie in einem Zoo ohne Zäune zugehen kann wusste ich ja schon, deswegen meide ich diese Örtlichkeiten ja wo ich kann, aber das hier war mal wieder was neues für mich.

Irgendwann bin ich doch endlich an dem vorhin erspähten Tisch. Als ich an die MacBooks heran trete, grüßt mich den junge dynamische Mac-Wächter mit einem Kopfnicken und lässt mich sonst in Ruhe. Diese Umsicht vergelte ich ihm mit einem aufrichtigen Lächeln. Im meinem Rücken steht übrigens ein Tisch mit HP-„Design“ PCs, Laptops und Displays. Der HP-Wächter ist ein leicht übergewichtiger Mann, mit etwas fettigen dunklen Haaren, schmaler Brille, aber freundlichem Gesicht. Man sieht, dass ihm wie allen anderen auch hier recht warm ist. In meinen Augen ist der HP-Stand nur noch prollig, weil riesige auf Hochglanz polierte Plastiklack-Gehäuse in brutale Farben und martialisch anmutenden Design gezeigt werden, Laptops und Displays in Dimensionen, so dass man sich unweigerlich fragt, wo die Rollen zur kontrollierten Positionsveränderung angebracht werden müssen. Grelle und schnelle Präsentationen laufen ab, natürlich überall mit DummVISTA. Der ganze Stand erinnert mich an einen RTL2 (?) Fernsehbericht von der D & W Motorshow in Essen, der damals bei mir massives Fremdschämen auslöste. Das alles wäre auch dann noch abstoßend genug, wenn nicht zusätzlich noch DummVISTA verkauft werden soll.

Mangels Beschäftigung beobachte er mich, wie ich um die MacBooks herumtänzle. Der Mac-Wächter bietet sich an mir Fragen zu beantworten und wir quatschen einen Moment. Eigentlich schon zufrieden und leider weiterhin unschlüssig, doch um eine wertvolle Erfahrung reicher möchte ich nun gehen, als mich der HP-Wächter anquatscht. Ob er mir nicht auch mal die HP-Produkte zeigen dürfte, die wären von Design wie ich sehen könne toll und VISTA hätte auch prima Features bla-blubber-blubb. Ich möchte ihm den Kopf deswegen abbeißen. Na gut, denke ich mir, was soll er machen, es ist sein Job. Er kann nichts dafür, dass bevor ich für DummVISTA auch nur einen halben Cent privates Geld ausgäbe, selbiges lieber mit Freude und unter Absingen schmutziger Lieder in Schweinegülle versenken würde. Ich sehe ihn an, in der Absicht seine Aufforderung freundlich dankend zu verneinen, als er einen Schritt zurück macht. Sein Gesicht drückt gar Unwohlsein aus. Verdammt, mir sind wohl die Gesichtszüge entglitten und anstatt ihn abzuweisen, habe ich ihn mit meinen Blicken quasi vaporisiert – zerschossen – zertrümmert. Ich sage schnell mein ursprüngliche beabsichtigtes „Nein Danke“ doch noch und lasse ihn stehen.

Hätte ich gewusst, wie böse ich gucken kann, wäre ich vorsichtiger gewesen. Sollte ich jemals wieder hingehen, wird er mich nicht mehr absprechen, fo shizzle. Aber leid tut er mir doch, irgendwie … er kann nichts dafür … dumm gelaufen .. ach verdammt, war nicht nötig jetzt.

Nach dem Umbau gehe ich wieder hin und lasse mir das Prollzeugs mal zeigen, quasi als demonstrativen guten Willen … also vielleicht … mal sehen … wenn ich Zeit habe.

4 Gedanken zu „Abgründe am Abend

  1. Wenn du wirklich noch nen halbes Jahr wartest gibts bestimmt wieder nen Upgrade mit wieder nen Tick mehr Power für nen Tick weniger Geld und das ganze dann mit nem größerem Display. Kann aber auch deine Gier auf das Teil verstehen. #schwierigeEntscheidung
    btw in nem halben Jahr is Snow Leo dann auch lange draußen *g*

  2. in diese Läden geh ich auch nur, wenn es sich absolut nicht vermeiden lässt … egal ob Umbau oder nicht 🙄

    also wirst du noch 6 Monate warten?

  3. @Insu
    Du Teufel. 😉 Ich höre auf den Lockruf des 13″er. 😳 Ich hoffe der Händler hilft mir. 🙄

    @Andrea
    Nein, ich kann nicht warten. Das Geist ist willig, der Fleisch ist schwach. 🙂

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