yuh haf do dreif do rüwwer

Auf einem Parkplatz warten wir auf die Gattin, weil sie ’nur mal eben schnell was erledigen muss‘. Schnell. Die Klima ist aus, die Fenster sind auf und ich genieße das laue Lüftchen zusammen mit der wenig prallen Sonne. Das Radio steht auf AFN, was ich hin und wieder sehr gerne höre. Zum einen übt es mein Gehör und die Fähigkeit auch Schnellsprechern im englischen leichter leichter folgen zu können. Also was heißt leichter, wenn die Sprecher losfetzen ist alles zu spät, doch hege ich die Hoffnung, das was hängen bleibt. Mir gibt es jedenfalls das Gefühl hin und wieder was zu lernen und außerdem auch mal andere Musik zu hören.

Ok, also der Parkplatz ist gut belegt, und daher stehe ich nicht auf einem Platz, sondern an der Seite im Fahrweg, jedoch ist ausreichend Platz damit Fahrzeuge problemlos vorbei kommen, so man denn sein Lenkrad benutzen kann. Eine Tussi in Stöckelschuhen starkst auf dem unebenen und unbefestigten Untergrund an mir vorbei und schaut mich im Vorbeigehen ganz komisch an. Die Musik war etwas lauter, aber so laut nun auch wieder nicht. Im Rückspiegel sehe ich das Heck eines großen Volvo-Kombi, in den sie umständlich einsteigt. Nach einer kurzen Zeit parkt sie derart umständlich aus einer lkw-fähigen Parktasche aus, dass es schon unterhaltsam war, großes Kino also. Ich schätze derweil den verbleibenden Fahrweg aus und entscheide, dass trotz der beachtlichen Größe noch ausreichend Platz ist und sie an mir vorbeikommen müsste. Tut sie aber nicht, sie hält hinter mir und lässt die Lichthupe hektisch blinken. Lässig winke ich ihr aus dem Fenster zu, dass sie vorbei fahren möge. Den Gefallen tut sie uns aber nicht, sondern steigt lieber aus. Das knirschen und klackern Ihrer Absätze kommt auf mich zu. Sie bleibt vor meinem Fenster stehen und bückt sich etwas zu mir herunter. Das Radio gibt den Sprecher wieder, als er irgend einen Infospot für die Militärs in Wiesbaden abspult. Als ich „Hi“ sage, erwidert sie „Yuh haf do dreif do rüwwer“. Ich reagiere nicht, weil ich sie echt nicht verstehe. „Los, anderschtand yu, pliiis driwe doch do rüwwer“ schallt es mir entgegen, dabei fuchtelt sie mit den Armen zu einer Stelle, etwas abseits des Fahrweges. Ah so, sie will, dass ich das Schlittchen dorthin fahre, weil sie womöglich nicht vorbei kommt. Sie ist so köstlich unbeholfen, sie glaubt wohl ich könne wegen des englischen Radios kein Deutsch. Ok, ich spiele mit. Zum Zeichen meines Einverständnisses zeige ich ebenso mit beiden Händen an die gleiche Stelle und nicke eifrig mit dem Kopf. Sie ist erleichtert und „jäsjäs, dreif doch do rüwwer, nau pliiis“. Ich nicke wieder und sage ganz höflich und in deutsch, dass Zeichensprache in aller Welt wunderbar viele Probleme lösen kann, wenn man sie denn geschickt einsetzt. Es gibt keine Worte, die ihr Gesicht in dem Moment hätte beschrieben können. Sie lacht kurz aber genervt auf, winkt mich ab und starkst zum Wagen zurück. Bis sie wieder drinnen sitzt, habe ich das Feld geräumt und sie kann vorbei.

10 Gedanken zu „yuh haf do dreif do rüwwer

  1. Naja, wenigstens hat sie nach Startschwierigkeiten darum gebeten und nicht befohlen… um nicht zu sagen verzweifelt gebettelt 😆

    Und das Gesicht hätte ich auch gerne gesehen… Wieso konntest du kein Foto machen? *schmoll*

  2. Ach wie schön. Warum haste den kein Foto gemacht von dem Gesicht? Wir hätten das auch gern gesehen!

    Tja aber vielleicht konnte sie ja voll gut englisch, nur du nicht 🙂

  3. Hihi, herrlich! AFN, hach! Gibt es den Casey und seine Top 40 noch?

    Ein fast Off-Topic-Tipp zum Englisch-Lernen: Podcasts. Ob nun speziell zur Sprache oder zu anderen beliebten Themen (Musik, Fernsehe, Autos, …). Da lassen sich bestimmt einige finden, die sowohl interessant als auch sprachlich genau das Richtige sind.

  4. @DeserTStorM
    Ja sicher und dann ein Bild mit dem Veilchen hinterher. Ganz zu schweigen davon, was ich mir von der Gattin hätte anhören dürfen

    @Silencer
    yu ahr werri wällkom

    @JuliaL49
    Ich bin mir nicht sicher, da ich nur sporadisch und meist abends auf der Heimfahrt AFN höre, oder bei solchen Gelegenheiten hier. Es gibt jedoch noch Sonntags mittags die American 40 Country-Countdown. Nicht das ich die gerne hören würde, ist einfach zuviel Kaugummi in dem Gerede. Um die Mittagszeit geht es Sonntags vom Training nach Hause und da warte ich ich ebenfalls hin und wieder im Auto auf die Gattin.

    Podcasts höre ich auch immer wieder gerne, doch nur am Rande und nicht dauerhaft. Viel lieber lasse ich mich von Musik berieseln und entspanne dabei, sonst komme ich gar nicht mehr dazu. Wenn Podcasts, dann weniger Musik, damit tue ich mich aus begreiflichen Gründen etwas schwer. Im Urlaub (aka. T plus 3) geht das besser. 😀

  5. @beste Tochter von allen
    Du fehlst mir mit dem Country-Gejaule gerade noch. 😯

    Mach lieber mal hin und verfasse endlich einen Gastbeitrag. #faulenzia

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.