Jobs ohne Zukunft

Andi sinnierte kürzlich über Jobs, die er nicht im Leben würde ausfüllen wollen. Da passt es thematisch, dass ich auf der sonntäglichen Heimfahrt und weil die Mädels die Augen entspannten mir ausdachte, welche Jobs doch eher keine wirkliche Zukunft haben werden oder besser würden. Mal sehen, welche ich noch zusammen bekomme:

  • Testesser bei in Fastfoodketten
  • Schuhverkäufer bei Deichmann
  • H & M Umkeiderkabinenüberrestewegräumer
  • Schnürsenkeleinfädler
  • Wachturmverkäufer
  • Handtaschenputzer
  • Einzelhaarfärber

Das driftete dann im Kopf etwas in der Form ab und aus reinem Beschäftigungsdrang wurde eine ernste Überlegung. Welche Berufe kenne ich eigentlich oder hatte schon Kontakt, die es heute gar nicht mehr gibt oder vom Aussterben bedroht sind? Die Liste wurde erschreckend lang:

  • Tabakladenbesitzer
  • Postfachangestellter
  • Flußfischer
  • Holzbootebauer
  • Schuhmacher
  • Kohlelieferanten
  • Kaffeeröster
  • Holzfäller
  • Melker
  • Kolonialwarenhändler
  • Kürschner
  • Scherenschleifer

Mir fallen leider keine Weiteren mehr ein, es waren jedoch noch einige – kommt ja vielleicht wieder. Wenn der geneigte Leser hier noch Ergänzungen hat, dürfen die gerne in den Kommentaren hinterlegt werden.

Es gab oder gibt sogar noch auf BR eine Doku-Reihe, die nannte sich Die Letzten Ihres Standes. Es wurde alten Handwerker gezeigt, wie sie kunstfertig und routiniert ihrem Handwerk nachgingen. Es ist und war faszinierend zu verfolgen, mit welcher Akribie und Sachverstand hier zu Werke gegangen wurde. Handgriffe und Ergebnisse, geprägt und geführt von Jahrzehnten der Erfahrung. Daran kann ich mich nicht satt sehen, wenn ein Buchbinder die Blätter einschlägt, oder ein Brunnenbauer in den von Hand gegrabenen Schacht einsteigt um die Wände mit Bruchsteinen zu mauern.

Schade, dass Handwerk heute zwar grundsätzlich noch als wertvoll geschätzt, es aber kaum noch jemand ausüben oder lernen kann/will/möchte, nur weil es maschinell billiger daher kommt. Etwas aus wirklicher Handfertigung strahlt eine Liebe zum Detail und eine Wertigkeit aus, die keine Fabrik oder billig ausgelagerte Arbeitskraft wirklich erzeugen kann. Dafür ist diese Arbeit leider hierzulande aber auch sehr sehr teuer und kaum mehr erschwinglich. Es hat alles nun mal mehr als nur eine Seite.

Für meinen Teil bin ich froh, dass ich zu meiner Ausbildung noch bestimmte handwerkliche Tätigkeiten erlernen dürfte. So lange das schon her ist, so sehr hat sich der Drill und die dauernde Wiederholung doch eingeschärft und das Wissen darum ist relativ schnell wieder verfügbar. Einzig die Übung fehlt, um z.B. ein Stück Metall richtig zu feilen, aber wie es geht weiß ich noch.

12 Gedanken zu „Jobs ohne Zukunft

  1. Wir haben neulich BerufeRaten gespielt, und dabei ist mir aufgefallen, wie wenige Berufe mir einfallen, die sich pantomimisch darstellen lassen. Außenhandelskaufmann, Kommunikationskaufmann, Webdesigner, KrankenhausUnternehmensBerater: alles für die Tonne. Tischler, Maler, Dirigent, Zahnarzt: das sind noch ‚richtige‘ Berufe 🙂

  2. Der Wachtturm wird doch nicht verkauft! 😮

    Ich finde es schade, dass ich 2 linke Hände habe und bereits in der Schule mit Jungs hochgradig flirten musste, damit sie mir ihre Schnitzereien, etc. überliessen und ich mir damit beim Lehrer eine 1 holen konnte, während sie dafür höchstens ne 3+ bekamen 😳

  3. @Meg
    Deswegen hat der Wachturmverkäufer auch keine Zukunft. 😆

    Du warst in der Schule ja fast schon durchtrieben. *tsts* 😕

  4. Logischerweise mit Müffel-Nachwehen vom Pferde-lastigen Wochenende denke ich mal, dass der Beruf des Hufschmieds (nahezu) ausgestorben ist! Naja, bei dem Gestank von soviel Gäulern auf einem Haufen ist das ja auch kein Wunder! 😛

  5. @Hoheit
    Na, ich denke gerade der Hufschmied könnte sein Nischendasein auch weiter führen. Pferden die richtigen Eisen zu verpassen wird kaum outsourcebarauszulagern sein. 😉

  6. Nee, so was! Bei Wachturmverkäufer habe ich Wachstumverkäufer gelesen!
    Muß ich jetzt in die Ecke? Oder schlimmer: in die F.D.P.?

  7. @Blinkfeuer
    Sind die Wachturmverkäufer nicht post-F.D.P. ? Ecke muss nicht sein, aber einen Ring Knoblauch als Jesus-Kranz wäre sicher nicht schlecht.

  8. Bei uns sind kleine Kaffeeröstereien gerade groß in Mode – von daher stirbt der Beruf des Kaffeerösters hoffentlich nicht so bald aus. Vorausgesetzt natürlich, die Leute kaufen auch fleißig lokal gerösteten Kaffee…

  9. @Miki
    Das riecht klasse, wenn die Kaffeebohnen frisch geröstet wurden.

    OT:Ich würde mir auch wünschen, dass es hierzulande eine Kaffeehauskultur wie in Österreich geben würde. Ich mag dieses Ambiente sehr gerne und so macht wirklich gerösteter Kaffee aus echten Kaffeetassen auch wieder Spaß. Außerdem mag ich diese Kaffee-to-go-Ketten mit ihrem künstlichen Chi-Chi einfach nicht und deren Kaffee auch nicht.

  10. Oh, ja,, die Liste ist sehr lang, es gibt so viele perspektivlose Jobs, aber jemand muss das auch machen, nicht wahr, wir alle sind abhängig voneinander, und jeder muss eine bestimmte Arbeit machen! Leider ist es so!

    [Edit: Den Link zu Deiner kommerziellen WebSite habe ich entfernt.
    Werbung (auch indirekte) für kommerzielle Webauftritte sind in den
    Kommentaren meines Blogs nicht erwünscht. Danke für Dein Verständnis.]

  11. @Heidi
    Willkommen auf thatblog

    Stimmt wohl. Berufe und Professionen ändern sich. Es ist schade, dass Erfahrungen und Wissen die im Beruf gesammelt wurden verloren gehen.

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