schwer von Begriff

Da stehe ich 5 Minuten lang im funkelnagelneuen Designerbüro der Krankenkasse an der Empfangstheke und beginne mich leicht zu ärgern. Erstens, weil man sich eine derart teuer aussehende Lokalität überhaupt leistet und zweitens, weil keiner kommt. Das Schild „Empfangstheke“ sagt mir, „warte bis einer kommt“, also warte ich, doch nach 5 Minuten habe ich genug gewartet. Nach zögerlichem Umsehen ist auch keiner der 4 anwesenden Mitarbeiter an ihren Designerschreibtischen frei, dabei will ich nur meine Krankmeldung abgeben. Dann sieht mich endlich ein Mitarbeiter während seines Telefongesprächs. Er ahnt wohl was ich möchte und winkt recht unkoordiniert mit der freien rechte Hand irgendwo hin in meiner Richtung. Auf meiner Seite stellt sich so kein Verständnis für seinen Versuch ein mit mir auf nonverbale Art zu kommunizieren, also zucke ich die Schulter halte den Brief hoch und gebe so zu verstehen, „wohin mit dem Teil?“. Eine Andeutung meinerseits, dass ich den Brief einfach auf die Theke lege, wird sofort mit erneut wildem Gefuchtel quittiert und somit unterbunden. Mir ist das zu doof und so suche ich einen Briefkasten, finde aber keinen. Er fuchtelt wieder mit der Hand und lenkt damit meinen Blick auf eine Glasbox, die oben auf dem Tresen steht. Ein dicker fetter Aufkleber prangert drauf, der da lautet „Unterlageneinwurf“. Er nickt wie wild mit dem Kopf, als ich den Umschlag drüber halte. Mir hat man überhaupt nicht gesagt, dass Briefkasten in Unterlageneinwurf umbenannt wurde, aber nun weiß ich es ja.

8 Gedanken zu „schwer von Begriff

  1. designertbüro… da fällt mir ein dass bereits kurz nach der wende alle möglichen Ämter immer wieder froh waren wenn sie einen Räumungsverkauf bei den Krankenkassen erwischt haben. Die Krankenkassen haben immer wieder ihre Büroeinrichtungen ersetzt und die Stadtverwaltungen u.ä. waren froh dass sie sich so neue Möbel (also das was AOK und Freunde nicht mehr wollten) leisten konnten.
    Das Zeug stand dann noch jeweils 10 Jahre und mehr in den Dorfverwaltungen rum…

  2. @Dr.Azarel Tod
    Zu der Weggabe von Büromöbel kann ich nichts sagen, konnte ich bisher nicht erleben. Eine schöne Arbeitsumgebung sorgt auch für motivierte Mitarbeiter und Zufriedenheit unter der Belegschaft. Gerade wenn Kundenverkehr ist, kann eine angenehme Umgebung für das Personal alleine schon ein extra Pluspunkt sein. Hier das Maß der Verhältnismäßigkeit einzuhalten ist sicher nicht einfach. Zeigen doch auch immer wieder unsere Volksvertreter, wie man ein System zu seinem persönlichen Vorteil nutzen kann (Dienstwagen nach Spanien, fragwürdige Nutzung der Flugbereitschaft, Pendelservice am Bundestag, Anwesenheitsprämie durch Unterschrift im europäischen Parlament, usw.) .

    Keiner verlangt, das Büroleute auf Orangenkisten sitzen und an Tapeziertischen arbeiten, doch übertreiben darf man es sicher nicht. Mein Eindruck gestern war, dass die Ausstattung von überaus ordentlicher Qualität ist. Da ich mich auch mit der Beschaffung von Büromöbeln beschäftigen musste, glaube ich aber zumindest eine Einschätzung wagen zu können. Was letztlich bezahlt wurde, vermag ich nicht einschätzen, aber Discount war es schon mal nicht.

  3. Naja…vielleicht wenn die Unterlagen nicht in einem Brief sind könnte sich so mancher denken, dass sie dann nicht in einen Briefkasten gehören… 😀

  4. @Andersreisender
    *öhm* … Da hast Du auch wieder Recht, auch wenn es in dem Falle dann eher Haarspalterei aussehen würde. 😆

  5. Vielleicht haben die das auch gemacht, weil das Wort „Briefkasten“ bei sämtlichen Austrägern von Zeitungen, Werbeblättchen oder der Post sowie bei Mehrfamilienhausbewohnern zu Frustration und Herzrasen führt

    Schließlich gibts da die gemeinen Dinger mit Schnappvorrichtung, die einem die Finger einklemmen. Oder mit Zacken wie bei einem Rechen, damit der Inhalt nicht nochmal rausgefischt oder anders positioniert wird. Oder die Briefkästen, in die unmöglich etwas hineingeworfen werden kann ohne zu zerreißen, verknicken, oder sonst wie beschädigt zu werden. Die, bei denen man durch ein Haushund besetztes Gebiet schleichen muss. Die undichten, in denen schnell das Wasser steht oder die, die so aufgehen, dass sie einen nassspritzen. Holzkästen mit Spreuselgefahr oder klemmenden Schlössern. Die, die entweder abgelegen oder hinter sehr vielen Treppen liegen. Unbeschriftete, rostende, abfärbende Briefkästen.

    *schauder*

  6. @Axy
    Stimmt, schlichter Tarnungswille könnte natürlich eine Triebfeder gewesen sein. Keine Post => keine Arbeit? 😆 Oder ein menschenfreundlicher Ansatz, der zu Ausdruck bringen soll, dass Briefkästen per se gefährlich sind. Die Welt mit deren gewaltbereiten Briefkästen ist ein Zoo ohne Zäune. 😉

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