Sprachbingo

So bestelle ich mir im Amazon-Marketplace eine gebrauchte 3er CD-Box mit Lounge-Music. Da stehe ich gerade unheimlich drauf, also auf Lounge-Music. Die CDs sollen laut Produktinfo aus UK verschickt werden, jedoch mit 6,50€ plus 3€ P.u.P. sehr günstig, zumal der Neupreis bei 24€ lag. Die CDs kamen nach 7 (angekündigten) Tagen im tadellosen Zustand bei mir an.

Doch anstatt die erwartete Lounge-Music bekomme ich gruselgänsehaut erzeugende wilde gregorianische Gesänge von irgendeinem Hobby-Kirchenchor aus Wales. Und weil es ja eine 3er Box ist, sind alle 3 CDs falsch und damit ich keine Entscheidungsprobleme bekomme, ist es auch immer die gleiche CD. *hmpf* Na klasse. Ich musste ja doch mal reinhören. Das Hören ist ungemein gefährlich und müsste mit einem extra Warnhinweis versehen werden. So scheußlich und grässlich zugleich, schwermütig, langatmig, eintönig, selbstmörderisch, so richtig merkwürdiges Geschwurbel. Gibt es Menschen die sich so etwas über 60 Minuten antun? Und wenn ja warum? Gerne gebe ich hier zu völliges Unverständnis für diese Musik zu empfinden.

Umgehend nach meiner Erholung vom Probehören schreibe ich also den Händler an, beklage mich darüber und bitte um Ersatz sowie auch um Anweisungen, was ich mit dem komischen Zeugs denn nun machen soll. Es (es nur deswegen, weil kein Personenname und nur die Firma am Ende der Mail steht) schreibt in gebrochenen deutsch zurück, er verstehe mein Problem nicht. Also schreibe ich es in englisch noch einmal. Nun schreibt es überraschenderweise im perfekten Deutsch zurück, dass man den Fehler sehr bedaure, ich doch bitte alle CDs zurückschicken möchte, es werde eine voll Gutschrift umgehend nach Eingang veranlassen. Ja nun und wohin bitte zurückschicken? Diese Frage, sowie auch die Bestätigung der Anweisung sende ich zurück, meinerseits nun wieder in deutsch. Die Antwort kommt prompt, in englisch. Ich bin leicht nervt. Es nennt mir in seiner Antwort eine Adresse, die innerhalb des UK-Postsystem als Freeway zu erkennen ist, sprich ich muss nichts zahlen, eigentlich und wenn ich in UK wohnen würde. Als Antwort schreibe ich (in englisch) zurück und wage dort die Andeutung, dass die Deutsche Post mit aller Wahrscheinlichkeit sich nicht darauf einlassen wird und man mir bitte vorab die Zusage einer Portoerstattung machen möchte. Die Antwort mit der erwünschten Zusage kommt wiederum zügig, in deutsch.

So langsam verliere ich den Überblick und überlege einen mir bekannten echten Franzosen zu beauftragen, alles ins französische zu übersetzten. Rein nur um etwas mehr Würze in die Sache zu bringen. Und ich denke auch, dass ein im Text eingestreutes „vive la france“ durchaus dazu geeignet ist, die Kommunikation zwischen dem englischen Händler und mir doch etwas aufzulockern. Es ist für mich nachvollziehbar, dass aufgrund dessen es Angebote im deutschen Amazon-Marketplace hat, auch jemanden beschäftigt, der deutsch kann und diese Person (ich vermute eine Frau) nicht jeden Tag da ist. Und der englische Kollege (das ist definitiv ein Kerl) den Willen hat etwas zu tun und das Ticket selbst beantwortet. Von hier sieht es dennoch ziemlich unkoordiniert aus.

Status Quo ist also, die Rücksendung ist unterwegs, die Portoerstattungszusage war wie erwartet nötig, weil sich die Deutsche Post völlig verstört über der Möglichkeit gab, kostenlos Post über den Kanal zur Insel zu befördern, die Gutschriftzusage für den mangelhaften Artikel lag auch vor, ein Alternativangebot der ursprünglich anzuschaffenden Lounge-Music ward auch gefunden, also alles easy. Denkste. Nach 8 Tagen schreibe ich (nach spontanem Münzwurf in englisch), dass ich nun doch erwarten würde, dass die Rücksendung bei ihm eingetroffen sei und ich nun um die Gutschrift bitte. Die Antwort kommt in …. deutsch (verdammt, verzockt), dass man noch auf die Rücksendung warte und ob ich denn vielleicht Interesse hätte, die eigentlichen CDs noch zu bestellen. Habe ich nicht, schreibe ich so auch zurück, in deutsch, oder hätte ich englisch schreiben sollen? Na egal. Die Antwort kommt …. in deutsch (Strike!), in Form einer erneuten Entschuldigung für die ungewollten Verzögerung und diversem blabla. Nach weiteren 3 Tagen ohne Gutschrift schreibe ich  (die Münze sagt wieder englisch), dass ich nun doch etwas ungehalten darüber bin, dass meine Gutschrift immer noch auf sich warten lässt. Dann setze ich einen Termin, an dem sofern weiterhin die Gutschrift ausbliebe, ich den Amazon Kundendienst hinzuziehen werde und das ich bitte direkten Kontakt zum Supervisor (das machen meine Kunden auch so, nur sehr viel harscher – was die können kann ich auch – ist wohl so üblich) wünsche. Die Antwort kommt 2 Tage später …. in englisch (ha, again Strike!), dass man immer noch auf die Rücksendung warte, wohin ich sie denn geschickt hätte und das man keine Supervisor hätte. Von mir gibt es erst einmal keine weitere Antwort mehr, am Freitag ist die Frist zu Ende, ab dann wird einen Gang hoch geschaltet (vielleicht dann auch in Kisuaheli, wenn ich jemanden finde der es übersetzt). Es sind zwar nur ca. 12€, doch das ist auch Geld. Ich bin gespannt, in welcher Sprache und wie es weiter geht. Den Bogen scheine ich ja soweit schon heraus zu haben. 😛

16 Gedanken zu „Sprachbingo

  1. „Ich bin leicht nervt“ weist auf eine durchaus vorhandene Bereitschaft, Deutsch einzuenglischen 😉

    Ich bin auf die Fortsetzung gespannt!

  2. @Meg
    I am bereit to approach in Richtung meines Opposite, um es ihm easier zu machen. 😀

    @Kersting näht!
    Paljon kiitoksia! (das ist finisch und heisst „Vielen Dank“). 😉

  3. @Kerstin näht!
    „Es un placer“ (= spanisch) oder „Mnje Otschin prijatno“ (= russisch) [beides steht für „es ist mir eine Freude“] 😉

  4. @Silencer
    Das ist wahr. Ich erinnere mich da an eine Frau Jäger und den mit Butter eingeriebenen Hauptschalter. Ok, das ist jetzt nicht absurd, doch auch eine schöne Geschichte mit Unterhaltungswert. 😉

  5. wie wäre es mit Niederländisch mit Südholländischem Akzent?

    das ist ja ein Grund weshalb ich den Amazon Marketplace komplett ignoriere…..
    🙂

  6. @noch ein Markus
    bedankt. 😉 Ach Marketplace ist gar nicht mal so schlecht, besser als eBay allemal, wo sich die „Anbieter“ mit x anderen Accounts zum gewünschten Betrag hoch bieten, oder unter befreundeten Power-Sellern Bieterdienste geleistet werden. Das ist natürlich illegal und macht keiner. Ist alles nur Zufall. 🙄

    @m²
    Als ich den Text fertig hatte, musste ich schlussendlich auch. Im Einzelnen betrachtet ist es eine doofe Geschichte, aber so im Gesamten schon wieder witzig. 😆

  7. Na immerhin ist ein lustiger Blogbeitrag rausgesprungen 😉

    Ich habe zum Glück noch keine schlechten Erfahrungen mit Amazon UK Marketplace gemacht, aber auch erst zweimal darüber bestellt, da mir die Versandkosten zu hoch sind. Und jetzt bin ich ja gewarnt 🙂 Oh, da fällt mir ein, dass ich letzte Woche was bestellen wollte, bei einem Händler, der extra angegeben hatte, dass er in alle Marketplace-Länder verschickt (= auch D). Doch beim Auschecken war das Produkt plötzlich nicht mehr verfügbar. Nach einer E-Mail (in englisch!) an den Händler mit der Bitte um Erklärung, antwortete mir dieser (auf englisch), dass sie nicht ins Ausland verkaufen. Pfft.

  8. @Hoheit
    *rofl* Weilen Hoheit etwa immer noch/schon wieder im Keller und veranstalten einen Raubzug des väterlichen Weinregals? 😀

    @juliaL49
    :wink. Marketplace nutze ich relativ häufig, bisher mit deutlich weniger schlechten Erfahrungen als in eBay. Das hier ist ja nicht wirklich schlimm, sondern schon amüsant. Das plötzlich ein Artikel nach Bestellung bei einem ausländischen Anbieter in Marketplace nicht mehr zur Verfügung stand, ist mir auch schon passiert. Für mich sieht es teilweise aus, als wenn die die Ländershops nicht sauber getrennt bekommen. Dann nimmt man halt den nächsten. 😉

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