Technik ist nicht alles

Da sitzen die Reichen und Schönen der Welt in Autos weit jenseits der 100.000 € Grenze, haben noch und nöcher Assistenten eingebaut, für hinten und vorne, für Wasser, Licht, Luft, Beschlag, Temperatur, natürlich auch wenn es regnet und was weiß ich noch alles. Doch sobald es links und rechts etwas enger wird, versagen die Nerven und dann stehen sie, behindern den restlichen Verkehr und warten darauf, das Andere sich für sie bewegen. Es hupt von vorne und von hinten, weil als Reicher und Schöner man in seiner schicken Karosse ja alle Zeit der Welt hat. Der restliche Verkehr hat die Ruhe jedoch nicht und warte fieberhaft, dass sich einer endlich bewegt.

Es ist bis in die Köpfe meiner Straßenmitbenutzer bisher noch nicht durchgedrungen, dass stupides Hupen wie noch zu Zeiten als Trompeten die Mauern Jerichos zu Fall brachten, in der Neuzeit nunmehr keinerlei Auswirkungen auf die Umwelt haben. Außer vielleicht, dass andere Hupenbesitzer sich bemüßigt fühlen ein spontanes Konzert anzustimmen.

Als echter Nobelwagenfahrer braucht man auch keinen Überblick, wie viel Platz in der zugegebenen engen Straße noch übrig ist und blöderweise auch wohl kein elektronischer Helfer genug Platz links und rechts der monströsen Seitenspiegel anzeigt. Also warte man auf die Einsicht der Umwelt, die sich rein gar nicht mehr bewegen kann, bis endlich der schnöde Sperrmüllwagenfahrer von gegenüber nach 3 Minuten gegenseitigen Anhupen seine Seitenscheibe herunter kurbelt, sich aus dem Fenster lehnt und dem bewegungslosen Nobelkutschenbeweger mit koordinierten Hand und Armbewegungen (aka. wildem fuchteln) zu verstehen gibt, er mögen sich auf der Straße bitte weiter bewegen, weil Nobelkutsche genau in der Einfahrt stehe in die er selbst hinein müsste. Nun lässt Nobelkutschenbeweger seinerseits die Scheibe herunter und brüllt in einer durchaus bemerkenswerten Lautstärke, dass er nicht vorbei könne, weil es zu eng wäre. Er solle gefälligst zurücksetzen, dann käme er auch problemlos vorbei.

Der Sperrmülwagenfahrer schaut von oben verdutzt in die Lücke zwischen seinem LKW und der Reihe parkender Autos, peilt zwischen Nobelwagen, dem LKW und der Parkreihe hin und her und schnauzt (Zitat) „Mensch jez far ändlisch, da kumme doch zwä vun där dorsch. Schdell Disch net so aa. Kaaf Där ‚e gescheid Brill odär glaisch en Schmard, Lackaff bleeder.“  (*) Der so Gescholtene regt sich nicht weiter auf, vielleicht auch weil er es nicht verstanden hat. Stattdessen schließt sich das Fenster wieder elegant und so macht er es sich bequem. Das ist dann mein Zeichen den Rückwärtsgang einzulegen und den Ort des frühmorgendlichen Dramas unter den leisen Klängen von

[youtube]pLrL2FkCLmc[/youtube]

[Eddi Reader – Footsteps Fall]

falls youtube nicht läuft => click

wieder zu verlassen. Euch allen ein schönes Wochenende.

Und ja, es hat ein paar neue Smilies hier.

(*) Übersetzung:
Mensch fahr endlich, durch die Lücke passen zwei von Deiner Sorte.  Stelle Dich nicht so an, kauf dir ggf. eine geeignete Brille oder gleich einen Smart, du blöder Lackaffe.

3 Gedanken zu „Technik ist nicht alles

  1. schade, ich hätte gerne gewusst wie es ausgegangen ist.

    (aber ich kenn‘ das auch… – gestern noch in der Variante erst dem Müllwerker fast übern Fuss, dann mit Vollgas übern Bürgersteig und and der Rechts-vor-links Ecke vorbei.) Vielleicht sollte man Autos über einem gewissen Aussenmaß nur mit Führerschein-Erweiterungen fahren dürfen – die natürlich alle paar Jahre überprüft werden müssen.

  2. Habe ich schon ein paar mal gehabt, das alle vor mir an engen Passagen laaaangsam fahren um das Auto ja nicht zu zerkratzen. Und dann komme ich, und rausche mit meinem Smart durch die Lücke wie nix. Das sind so Momente die mir ein breites Grinsen auf das Gesicht zaubern, wenn ich in meinem geliebten Smart sitze.

  3. @cohn structa
    Wenn zwei glauben voneinander jeder selbst sei im Recht, kann es eigentlich nur Stress geben. Ich hätte vielleicht wirklich stehen bleiben sollen. 😕

    @AndiBerlin
    *hmpf* Den Vorteil kann Dir keiner nehmen. 😉

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