Ausgang A1

Der Flieger der Gattin ist gelandet, nur geben sie sie noch nicht frei. Der Ausgangswartebereich im Terminal 1 ist fast leer, nur wenige stehen hier und verdingen sich mühsam. Was könnte man hier für eine Geschäft machen, wenn man Snacks, Kaffee usw. anbieten würde. Dafür steht eine kleine Wechselstube für internationale Währungen, der jedoch anstatt zu wechseln ständig Auskunft geben muss. Der Geldwechsler ist nett und macht es immer wieder, wenn auch mit einem etwas spröden Charme. Eine der wartenden Damen kämpft mit einem iPhone. Sie drückt planlos drauf herum und stellt fest, dass die Länge der Arme eine Sehschwäche nicht ausgleichen können. Typisch denke ich mir gerade, Handtasche wie ein Wohnwagen an der Schulter, aber zu eitel um die Brille heraus zu holen. Stattdessen hält sie es unauffällig auffällig mit ausgestrecktem Arm in Richtung Boden, schaut genervt in Richtung der nicht vorhandenen spiegelnden Lampen und sieht doch nichts. Die Brille aufzusetzen wäre in der Öffentlichkeit ja auch ein unverzeihlicher Faupax. Stattdessen schaut Sie hilfesuchend in die Runde, findet mich scheinbar würdig angesprochen zu werden und kommt auf mich zu. Ob ich ihr helfen könne, sie käme mit dem Ding nicht zurecht. Nach kurzem Fragen kommt zum Vorschein, dass sie gerne telefonieren möchte, es aber nicht kann, weil sie nicht weiß wie. Es wäre halt ganz neu und sie kenne sich noch nicht aus, meint sie. Nach einem Druck auf den Knopf und einem Wischer auf den Schieber im Bildschirm später schaue ich sie an, mir die Nummer zu nennen.  Sie macht große Augen, schaut zum iPhone und zu mir, „So einfach?“ „So einfach“, erwidere ich möglichst lapidar. Ihr ist es peinlich und so zeige ihr das Entsperren noch einmal. Sie ist dankbar, greift sich das iPhone und geht weg. Ich kann weiter Musik hören, bis die Gattin endlich heraus kommt.

8 Gedanken zu „Ausgang A1

  1. Hi,hi, so was ist uns auf der BUGA auch passiert. Sollten mal zeigen, wie man anruft. Handy war nur geborgt und gehörte y,x, ungelöst 😉
    Übrigens las ich in der vergangenen Woche einen kurzen Artikel über die Führungskräfte und dass sie ihre Ausstrahlung einmal daran überprüfen sollten, ob sie zu den Menschen gehören, die oft von Fremden in den unterschiedlichsten Situationen um Hilfe gebeten werden 😉

  2. Tja, da hat eine wieder einmal ihr technisches Können überschätzt. Aber hauptsache Ääääpppellllllllllll… 😀

    Rüdiger, du bist ein echt flottes Kerlchen!

  3. @Neosens
    Oder Sie hat schlicht nichts lesen können, weil zu eitel für die Brille oder die ist ohne Kompass in den Tiefen des Schulterwohnwagens nicht aufzufinden. 😉 😀

    @Silencer
    Der Lauf der Zeit – alles fließt.

  4. @tAXMAN
    Leider ist es häufig so, dass aufgrund der kompliziert anmutenden Technik eine Abwehrhaltung aufgebaut wird, die ein Weiterkommen überaus wirksam verhindert. So einfach es auch ist, Menschen die sich auf Technik nicht einlassen wollen(!), überfordern sich selbst aufgrund dieser Abwehrhaltung binnen Sekunden und geben völlig entnervt auf. Erlebe ich jeden Tag mehrfach und immer wieder. Traurig aber wahr.

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