Vorsätze – nein danke

Die beste Tochter von allen hat es zu unserer Beruhigung auf eine Nordseeinsel geschafft und ich bekomme ob der Verzückung der Gattin bunte Ringe in die Augen. Sie ist im Sissi-Wahn und kaum ansprechbar. Das hat nichts mit unromantisch zu tun, allenfalls ein wenig, irgendwann wird es einfach langweilig. Kleider und Gedöns hin oder her, es reicht.

Derweil also die Gattin frei schwebend den Bildschirm fixiert, sammle ich E-Mails ein. Neben dem üblichen Schmutz auch ein paar gewollte Newsletter und sonstige Mails, die nun fast wie erwartet Jahresendthemen aufgreifen. Rückblicke, so sinnlos. Wer immer diese Tradition mit den Rückblicken erfunden hat, hat mich nicht dafür gewinnen können.

Natürlich geschah im letzten Jahr so einiges, vieles davon gehört nicht ins Internet, immer noch viel war geplant geschrieben zu werden und einiges weniges wurde auch tatsächlich geschrieben. Rückblicke sind mir ein Graus, ich mag Erinnerungen, jedoch keine Rückblicke. Wo ist da der Unterschied? IMHO ist eine Erinnerung etwas privates, der Rückblick eher global. Und weil wir dabei sind, auch Vorsätze sind mir fremd, denn Vorsätze sind der Anfang vom scheitern. Entweder man vollführt etwas direkt aus oder lässt es gleich bleiben. Die Absichtserklärung etwas angesichts des neuralgischen Datums 01.01 ändern tun wollen, ist Zeit- und Energieverschwendung.

Nervig sind mir die meist beiläufig gestellten Fragen wie mein letztes Jahr so war, oder welche Vorsätze ich fürs nächste Jahr denn gefunden habe. Wenn mein Gegenüber es nicht begriffen hat, das ich damit nichts am Hut habe, werde ich einsilbig und zertrete das meist zart wachsende Gesprächspflänzchen mit einem knappen „alles klar und gut“. In der Regel entsteht danach eine für mein Gegenüber peinliche Pause, in der er/sie mir die Möglichkeit einräumt die Frage zu erwidern, was ich nicht tue. Es interessiert mich nicht und wie ich finde, es geht mich auch nichts an, selbst im banalen Gerede nicht. Das will scheinbar kaum jemand verstehen, denn scheinbar bin nur ich dermaßen gepolt, oder?

12 Gedanken zu „Vorsätze – nein danke

  1. – Ich kann nachvollziiehen , dass die Familienberuhigung erst nach erfolgter töchterlicher Ankunft im Zielgebiet eintritt.
    – Nee, Sissi hat bei mir keinen Zugang. Mein Augenpipi gab es heute nacht beim Pferdeflüsterer. Nicht wegen der Gäule, sondern wegen des verschmähten Herrn Redford 😉
    – Einen Rückblick schreibe ich vielleicht / vielleicht auch nicht. Ma gucken 😉
    – Vorsätze: Nein danke. Ich muss mir doch nicht vorhersehbare Niederlagen in den Weg legen 😉

  2. In Sachen Vorsätze sprichst Du mir aus der Seele.
    Rückblicke muss ich auch nicht unbedingt haben, obwohl ich letztes Jahr ein entsprechendes Stöckchen ausgefüllt habe. Dieses Jahr hatte ich dazu allerdings keine Lust, wohl auch, weil das 2. Halbjahr überwiegend Mist war.
    „Sissi“ — Damit kann man mich gut in die Flucht schlagen, aber verrate es nicht meinen Feinden. 😈

  3. @tonari
    * Ihre Nacht war schlimmer als meine.
    * Rein aus der Natur, sie mag ich mehr. 😳
    * Nein, bitte keinen Rückblick.

    @Fellmonsterchen
    Das Geheimnis nicht bei mir sicher. Mein Wort als Elite-Team Mitglied!

    @quadratmeter
    merci. 😉

    @all
    Da bin ich wohl doch nicht so schräg drauf, wie befürchtet. Musste mich heute Mittag per Messi gar anrauzen lassen, weil ich so unkommunikativ sei.

  4. @ruediger: Ach, das wird mir auch oft im persönlichen Gespräch vorgeworfen. Liegt daran, dass in größeren Runden meist diejenigen das Wort führen, die ich nicht leiden kann. Gegenüber der Offenlegung meiner Gedanken ist Kommunikationsverweigerung dann die bei Weitem freundlicher Alternative, aber das weiß der Betroffene naturgemäß nicht. Äh, ja. Nicht sicher, ob das jetzt noch was mit dem Thema zu tun hatte.

  5. Ich gratuliere zu der Einstellung mit den Vorsätzen. Denn es stimmt, ein Vorsatz ist immer zum scheitern verurteilt. Wer z.B. mit dem Rauchen aufhören oder endlich abnehmen will, kann dies gleich am Abend tun wo er / sie / es den Entschluß gefasst hat.
    Meine Schwester z.B. will seit weit mehr als zehn Jahren abnehmen. Für sie ist der Starttermin nicht der 1.1., sondern immer „Nächsten Montag“. Wie ich das verabscheue, erst laut raus zu prosaunen das man mit diesem oder jenen aufhören will, und am Ende dann nicht den Spott erträgt wenn man zum wiederholten male scheitert.
    Nein, wenn ich mir was vornehme, dann setze ich das zügig in die Tat um und mache das gewöhnlich still und leise, ohne andere im Vorfeld damit zu nerven.

  6. Als ich damals mit dem Rauchen aufgehört habe, fiel der Entschluss irgendwann nachts um halb zwei, die angebrochene Packung wurde weggeräumt – und das war es dann. In größeren Runden bin ich mittlerweile sehr ruhig, dieses Brüllen, um auch ja seine Sätze beenden zu können, nervt mich unendlich. Da wird wild durcheinander geredet, das finde ich völlig unproduktiv. Außerdem hat man in größeren Runden ganz wunderbar die Gelegenheit, in Ruhe zu essen, zu trinken und einfach nur zu beobachten. Das ist bisweilen sehr aufschlußreich.

  7. @Muriel
    Einsilbigkeit ist leider oft die letzte Rettung vor dem Affront. 😉 In der Erweiterung hat es etwas mit dem Thema zu tun. 😉

    @AndiBerlin
    merci und genau. 😉

    @quadratmeter
    Ab wann ist es eine größere Runde für Dich? Mir reicht es häufig schon, wenn zwei Personen versuchen sich gegenseitig zu übertönen und ich dabei sitzen muss.

  8. Vorsätze habe ich, die haben aber nicht mit den Beginn eines Jahres zu tun oder dessen Ende.
    Es sind mehr meine „to do“-Listen, als Vorsätze. Und ich freue mich immer, wenn ich einige abhaken kann.

    Ähm, auf der to do.-Liste ganz oben: Kleid für Hochzeit finden. RICHTIGES Kleid … Du darfst auch daran teilhaben, denn die Suche werde ich mit Sicherheit verbloggen. Keine Sorge, nicht sissihaft 😉

  9. Vorsätze anlässlich eines Jahreswechsels fasse ich nicht. Grundsätzlich habe ich aber gemerkt, dass es für mich ganz gut funktioniert, mir Dinge, zu denen ich mich schwer aufraffen kann, als so ’ne Art Projekt vorzunehmen – was dem Vorsatz wohl doch schon recht nahe kommt.
    Was ich mir vorgenommen habe, ziehe ich dann für eine bestimmte Dauer durch – egal ob ich’s nach dem ersten Ausprobieren gut fand oder nicht und überlege erst nach der vorher festgesetzten Dauer, ob ich nun dabei bleibe oder nicht. Das sorgt dafür, dass ich besser über Startschwierigkeiten drüber raus komme und an dem Punkt ab wann etwas Spaß macht oder zumindest besser von selber läuft, anlange.
    Man entwickelt ja mit der Zeit seine Strategien, um den eigenen Schweinehund zu bändigen…

    Mit Rückblicken verhält es sich ähnlich. Ich nutze sie nicht um ihrer selbst willen, sondern an Stellen, wo ich das Gefühl habe, dass es mich weiterbringt, zurückzuschauen. Mir hilft das oft, um zu merken, dass ich gar nicht so sehr auf der Stelle trete, wie es mir manchmal vorkommt.

    Und mit Kleidern, Schuhen und Walzern hab ich’s nicht so. 😀

    Auf welcher Insel weilt die beste Tochter von allen denn?

  10. @quadratmeter
    🙂

    @Meg
    Ich freu mich schon, „Ein Kleid für Meg“, wird das die erste Blog-Soap? 8)

    @Katja
    Die beste Tochter von allen ist auf Amrum. Es muss wohl schön sein. :top:

    Der innere Schweinehund ist tückisch, da muss man erfinderisch werden. Prima, wenn Du einen effektiven Weg für Dich gefunden hast.

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