Pestmaschinen – Teil 1

Die wirklichen Pestmaschinen der Neuzeit sind die Pfandflaschenrückgabeautomaten. Also diese Wunderwerke der interaktiven Technik, die unauffällig in einer Wand verbaut lauern, scheinbar willkürlich Flasche obwohl korrekt eingelegt mindestens 3 Mal wieder ausspucken können, bevor sie sie dann doch annehmen und nach hinten ins Nichts befördern. Man wähnt sich dann sogleich als siegreicher Herrscher über die Zickentechnik, quasi ein braungrüner Gürtel als Recyclingmaster der laserscangesteuerten robustmechanischen Mikroelektronik. Als Gegenleistung seiner segensreichen Tätigkeit erhält man in der Regel 5 – 15 Cent.

Ein Discounter in gefühlter Größe eines Fußballfeldes und ein (in Zahlen: 1!) solcher Automat für Pfandflaschen. Nur alleine die Getränkeabteilung könnte Wiesbaden-Sonnenberg mitsamt seiner Lokale für 4 Wochen problemlos versorgen. Demzufolge ist hier immer was los, Stau und spontane Zusammenrottung flaschenentsorgender Menschen vorprogrammiert, regelmäßige unangemeldete Versammlungen recyclingwilliger zukünftiger Ex-Flaschenbesitzer.

Es sind 6 Leute vor mir. Ein vorsorglicher Blick in/auf die Behältnisse der Anderen lässt mich etwa 60 Flaschen abschätzen, was eine Fehlfunktion der Maschine ausgeschlossen ca.10 Minuten dauern dürfte, oder besser sollte. Es kommen noch 3 Bauarbeitern in dicker Winterkleidung, jeweils mit Flascheneimern in den Laden, also bleibe ich doch stehen und warte die paar Minuten.

Kandidat #1:

Schubst die Flaschen mit dem Hals voran in die Rinne. Ein großer Aufkleber an der Maschine zeigt in 3 universellen Sinnbildern, dass der Flaschenboden voran gefordert wird. Diese sinnvolle Hilfestellung ignoriert er souverän. Die Maschine hat natürlich nichts besseres zu tun, als ihm die Flasche gleich wieder zurückzugeben. Dabei lässt sie den kleinen Informationsmonitor an der Seite zur Anzeige des bisher erzielten Flaschenpfands wild blinken. Als zusätzliche Hilfe zeigt der Monitor „Bitte mit dem Boden zuerst einlegen“ an. Das ist ja interessant, der Flaschenschlucker erkennt das Pfandgut als falsch herum eingelegt, verweigert aber die Erkennung. Hatte ich wissentlich so auch noch nicht erlebt, aber es wird schon seinen Sinn haben. Beim 3. Versuch mit der 3. Flasche bemerkt auch Kandidat #1 endlich den nun schon rot glühenden Mini-Bildschirm, liest und begreift sein Fehlen. Sogleich dreht er behende die Flasche um und gewinnt erwartungsgemäß. Warum er die 1. und 2. Flasche nun wiederum mit dem Hals zuerst in die Öffnung bugsiert, bevor er sie dann doch wieder umdreht, verstehe wer will, ich jedenfalls nicht. Bei der 4. Flasche angekommen gibt er sich geschlagen, es hat wohl doch keinen Sinn dagegen anzukämpfen, der Rest seiner Tasche wird direkt mit dem Boden voran eingelegt. Eine öffentliche Evolution am freilaufenden Humanoiden und ich war dabei. (ca. 10 Flaschen in 3 Minuten)

Fortsetzung

30 Gedanken zu „Pestmaschinen – Teil 1

  1. tja…das sind Höllenmaschinen, bei uns gibt es 2 nebeneinander, wobei der Eine immer defekt ist! 🙄
    Das mit em Flaschenboden zuerst einlegen kapier ich auch nicht und auch nicht das sich mein Flaschenannehmer in menschlicher Gestalt immer wieder ziert eine Flasche ohne Etikett anzunehmen….“Ich muss gar nix!“ sagt er dann und ich entgegene „Na klar müssen sie ich habe Pfand bezahlt in ihrem Laden also rück raus die Kohle!“ :teehee:
    Liebe Grüße und bleib gelassen!
    Bonafilia

  2. Am liebsten würde ich sagen: Rech Dich nich uff!
    Andererseits wäre ich dann nicht so amüsiert nach der Lektüre des Artikels 😉

    Ich LIEBE den L*dl-Automaten bei mir in der Nähe. Der ist so schnell, dass ich kaum nachkomme, ehrlich. NIEMALS kaputt, stets genügsam und rattenschnell. Mehr davon und Deine Nerven hätten Urlaub 😉

  3. @Bonafilia
    Bei mir geht das Ding im Stamm-Aldi von 10 Nutzungen gefühlte 7 Mal auf Störung, weil voll. *hmpf*

    @Meg
    Ich war die Ruhe selbst. Ehrlich: 🙄 Mehr dann im Teil 2. Sofern mich meine Kunden lassen, ggf. heute Spätnachmittag noch.

  4. Bei mir zu Hause in Mannheim haben wir eine inoffizielle Selbsthilfegruppe für so etwas gegründet. Es gibt eine englische Redewendung für die Beziehung zwischen mir und diesen Spielsachenausderhölle: No love lost. Entweder sind sie kaputt oder mögen meine Flaschen nicht oder es gibt keinen Mitarbeiter der sie leeren kann oder sie geben den Bon nicht aus oder fangen an zu Rauchen. Dann kommen unfreundliche Mitarbeiten und fragen in die Runde völlig geschockter Kunden wer es kaputt gemacht hat. Es können doch die Kunden nicht dafür wenn die Maschine heiß läuft.

  5. @Charlotta
    Ah, ich sehe eine Seelenverwandte in Dir. Wir sollten uns vor einem solchen Automaten treffen und eine Protestpolonaise abhalten. Auf dem Weg durch den Laden können wir uns den möglicherweise fehlenden Mut auch Parolen zu skandieren noch antrinken. 😛

  6. schönschön :top: – ich lese solche berichte gern. freu‘ mich schon auf die anderen teile bzw. bin gespannt auf die deppenriege :-D!

  7. @rebhun
    Es wird 3 Teile geben, die Rohform ist schon fertig. Der Feinschliff ging in der Nachmittagsarbeit unter. *sigh*

    @Hoheit
    Nicht jeder Kerl kann auch zwangsläufig mit jeder Technik. (Irgendwie zweideutig, aber sie sind alt genug und können das ab. oops: :-D)

  8. Hrhr, ich kanns nachvollziehen. Schlimmer als bei den Discountern sind die SB-Warenhäuser wie z.B. R*AL. Da nimmt der Automat nicht nur Plastik- sondern auch Bier- und Milchflaschen, Joghurtgläser, Kästen usw. usf.. Positiv ist, dass man da wirklich jede(!!!) Pulle reinkloppen kann. Nachteilig ist indes die Vielzahl der Fehlermöhlichkeiten, die bei mehr Pfandgut und mehr Fehler- und Defektmöglichkeiten exponential wächst.
    Ein wirklich interessantes Thema.
    PS: Bei der Polonaise mach ich mit!!!! 😛

  9. @ Hoheit, es gibt sehr, sehr viele Frauen mit blauen Flecken rund um ihren Bauchnabel … kannst Du Dir denken, woher das kommt? 😉

  10. @Meg: Wenn ich nur wüsste, was du jetzt wieder meinst. Wahrscheinlich wieder was umgangssprachliches von Fastamerikanern. Tzzzze…

  11. Ja, genau Protestpolonaise. :top: Mut antrinken brauche ich mir nicht. Ich gelte als sehr freundlicher Mensch, aber ich kann unbequem werden. Dennoch ist das mit dem Antrinken nicht schlecht: Am Besten wir trinken alles aus was diese Automaten per Definition nicht nehmen, weil kein Pfandzeichen daraufgedruckt ist und lassen es irgendwo im Laden liegen. 😛
    Im Ernst: Manchmal frage ich mich man es eine dieser Maschinen sich zur Aufgabe stellt den harmlosen Leergutabgeber mit den bereits abgegebenen und zerquetschten Flaschen zu beschießen.
    Was ich ganz hart finde: Bei Plus werden die Flaschen per Hand entgegengenommen und die Verkäuferinnen müssen immer noch untersortieren in Eigen- und Fremdpfand! Das wird ohnehin alles selbig zerquetscht. Verstehe es wer will. Ich nicht.

  12. 😳 Mmmmh… Jetzt hab ichs wohl verstanden? Ich steh wohl auf dem Schlauch. Wird Zeit, dass ich zur Körperertüchtigung komme. *aufbrech*

  13. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung. Wir haben 2 Automaten – und ich habe Wochen gebraucht, bis ich wusste, was wo rein gehört. Besonders schön ist das, wenn man nicht ordentlich sortiert hat und sich dann wieder hinten anstellen muss. Gnadenlose Methoden sind das.

    OT: Ich mag die Pinguine 🙂

  14. @tAXMAN
    Prima, mit Charlotta sind wir dann schon 3. 😛

    Da Premieren-Pingback, musste der erst freigeschaltet werden. Jaahaa, bei mir geht es kontrolliert zur Sache. Soll ja schließlich kein Ponyhof werden. 😛

    @Meg
    Aus! 😀

    @Hoheit
    Abstinent und dennoch blauer Nabel? Ist wohl doch nötig, dass eine bebilderte Begleiterklärung ‚aufgedruckt‘ wird. 🙄 😀

    @Charlotta
    😆 Jawoll, wir sauen auch mal so richtig rum, bis wir des Platzes verwiesen werden. VIVA la Revolution – liberté, égalité, fraternité. Oder so.

    Die manuelle Sortierung wird sich ändern, wenn der Plus ein Netto geworden ist. Ich glaube die unterschiedliche Sortierung hängt heuer noch mit der End-Abrechnung des Pfandes zusammen, verstanden habe ich es aber auch nicht.

    @tAXMAN (2nd)
    Gibs zu, Du hast den Junior gefragt. 😀

  15. @Hoheit
    Bebildert. In selbstleuchtenden fest eingeschweißten sinnbildlichen Darstellungen, die eine Fehlnutzung blauen Flecken verursachenden Werkzeugs definitiv verhindern. Im Zweifel sogar mit enervierendem Warnton, Sicherheitsabschaltung der Batterieversorgung und SMS-Eskalation an den Hersteller. 😀

  16. Ach ja… an schlechten Tagen habe ich auch schon versucht, die Mehrwegflaschen in den Einwegautomaten zu stecken… wieder und wieder… 😳

  17. Ich meine mich zu erinnern, mal gelesen zu haben, dass (und das gilt zumindest für die Einwegflaschen) die mit dem Boden zuerst eingelegt werden müssen, weil das nicht-sichtbare Hinterteil des Pfandautomaten die ja direkt zusammenquetscht, wofür erst mal die Luft aus der Flasche raus muss. Und damit das funktioniert, ist die Einlegerichtung wichtig.

    Hier gibt es so gut wie nie eine Schlange am Automaten, was ein Wunder ist, weil hier scheinbar fast nur Flaschenhorter wohnen. Letztens hab ich zufällig den Betrag gesehen, den das Display bei der Dame vor mir anzeigte: 25 Euro!einself 😯
    Hinter ihr stand ich aber erst bei den letzten 10-15 Flaschen.

  18. Das mit der Endabrechnung hat mir eine Verkäuferin auch so erklärt. Mir drängt sich auf, ob es mit der „Umwandlung“ auch Kündigungen geben wird. Am Beispiel Pfand könnte gesagt werden, dass in kleineren Plus-Filialen wie jener an der auf dem Weg zur Arbeit vorbei muss aus Platzgründen so etwas nicht aufgestellt werden kann. Wenn diese Filialen auch aus anderen Gründen geschlossen werden, gibt es wieder mehr Jobsuchende. Das ist schlecht. Lustig wäre es, irgendwo einen Artikel dazu zu lesen, dass das im Pfandsystem begründet sei.

  19. @WeltdesWissens
    Wer hat das noch nicht. Die beste Tochter von allen schafft es immer wieder Flaschen in den Beutel zu mogeln, die nur von echten Menschen als Pfandgut erkannt werden wollen.

    @Katja
    Das kann tatsächlich die Einlegerichtungsstrategie erklären. merci. 25Euro? 😯

    @Charlotta
    Bei derartigen „Umwandlungen“ gibt es immer Kündigungen, warum auch immer. Das Pfandsystem ist für einige Unwuchten verantwortlich. Aus Sicht der Wertschätzung eines Produkts ist der Abfall des Produkts in der Handhabung wertvoller, als das Produkt im Rohzustand. Irgendwie krank.

  20. Ziemlich krank sogar. Ich sage es ja: Ich und die Dinger No love lost. Weil sie nicht nur den einen Mist verzapfen, sondern ganz viel.

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