Abschiedsmusik

Wenn der lieb gewordene Kollege nach 6 Jahren gemeinsamen Weges letztlich geht, mag ich nicht fröhlich sein. Mir ist nicht nach fröhlich. Auch wenn ich ihn die letzten Monate nicht mehr in unter meinen Fittichen meiner Abteilung hatte, weil er die längst fällige Umbesetzung zur neuen Aufgabe bekam, so waren wir es die zuvor alles aufgebaut und am Laufen gehalten haben. Wir fluchten und schufteten gemeinsam, halfen uns und gaben auch gemeinsam auf. Rappelten uns wieder hoch und machten weiter, verbissen und immer mit einem blöden Spruch auf den Lippen und Kaffee auf dem Tisch. Konnte ich nicht mehr, sprang er ohne zu zögern ein, brauchte er eine Auszeit, konnte er sich auf mich verlassen. Wir waren ein gutes Team, verstanden uns ohne viele Worte und hatten in weiten Teilen den gleichen Humor. In 6 Jahren Gemeinsamkeit wächst mehr zusammen als man auf den ersten Blick sieht. Das stellt man fest, wenn es auseinander gerissen wird. Es tut sogar etwas weh. Er wird mir fehlen. Sehr. So long Dude. Pass auf Dich auf. Ich bin hier.

[youtube]o6xZRm_Ky6g[/youtube]

[Sara Gazarek – And So It Goes]

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16 Gedanken zu „Abschiedsmusik

  1. Merci, liebe Welt. Wir hatten beide Tränen in den Augen und dicke Klöße im Hals, als ich die Tür hinter ihm schloss.

  2. Wow, sehr schön geschrieben. 😥

    Und das als Mann. 😀
    Im Ernst: Ich finde es gut und sehr richtig, zu seinen Gefühlen zu stehen. Es gab mal einen Chef, bei dessen Weggang ich Rotz und Wasser heulte. Hat danach nie wieder einer geschafft. :knirsch:

  3. @SSL
    merci. 😳 Auch Kerle gestatten sich vereinzelt ein Gefühlsleben. Nicht jeder, das gebe ich gerne zu. Viele scheppern sich lieber auf die Brust und schütten Bier in sich rein. Freitag war jedenfalls kein schöner Tag. Heute geht es etwas besser, der Tisch gegenüber ist leer, ich gewöhne mich dran. Musik auf dem Kopf.

  4. Ich habe hier im Regal ein Fotoalbum meiner lieben Kollegen (mit Bildern von allen und Abschiedsworten), das sie mir vor vielen Jahren schenkten als ich meinen Job aufgegeben habe, um mein Abi nachzumachen. Ich kann das nur sehr selten in die Hand nehmen und darin blättern, weil ich jedesmal losheulen muss.

    Wenn man mal bedenkt, wieviel der wachen Tageszeit man mit den Kollegen verbringt, ist es eigentlich kein Wunder, dass sie (zumindest die, die man auch privat an sich heranlässt) ein Stück weit Familie werden. Ich kann das Gefühl des Abschieds gut nachvollziehen und hoffe, dass die berufliche Distanz, die euch zukünftig trennt, sich vielleicht gelegentlich auf ein Bier überbrücken lässt. :hug:

  5. @Katja
    Wir sind räumlich zu weit auseinander, Wege trennen sich, damit muss man leben, auch wenn es keinen Spaß macht, je öfter umso weniger.

  6. Ja. Das kenn ich. Man vergisst immer, wieviel Zeit seines Lebens man mit Kollegen verbringt und daraus sind oft tiefere Beziehungen erwachsen, als man wahrnimmt. Und es gibt Kollegen, die vermisse ich heute noch zutiefst.

  7. Und dennoch ist es schön, dass manche Menschen das eigene Herz berühren. Gerade bei Kollegen.

    Mir steht bald auch ein solcher Abschied bevor. Es muss irgendwie gehen, aber es macht mich sehr traurig.

  8. @WeltdesWissens
    Ja/Nein. Jemanden, von dem man weiß es wird sich irgendwann trennen, derart nahe an sich heran zu lassen ist letztlich inkonsequent. Man weiß es besser und doch macht man es. Mensch halt – doof das. Ich wünsche Ihnen bei ihrem anstehenden Abschied ein möglichst ruhiges Gemüt und ausreichend Tempos.

  9. Mensch – ja, doof – nein. 🙂
    Viel doofer fände ich persönlich, wenn Mensch sich selber so starkt kontrollieren könnte, sich all diese guten Dinge, die jetzt als gemeinsame Erinnerungen verbinden, zu versagen, die Nähe mit sich bringen, nur weil es irgendwann wehtun könnte (oder von mir aus auch vorhersehbar wehtun wird).
    Ich finde, das Weniger an Schmerz kann nicht annähernd das Weniger an Erfüllung aufwiegen, die Freundschaft/Nähe mit sich bringt. 🙂

  10. Oh, ich darf nicht mehr editieren. Daher hier: doofer im Sinne von trauriger, um das weniger missverständlich zu machen. 🙂

  11. @Katja
    Aus eigener Erfahrung: man kann sich durchaus derart strikt kontrollieren, doch enthält sich sehr sehr viel und das ist es letztlich nicht wert. Es ist genau richtig: das Weniger an Schmerz wiegt es nicht auf.

    Das driftet jetzt ein wenig ab und auch wieder nicht. Es geht unterm Strich ums „an sich heran kommen lassen“.

    OT: Die Editierzeit ist auf 10 Minuten erhöht.

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