Erinnerungseffekt

Wenn die Gattin und ich zum Shoppen in die Wiesbadender Fußgängerzone wollen, parken wir meist im gleichen Parkhaus (Schwalbacher Strasse) und laufen dann eine Quergasse zur Fußgängerzone hinein. Auf unserem Weg dorthin kommen wir an einem Dia.ne.tik-Zentrum vorbei und jedes Mal steht ein und derselbe Hansel von denen draußen und bietet deren kostenlose Stresstests an. Meine Standardantwort darauf ist, dass ich aufgrund meiner Tiefenentspannung keinen Stress habe und daher auf seinen Test verzichte. Manchmal stellt er sich direkt in meinen Weg um mich am Weitergehen zu hindern, manchmal kommt er aus eine unangenehmen und unangebrachte Weise so nahe wie es nur geht. Da ich weder ausweiche noch stoppe rempeln wir auch schon mal aneinander, manchmal weicht er auch im letzten Moment aus. Er ist nicht wirklich unhöflich, aber höchst belästigend und sehr penetrant. Eigentlich sollte er mich mittlerweile kennen, so oft wie uns uns schon ‚getroffen‘ haben und doch quatscht er mich immer wieder an.

Vor kurzem habe ich die Strategie geändert indem ich zur Antwort gab, der einzige Stress den ich hätte wäre, ständig von ihm wegen dieses dämlichen Tests angesprochen zu werden. Er möge mich doch zukünftig bitte in Ruhe lassen, weil ich sonst tatsächlich in Stress geraten würde und dann sofort den Test machen möchte, mit ihm, hier auf der Stelle, quasi live. Ob er das wirklich wolle? Eine Antwort bekam ich nicht, nur verlegenes Grinsen. Der Test würde ja in der „Kirche“ (draufzeigt) und nicht auf der Straße stattfinden. Er blubberte noch weiter vor sich hin, wie liefen weiter und überließen ihm seinem Schicksal.

Am Samstag sind wir wieder die kleine Gasse entlang, er stand wieder da und sah mich. Entspannt und gespannt wie ich war, wirkte er auf die Entfernung etwas unentschlossen. Ich war überzeugt, er erkannte mich als er nervös mit den Karten in seiner Hand hantierte. Er machte einen Schritt auf uns zu, blieb jedoch sofort wieder stehen. Ich nicke ihm grüßend auf die Entfernung zu und lies ihn nicht aus den Augen, bis wir an ihm vorbei waren. Sein schiefes Lächeln und ausweichender Blick sagte mir, dass er verstanden hatte. Natürlich würde ich ihm nichts tun, aber das weiß er ja nicht. Nun bin ich gespannt, wie lange „es“ anhält.

7 Gedanken zu „Erinnerungseffekt

  1. Du kannst doch dem armen Bubi keine Angst machen. Mensch Rüdiger, das ist doch echt nicht nett. Der will doch nur was gegen deinen Stress in der Kirche machen oder so 😉

    Tja aber so hat jeder seine kleinen Alltagsfeinde ne 😉

  2. Ui, die Antwort mit der Tiefenentspannung ist klasse. Darf ich die adoptieren? 😉 Wobei bei mir gerne die Jehovas klingelten, bis ich die mal so richtig gefaltet habe. 👿
    Zum Stresstest hat mich noch keiner geladen, aber die Antwort an sich ist großartig. 😀

  3. @DeserTStorM
    Alltagsfeind ist ein sehr schicker Begriff.

    @schrecklichschoenesleben
    Die Adoption wäre mir eine Freude. Von Jehovas werde ich in der Regel verschont. Wie faltest Du die? Im Blog steht jedenfalls nichts und so was schreit doch gerade danach, verbloggwurselt zu werden.

  4. Die Zeugen Jehovas stehen auf der Strasse wenigstens nur da, halten ihr Pamphlet in der Hand und quatschen einen zumindest nicht an. Aber wehe, wenn man sie zur Tür rein läßt. Habe ich zum Glück bisher vermeiden können, aber ich kenne es aus Erzählungen 🙄

    Der Kerl von der Sc.ien.tol.ogy ist aber wirklich lernresisten…

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