Mark Gillespie & Tom Drost im Schlachthof

Da die beste Tochter von allen nicht so recht wollte/konnte, musst die Gattin gestern ausnahmsweise dran glauben. Nachdem wir eintraten, stand ein leicht wuschliger Mensch schon auf der Bühne und hantierte mit der Technik, klappte wohl alles irgendwie nicht so wie er wollte. Dabei quatschte er schon mit dem Publikum in den ersten 2-3 Reihen. Plötzlich stellt er sich als Mark Gillespie aus Manchester vor, ob wir das Konzert in Deutsch oder in Englisch wollten, dabei nimmt die Gitarre in die Hand und wartete. *öhm* Holla, dachte ich, wie geht der denn los. Nachdem er seinen und den Namen seines Kompagnons noch einmal deutlich nannte, fragte er doch allen ernstes, was sie denn heute alles spielen sollen. Es entwickelt sich eine skurrile Szene, in der er selbst immer wieder von seiner Sitzkiste aufstand, weil wohl Leute sagten, man sehe ihn nicht (die Bühne in der Räucherkammer ist wirklich sehr flach), er sich darüber beklagte, dass er beim spielen lieber sitzen würde, aber wenn wir es wollten, er auch stehen könne, es wird dann nur etwas kritisch mit der Technik zu seinen Füßen, ja das Stück könnten sie auch spielen, klimper-klimper, usw. usw. Auf merkwürdige Weise wirkte das Ganze doch sehr cool. Es kristallisierte sich also heraus: er hatte keine Set-List so fing er einfach mal mit Supersonic Sunday (bzgl. Intro zum Video – so spricht er auch mit dem Publikum, völlig locker und verkrampft und die ganze Zeit zwischen den Stücken – herrlich zu erleben) an.

Nachdem er später erneut Publikumswünsche abfragte, gab es zwischen seinen Stücken auch mal etwas von Sting, eine grandiose Version von wish you were here (ein besseres Video habe ich nicht gefunden und meine Version ist leider misslungen, weil neben mir ein paar Labertaschen …. ach was solls …..) und auch vor Jethro Tull machten die Beiden nicht Halt. Dann klappte mit der Technik zu seinen Füßen etwas nicht, also setzte er sich wieder, spielt dann quasi aus der Hand ain’t no sunshine und das so beeindruckend, dass selbst die Gattin begann zu wippen. Dann wieder Stagetalk, lustig, lachen, live Zusammenbau einer Hintergrundmusik an der Loop-Machine (inklusive „nochmal, sorry, voll Scheiße gespielt“ – also doch deutsch), Sprüche, Technik nicht so richtig, er sitzend, stehend, *klimper-klimper* alles lacht, freut und amüsiert sich, dazwischen Musik wie z.B. Chasing Cars in einer Brillanz, dass es einem den Atem raubte. Eine Rampensau wie es im Buch steht, ein Könner und ich frage mich seit gestern, warum dieser Kerl nicht schon längst größer und bekannter geworden ist. Bombastisch.

So etwas habe ich noch nie erlebt, ein dermaßen chaotisches, sympathisches, sensibles, offenes, küchenpartyartiges Konzert wie dies von gestern Abend. Laut Katja ist es normal, dass er viel banales Zeugs von der Bühne herunter mit dem Publikum redet. Wie er das macht und in welcher Intensität er es betrieb, hatte stellenweise etwas anarchisches. Mehr als einmal dachte ich, dass er gerade sein eigenes Konzert versenkt, aber dem war nicht so. Er bekam immer wieder die Kurve und gab uns was wir wollten – super-hammer-geile Musik.

Vielen Dank, dass Du mich da „hingeschickt“ hast. So etwas nenne ich Unterhaltung und schwups waren 2,5 Stunden weg. Wo er vorher noch unbedingt Pause machen wollte, lies er die Thekenbesatzung entscheiden, ob sie weiterspielen sollen oder doch lieber nicht. Natürlich nicht, also keine Pause, dafür durfte er Weizenbier auf der Bühne. Wobei die Beiden nach 2,5 Stunden noch nicht fertig waren, wir mussten nur leider gehen. Aus dem Publikum fand sich gar noch ein Mundharmonikaspieler, der sich zu den Beiden gesellte. Es entwickelte sich aus dem eigentlichen Konzert eine Art Jam-Session. Freunde, der ist irre, so irre – so irre gut.

[youtube]SGAe259l1yk[/youtube]

[Makr Gillespie & Tom Drost – Waiting In Vain]

falls youtube nicht läuft => click
Wieder mal letzte Reihe und ganz mieses Licht nach vorne, will sagen: eine richtige Videokamera macht für mich keinen Sinn. Aber die Musik war klasse. 🙂

Und jetzt brauch ich Konzertnachschub, ich habe nichts mehr geplant/in Aussicht auf das ich mich freuen könnte. Vorschläge? Anyone?

3 Gedanken zu „Mark Gillespie & Tom Drost im Schlachthof

  1. Ach wie geil! Ich freu mich riesig, dass es dir so gut gefallen hat! Ich hab ihn ein einziges Mal (und ich hab ihn mehr als 15 Mal live gehört) mit recht knastiger Laune erlebt, da war er wortkarg und hat brummig vor sich hingespielt, ansonsten war das immer ähnlich wie in deiner Beschreibung.
    Ihm hab ich den einen knastigen Auftritt auch verziehen, weil ich alle anderen Auftritte umso mehr genossen habe. Wer so autentisch und echt auf einer Bühne ist, den gibt’s nunmal auch gelegentlich mit schlechter Laune.

    Ich hätte das nie so herrlich treffend beschreiben können, du hast da tolle Worte für gefunden. Mark muss man einfach live erlebt haben, dann kann man hinterher aber auch von ’nem wirklichen Er“lebnis“ reden. :hachz:

  2. Bin gerade endlich dazu gekommen, dein Video anzuschauen und mir ist das „?“ beim Titel aufgefallen. Falls es interessiert: Das hier ist das Original, das Mark da gecovert hat:

    [youtube=http://www.youtube.com/watch?v=qTG7ZxO3-sE]

    Edit: Hum, keine Ahnung, wieso das direkt einbinden gerade wieder mal nicht geklappt hat. Klickst du für youtube

  3. @Katja
    Freut mich, wenn ich den richtigen Ton gefunden habe. 🙂

    Danke für den Titel zum Video. Bei privat gehosteten WordPress ist das einbinden von Youtube-Videos in den Kommentaren nicht möglich.

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