unerfreuliche Minuten

Das hat nichts mit Preußentum oder ähnlichen nationalen Klischees zu tun, ich mag Pünktlichkeit, ich stehe auf Pünktlichkeit, eine Sache des Anstands, der Erziehung und des Respekts für mein Gegenüber. Deswegen kann ich es nicht sonderlich verknusen, wenn ich um 10.10 Uhr zu meinen 10.15 Uhr Termin erscheine, trotz Anmeldung bis 10:25 Uhr warten muss, bis sich jemand bequemt mir zu sagen, ich möge doch bitte etwas Geduld haben. Der Tonfall mir gegenüber strotzt nur vor genervter Geringschätzung. So vergiftet man also eine Gesprächsatmosphäre, bevor dieses überhaupt angefangen hat. Nachdem die Person mich ‚versorgt‘ hat, verschwindet sie in den Gängen um nach 10 Minuten wieder zu kommen. Im Vorbeihuschen nehme ich das untrügliche Aroma einer hastig durchgezogenen Zigarette wahr. Die Person spricht mich sogar an, das ich jetzt bitte hineinkommen soll. Ach ja? *grmlz* Ich reiße mich zusammen.

Dann sitze ich vor dem Behördenmenschen und es klingelt kurz nachdem ich beginne mein Anliegen zu erklären das Telefon. Die Person nimmt ab und telefoniert ohne Rückfrage mit mir in aller Ruhe über alles mögliche, sicherlich war auch was fachliches dabei, irgendwo zumindest. Sie legt auf und tippert dann mit einem quälender 4-Finger-Findesystem auf dem Keyboard herum, um sich schließlich mit einem süffisant-genervten Tonfall mir zu zuwenden, „So und nun habe ich Zeit für sie.“ Es ist mittlerweile 10.40 Uhr und mir schwillt der Kamm, ernsthaft und wirklich. Und nicht alleine wegen der unnötigen Verspätung, als vielmehr wegen des Benehmens dieser Person. Ok, es ist öffentlicher Dienst und die haben es auch nicht leicht, doch diese Missachtung einfachster Grundregeln im öffentlichen Kundenverkehr würde, wenn die Person mir unterstellt wäre, eine sofortige Versetzung ins Hundesteuerarchiv nach sich ziehen. Außerdem hat sie noch nicht mal meinen Tagesgruß beim betreten des Zimmers erwidert, geschweige denn, dass man sich mir vorstellt.

Es würde meiner Sache definitiv nicht helfen, würde ich mir die Person zur Brust nehmen, auch wenn ich wirklich sehr große Lust dazu verspüre. Doch leider ist diese Sorte Mensch mit einem unverhältnismäßig großen Katalog an ‚Möglichkeiten‘ ausgestattet – immer – isso – also lieber die Klappe halten. Wir pauken mein Ding mehr oder weniger gemeinsam durch, dabei offenbart die Person zunehmend eklatante Lücken minimalsozialer Kommunikationsfähigkeiten. Sie fällt mir fortwährend ins Wort, weiß alles besser, selbst wenn ich entsprechende Papiere zu meiner Aussage vorweise, die Person schrillt die Stimmlage unangenehm hoch, spricht zudem auch immer lauter und als ich zunehmend genervt von ihrem Gehabe beginne durchaus streitlustige Wiederworte zu erheben. Es hilft dennoch nichts, ohne „Schema“ (es lebe der Vorgang! Hurra-Hurra-Hurra) und ihrer Art die Sache zu händeln ist diese Person wohl nicht überlebensfähig. Es kostet Überwindung, manchmal muss man sich halt fügen. Das waren höchst unerfreuliche 45 Minuten an deren Ende die Person mir lustlos und den Blickkontakt vermeinend eine Hand zum Abschied hin hält. Die Hand schlage ich aus und verlasse das Zimmer lediglich mit einem gut vernehmbaren“Leben sie wohl“. Die Tür hinter mir schließe auch nicht.

12 Gedanken zu „unerfreuliche Minuten

  1. So ärgerlich es ist, so wenig ist es wert, sich wirklich darüber zu ärgern.

    Ich hab selber lange genug im öffentlichen Dienst gearbeitet um solche und solche Kollegen kennengelernt zu haben. Viele vergessen leider oder haben sich auch nie klar gemacht, was die „Branche“ nun mal im Wortsinne bedeutet: Dienst an der Öffentlichkeit.
    Das war mit ein Grund weswegen ich das irgendwann nicht mehr wollte. Ich wollte nie riskieren, irgendwann einmal zwischen den Aktendeckeln und Fällen das Gespür für die Menschen und ihre Leben, um die es da ging, zu verlieren. Wer das nicht hat, ist mMn einfach falsch in diesen Bereichen. (Die Meinung teilen meiner Erfahrung nach leider primär nur die Menschen, die von vor dem Schreibtisch aus Kontakt zu Behörden haben. Intern wäre sie ebenso notwendig.)

  2. Definitiv unpuscheliges Verhalten. 👿
    Bei uns in der Anstalt gibt es kaum eine Besprechung, bei der nicht mindestens einer zu spät kommt. Das Ende vom Lied: Mehrere Kollegen, von denen vermutlich jeder reichlich Arbeit auf dem Tisch hat, warten und warten und warten… Darüber kann ich mich auch aufregen.
    Ich bin ja auch so ein kleiner Pünktlichkeitsfanatiker. 😉 OK, wenn man zu Hause auf Gäste wartet und die kommen 10 Minuten später, was soll’s, aber wenn man z. B. vor einem Restaurant wartet und wartet und wartet und derjenige meldet sich nicht mal (es kann ja gute Gründe geben, Stau etc.), das nervt mich.
    Eine Ladung Puscheligkeit gegen den Frust: http://is.gd/d9e1J 😀

  3. @Katja
    Ich verstehe nicht, wieso diese Person dort sitzt, sie gehört von der Attitüde ausgehend schlicht entfernt.

    @Fellmonsterchen
    /me nimmt Puschligkeit über opto-sensible Informationswege auf [:hachz: ist der schnuckelig…. *schmelz*]

    Oh, meine Reizthema … Meetings/Besprechungen … das ist noch mal ein ganz anderes Thema, auch und vor allem wenn die lieben Kollegen in der Teeküche festwachsen oder ständig vor Meetings/Besprechungen „nur mal eben noch eine rauchen wollen“. Da einige Kollegen stille Mitleser sind und um den berechtigten Aufschrei der Entrüstung zu vermeiden gestehe ich ein notorischer zu-Spät-Kommer zu sein, weil ich mich stets zu spät aus der Hotline abgemeldet habe. Doch das lag im Wesentlichen an der generellen Handhabung des Firmenkalenders.

  4. Der „Dienst am Kunden“ ist das eine….was aber solche Menschen egal wo nicht lernen können / wollen….ist:
    Sie machen sich selbst das Leben schwer….mit einer solchen Verhaltensweise kann doch nicht ernsthaft erwartet werden, dass sich die Person gegenüber freundlich und höflich verhält.
    😕

  5. *seufz* Ja, ja, und nochmal ja.
    Ich arbeite auch im teilprivatisierten öffenlichen Dienst, habe aber offenbar eine unübliche Auffassung von Dienstleistungsmentalität.
    Erinnert mich sehr an mein Erlebnis mit Sohnemann auf´m Amt… 🙄

  6. ach, ich finde es durchaus beruhigend, in letzter zeit öfter zu lesen, daß es leute wie dich und mich und die anderen, von denen ich spreche, gibt, die so etwas noch aufregt und die das fehlen eines sinns für kunden bzw. soziale aktionen noch bemerken. mir begegnen nämlich leider sehr oft menschen, die sich dessen nicht mal bewußt sind, wenn sie so behandelt werden – offenbar, weil sie es nicht anders kennen. :donno:

    und übrigens: die oben verlinkte puschligkeit ist ja mal ganz groß !!! *hachz

  7. @rebhuhn
    Das ‚wir‘ es merken, … joah.. stimmt du hast irgendwo Recht. Wie gesagt, die Menschen dort haben es auch nicht einfach und werden mehr als einmal am Tag seitens der Kunden auch völlig falsch behandelt und angesprochen. Das macht mürbe, das stumpft ab und sehr schnell ist hier ein Tresen-Schutzmechanismus am Werk, das muss nicht mal bewusst passieren. Insofern handelt der sich Respekt ein, der seine Arbeit als Dienstleistung sieht und dennoch sich nicht so verhält wie die schlechten Beispiele.

    OT: Puschligkeit pusht. 😀

  8. oh ha…ein sehr unerfreulicher Besuch !
    …Unfreundlichkeit ist leicht erlernt, obwohl Freundlichkeit und ein Lächeln für ein längeres Leben sorgen!

    meine Bäckerei(fach)verkäuferin sagte tatsächlich zu mir : Jetzt regen sie sich mal wieder ab! Tzt….egal was dem voraus gegangen ist, ist das ein Spruch der führte bei meiner Führung eines Unternehmens zur Abmahnung!

    aber zu dir, ich hoffe du hast dennoch etwas positives erreicht mit dem Gespräch der unfreundlichen Dame! :hug:

  9. @bonafilia
    Wir haben die Sache einigermaßen geregelt, jedoch für mich ohne ein wirklich gutes Gefühl am Ende mitnehmen zu können. Wie einen alten Zettel vom Board zupfen und achtlos weggwerfen – Hauptsache erledigt.

  10. […] ich mag Pünktlichkeit, ich stehe auf Pünktlichkeit, eine Sache des Anstands, der Erziehung und des Respekts für mein Gegenüber […]

    Unterschreibe ich zu 150%. Ich verachte Unpünktlichkeit aufs tiefste! Schrecklich respektlos!

    Sonnige Viertelfinalgrüße
    Erdbeere

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