Damalsbiszumabwinkenhörenmusik-04

[youtube]Q5_sklDs1bU[/youtube]

[Al Stewart – Time Passages]

falls youtube nicht läuft => click

Sie durfte das erste Mal mit elterlichem Segen und mir in eine Disco. Wobei Disco ist etwas zuviel des Guten, ein Sportverein in einer Mainzer Vorstadt hatte ein Sportfest und veranstaltete in der Turnhalle ein „tanzen zu zeitgenössischer Musik“. Kein Scheiß jetzt, so stand es tatsächlich auf den Ankündigungsplakaten. Ihr Vater bestellte mich ein bat mich vorbeizukommen um seine Tochter abzuholen und auch dafür Sorge zu tragen, dass es nicht später als 20.00 Uhr (als ich sie abholte verglich ich deren Küchenuhr mit meiner – was fand ich mich clever –  hah!11elf) würde und das seine Tochter immer Abstand zu den Lautsprechern hielt. Nicht das sie ihr Gehör beschädigen würde, das wäre unverzeihlich. Es war 1979 und es war streng, aber ich durfte nicht maulen, immerhin konnten wir gemeinsam in den Abendstunden ausgehen. Ihr Vater wollte natürlich auch wissen, was denn für Musik bei einer Disco so gespielt würde, doch wohl hoffentlich nicht so Zeuge wie bei diesem Ilja Richter. Das war etwas kompliziert, weil zu der Zeit es so einiges an Hottentottengedudel [sic!] gab, was definitiv nicht elternkompatibel war. Wie z.B. Chic mit le freak , M-Pop mit pop-musik, Ami Steward mit knock on wood, The Knack mit my sharona und und und. Was tut man nicht alles nur um zu gefallen, also nahm ich meine zu dem Zeitpunkt absolute Lieblingsplatte von Al Steward, Time Passages auf Kassette auf und gab sie dem Vater mit der Bemerkung, dass ‚meine‘ Discos solche Sachen spielen würden. Ich mag ja schließlich ebenso wie er absolut keine laute Musik, wegen dem Gehör und so. *ähm* Es war ’ne Notlüge, außerdem war es für einen guten Zweck. Die Musik fand in seinen Ohren letztlich wohlwollende Gnade, so durfte ich sie endgültig abholen und gemeinsam mit ihr und der Straßenbahn zu dem Sportfest fahren.

Der Charme der Halle war keiner, ein paar bunte Ballons und Girlanden, gleißende Beleuchtung und mäßig laute Musik. Wenn man nicht allzu laut auf dem Holzboden stampfte, konnte man sie gut hören. Als die „Aufpasser“ dann endlich weg waren, wurde das Licht gedrosselt und der Verstärker durfte wie er konnte. Wir hörten also all die „verbotenen“ Sachen, tanzten, achteten nicht auf den Abstand zu den Boxen, sondern nur auf unseren Spaß. Die Aufpasser hatten genug mit sich und dem Fassbier zu tun. Eigentlich hätte ich sogar damit gerechnet, dass der Vater zur Überraschungsinspektion nachkommt, passierte aber nicht. *puh* Pünktlich um 19.59 Uhr klingelten wir wieder bei ihr zu Hause und alles ward gut.

10 Gedanken zu „Damalsbiszumabwinkenhörenmusik-04

  1. 🙂 eine meiner Lieblingsplatten seinerzeit, mag sie heute noch sehr ! Pop Muzik – wie cool war das denn… Und my Sharona war ja schon „hardcore“… Mein erstes „Date“ war in einer „Kinderkur“ auf Sylt, wir waren 14, keine Eltern in der Nähe und die „Aufpasser“ waren eher coool, die Jungs und Mädelsgruppe schlief ja in getrennten Häusern… Aber tagsüber durften wir uns sehen und haben mit den Gruppen gemeinsame Ausflüge gemacht. Und dann kam der Tanzabend, weiss nicht mehr so genau was alles lief (1976) aber der erste Kuss (wenn man das sehr zaghafte Berühren der Lippen für gemessene 0,3 Millisekunden – gefühlt jedoch mindestens ’ne Stunde – so nennen will) war hierbei: http://www.youtube.com/watch?v=U5sSEkZ86ts Nach der Kur wurde es schweirig denn sie war in Wolfratshausen bei München und ich in Frankfurt…Viele Briefe später tauchte dieser DLRG Rettungsschwimmer bei ihr auf… Wir sind heute noch Freunde und sie ist der Mensch, den ich ausser meiner Mutter und meiner Schwester (mein Vater starb vor vielen Jahren) am längsten kenne. Sweet memories…

  2. Schön! Sowohl Musik, als auch Geschichte, als auch die Erinnerung, die du damit bei mir gerade geweckt hast. 🙂

  3. Oops – da waren meine Eltern ja direkt fortschrittlich! Ich durfte jeden Samstag ‚Disco‘ im Fernsehen gucken und mit 16 auch in eine ebensolche gehen (was ich mit Freundinnen tat). Aber ich hatte auch keinen Freund, der mich abholte, damals war ich ‚emanzipiert‘ 🙂 und später ging ich allein und traf mich im Sinkkasten mit Leuten.

    @“der“: ‚Hardcore‘ war für mich das hier: http://www.youtube.com/watch?v=kNGNLo8K6Fk und natürlich http://www.youtube.com/watch?v=iikKzQwgBJc

    Cat Stevens (Yusuf Islam) ist heute noch ein Renner – ein unvergänglicher Klassiker ❗

  4. @Nixhaare & noch ein Markus
    Nope, ich verschenke keine Blumen, habe ich nie und werde ich auch nie. Ich habe mich gekümmert und an Absprachen und Uhrzeiten gehalten, da war „schön-wetter-machen“ nicht nötig.

    @Charis(ma)
    Jau, diese Eltern waren mehr als nur streng und verknöchert, dafür die Tochter umso weniger, sobald die Eltern außer Reichweite waren. 😉

  5. Schön erzählt! ;o) Und bei den Titeln könnte ich mich ehrlich gesagt für keine Reihenfolge der Beliebtheit entscheiden. Alle her zu mir. Sooofocht! *g

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.