Schinken in der Tasche

Katzen haben mit mir nichts im Sinn und ich mit ihnen eigentlich auch nicht. In der Regel sehen wir uns, akzeptieren uns wie wir sind und sorgen in stiller Übereinkunft dafür, dass unsere Wege sich nicht näher als auf meine Armeslänge kreuzen. Ich werde somit nicht behelligt und ich behellige nicht. Das klappt, bis auf letzten Mittwoch. Ein Kater, der mich nun schon 5 Jahre „kennt“ unterschritt plötzlich die gesunde Distanz und wich mir nicht von der Seite. Er setzte sich gar innerhalb der Entfernung meines ausgestreckten Armes und bliebt dort auch noch frech hocken. Nach 5 Minuten intensiven Wartens, wurde ich seinen mit tiefen Augen verursachten starrenden Blick bewusst. „Irgendwo hier muss Schinken liegen und er will den“, das war meine Erklärung. Er wird schon wieder gehen, tat er aber nicht. Der Blick wurde weniger starrend, als vielmehr weich und verlegen (Interpretation), hin und her. So hielt ich meine Hand zufällig über die Lehne, während die andere Hand vorsorglich mit einer gerollten Zeitung ausgerüstet sich bereit hielt, falls nötig verlorenen Respekt und Abstand wieder zurück zu bringen. Nichts geschah, er streifte die Hand mit dem Kopf, einmal, zweimal, dreimal und immer heftiger. Der mutige und sachte Griff an den Hals wurde heftig gurrend und mit wohlwollendem Recken bekundet. Das hielt 10 Minuten, dann trollte er sich, aber nur um seiner Schwester Platz zu machen, die Gleiches mit mir spielte. Muss ich nicht verstehen.

8 Gedanken zu „Schinken in der Tasche

  1. Katzen sind wie Frauen! Unberechenbar! Bei den Katzen meiner Freundin weiß ich auch nie, woran ich bin. Von minutenlangem genüsslichem Schurren bis hin zu alle Krallen einmal über den Handrücken ziehen habe ich auch schon alles erlebt. Das wird man bei Hunden nicht erleben.

  2. @asinus canus
    Das frage ich mich häufig auch.

    @Cassy
    Jupp, vor solchen Harakiri-Katzen habe ich großen Respekt, vermutlich will ich deswegen mit Katzen auch nichts zu tun haben. Hunde sind mir da deutlich lieber.

  3. Also, ich als Expertin 😀 kann nur sagen, dass Katzen von Haus aus kein Harakiri betreiben. Das machen sie nur – dann aber für immer – wenn sie mal schlechte Erfahrungen gemacht haben.

    Ansonsten ist das von Dir beschriebene Verhalten nicht auf eventuelle Metzgerprodukte oder ähnliches zurückzuführen sondern – und das willst Du jetzt nicht hören – auf Zuneigung. Ganz einfach.

    Und Katzen ey, sind total leicht zu durchschauen. Ich als Frau weiß, wovon ich spreche. 😀

    Frau SSL :rage:

  4. Hattest Du jetzt eigentlich Schinken in der Tasche?
    Mein Kater Karlchen hätte dann keine 5 Minuten gewartet…

  5. @Tina
    *ähm* nein, wissentlich hatte ich keinen Schinken bei mir, die Beiden wollten scheinbar wirklich „nur“ Kontakt zu mir aufnehmen, nach 5 Jahren. Frag mich bitte nicht wie, warum und wieso. :donno:

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