Es war einmal

Herr MiM berichtet von neuen Azubis in seinem Büro, weil gestern Montag war und das Lehrjahr begann. Diese arme Zunft der einem wehrlos ausgelieferten jungen Mitmenschen, Frühstücksbeschaffer, Sachenschlepper und dankbares Ziel diverser harmloser, aber dennoch irgendwie bösartiger Scherze der Alteingesessenen.

Ich durfte eine Elektriker-Ausbildung im großen Glaswerk in Mainz antreten. Am ersten Tag schickte man mich Ambossklangfett holen, die Feierabendschablone und den Spanungsabfalleimer. Haha, ja, sehr lustig, aber da muss man durch und es aushalten, auch wenn es schwer fällt. Und es fiel mir schwer, sehr sogar. Am 2. Tag lief ich ich mit 2 Altgesellen in eine weit entfernte Fabrikationshalle, ich durfte tatsächlich die Taschen tragen und Material schleppen/schieben. Ich wollte Elektriker werden und kein Muli, aber wie oben schon festgestellt muss man die Anfangszeit aushalten. In der Halle parkten sie mich an einer Ecke der Maschine, wo ich rein gar nichts sehen konnte und als Ausgleich schicken sie mich dafür zum Frühstück holen, um 08.00 Uhr, Pause war um 09.30 Uhr. Natürlich wusste ich nicht wo die Kantine war und fragte auch aus falsch verstandenem Stolz nicht (ich musste schon genug Spott und Häme aushalten), so lief ich zurück in die Werkstatt um mich einem anderen Azubi zu besprechen. Stattdessen laufe ich dem Chef in die Arme und ich Dämlack frage reflexartig ausgerechnet ihn, wo denn genau die Kantine ist. Nach 5 Minuten war dann auch das Klingeln in den Ohren wieder weg und ich wartete, bis die Gesellen aus der Hallen zurück kamen und mich wieder abholten. Muss ich erwähnen, dass auch die richtig sauer auf mich waren? Sie sprachen kein Wort, sondern parkten mich in einer heißen Ecke der Halle, in unmittelbarer Nähe zum Schmelzofen. Nach 45 Minuten war ich gar und durfte nach einer zugeschrienen Wegbeschreibung und durchaus glaubhaften Züchtigungsandrohung noch einmal Frühstück holen. Dieses Mal klappte es und ich durfte nach dem Frühstück etwas mehr Abstand zum Schmelzofen halten. Nach der erneut von mir beschafften Mittagspause, wurde mir erlaubt die Taschen und das restliche Material wieder zurück zu schleppen, aber nur wenn ich den Weg auch kannte. 

10 Gedanken zu „Es war einmal

  1. Na, seit mal alle froh, daß ihr nicht in der Chemie eure Ausbildung gemacht habt – da gibt es richtig üble Scherze.

    Benzolringe in einem Eimer holen ist ja noch lustig, die Paniktür die der Azubi abschließen soll und mittels Türklinkenbetätigung überprüfen soll, ob die Tür auch wirklich zu ist, ist ja noch lustig (letzterer unvergesslicher Scherz ist sogar noch sinnvoll – so weiß der Frischling gleich, wo er IMMER rauskommt, wenn das Labor abfackelt :top: )

    Weniger lustig sind die Witze, bei denen irgendwelche Chemikalien in die Cola gekippt werden… wenn es nur schäumt wie verrückt ist das ja noch ok, weniger lustig ist der Wirkstoff eines Abführmittels. Der ist so konzentriert, daß es ziemlich schnell und zwangsläufig in die Hose geht. Hatte das einmal bei Erstsemester-Studenten gesehen – fünfe kloppten sich um die einzige Toilette, geschafft hat es trotzdem keiner.

    Ich blieb selber glücklicherweise von allen Schezen verschont (bis auf die Benzolringe, aber da wußte ich schon was das ist 😀 )

    Von den chemieverseuchten Getränken abgesehen mache ich diese Witze aber auch gerne – irgenmdwie muß man sich ja den Arbeitsalltag versüßen 😀

  2. Lehrjahre sind keine Herrenjahre! 😛

    Aufgrund der Tatsache, daß ich einen „Mädchenberuf“ habe (Steuerfachgehilfe) Mußte ich auch nur deren rumzickereien ertragen und wurde mit solchen „Männerdingen“ verschont!

    Azubinen die ich zu Ausbildungszwecken hatte (weil Weiblich!) hatten nichts auszustehen, da ich nicht auf kleinen Mädchen rumhacke und lieber den „Beschützer“ markiere! 😀

  3. Als ich meine Ausbildung begann, waren wir zu dritt und die ersten Azubis in der Filiale überhaupt. Von daher wurden wir recht pfleglich behandelt. Sowohl Frühstück (jeden Vormittag) als auch Äppelwoi (2 x die Woche nachmittags) holen, empfanden wir als wohltuende Unterbrechung. Obwohl uns der Ladenbesitzer der letzteren Ware im Laufe der Zeit schon etwas misstrauisch beäugt hatte. Gefragt hatte er aber nie.
    Die uns nachfolgten hatten dann auch weniger Spaß. Vor allem wegen uns. 😀

  4. @Broken Spirits
    Chemie klingt immer fies, eagl wie.

    @Nixhaare
    Den Spruch habe ich über Wochen mit der groben Kelle mehrfach täglich aufs Brot geschmiert bekommen.

    @Cassy
    Appelwoi während der Arbeitszeit? Sieht nach einer ‚entspannten‘ Lehrzeit aus. 🙂

  5. Na, immerhin.
    Uns wurden am ersten Schustertag sämtliche Gebärden für sämtliche Lederarten erklärt und das war es, dann konnten wir gehen. Juhu!

  6. ich hatte das „Glück“ und war nicht der Schwächste von 5 KFZ Mechaniker Auszubildenden in meinem Lehrjahr und wurde weitestgehend verschont.
    so richtig Spaß hatte ich eigentlich erst am Ende der Ausbildung wo mein Meister die Berichtshefte unterschreiben sollte wo jeder Scheiß drin stand den ich machen musste…
    🙂

  7. Wir über die Typen, die uns unterrichtet haben. Und nicht anders. Allerdings war das ja überbetrieblich und da sind entweder alle auf Null oder nach Jahrgängen getrentt in der Schusterpraxis.

  8. Ich sehe schon – ich hab was verpaßt.

    Wobei – unseren Spaß mit Chemikalien hatten wir auch. Auch wenn es nur Ethanol intravenös war. Und beim Sezierkurs so ein bißchen :rage: 🙂

  9. @Charlotta
    Verpasst hast Du also nichts.

    @Judy
    Nicht unbedingt, als Ziel solcher Späße zu wirken, macht keinen Spaß. Aber mal was anderes, was passiert bei intravenösen Ethanol? Druckbetankung? Und was war da im Sezierkurs? 😛

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