krawallig

Der gestrige Tag ging reizmäßig noch weiter.

Es ist ein Zumutung für einen Verkehrsteilnehmer mit gebietsfremden Kennzeichen und somit außerhalb seiner gewohnten Umgebung, auf einer kerzengeraden Straße mit glatten Wiesen links und rechts in angemessener Geschwindigkeit auf eine grüne Ampel zuzufahren und dabei doch nicht schneller als eine dreibeinige Rennschildkröte zu sein, nur damit man eine sich spontan bildende Abfahrt nicht verpasst. Es ist vollkommen opportun, dass diese Menschen warten bis es gelb wird, dann noch einen Moment länger (wegen der Spannung) um beim umspringen auf Rot per brachialem kick-down die x-hundert PS des 5er BMW zum hüpfen zu bringen. Für den Rest der Schlange genügt kein kickdown mehr, was ein durchaus berechtigtes Gehupe erzeugt, natürlich auch von mir. Der BMW steckt im weiterfahren die Hand durchs Schiebedach und zeigt mittels erhobenen Mittelfinger, was er von der Huperei hält. Hinter mir tobte dann der Irrsinn, weil Mr. Oberklasselimousine einem Anfall mit Schlagen auf das geheiligte Lenkrad abzureiten versucht. Sein Auto rutscht dabei stückweise nach vorne, weil er wohl den Fuß nicht auf der Bremse halten kann. Ich schaffe zur Sicherheit etwas Abstand und rolle weiter.

Dann gibt es Menschen an der Kasse, die mit der Auswahl ihrer Zahlungsmittel scheinbar an die Grenzen der Auffassungsgabe kommen. Denn es werden zuerst ADAC, dann Payback, dann Kreditkarte gezogen und theatralisch überreicht. Die jedoch kaum ausgehändigt sofort wieder eingefordert werden, weil man ja falsch gegriffen habe. Dann endlich findet sich die EC-Karte, die jedoch unglücklicherweise von dem Automaten nicht genommen wird, also wird die Kreditkarte wieder hervor gekramt. Dann findet man eine 2. EC-Karte und die Kreditkarte wird wieder eingezogen. Die 2. EC-Karte ist abgelaufen, wie die kundige Kassiererin feststellt, also wird wieder die Kreditkarte überreicht, diesmal endgültig. Dann fällt der Stift zum unterschreiben ganze 3 Mal auf den Boden, dann der Geldbeutel mit den ganzen Karten, dann muss man ja noch alles einräumen und das alles in einer Geschwindigkeit, die jedem in der Schlange gefangenen Menschen (inklusive mir) aber auch wirklich alles an Geduld und gutem Willen abverlangt.

Dann kommt die Kassiererin, die die Ware ziemlich grob greift und über den Scanner in die Warenschütte schubst. Ich bitte sie etwas vorsichtiger mit der Ware umzugehen, weil ich keine Lust habe defekte Plastikbecher mit nach Hause zu schleppen, die unterwegs ihren Inhalt untereinander in die Transporttasche ergießen. Meine Geduld ist leicht angekratzt, als sie in mühsamen Hochdeutsch sich zwar entschuldigt, aber dennoch weiter die Waren mit dem gleichen Schwung bewegt. Ich ermahne sie erneut, sie ruft mir die Endsumme als Antwort entgegen. Ich finde 3 Becher mit eingedrücktem Aludeckel. Die will ich nicht haben, sie rollt daraufhin die Augen. Sie ruft die Kassenaufsicht wegen dem Storno per Mikro und schnippt mich im Dialekt an, dass ich mir die Sachen neu holen soll. Das Wort „bitte“ wird vermieden, Höflichkeit verursacht bekanntlich Ausschlag. Von wegen neu holen, ich verzichte und bin nach dem Storno raus .

Kaum draußen stellt sich eine Promoterin breit in Weg und hält mir einen Becher mit brauner Flüssigkeit entgegen. „Für Sie“ und zeigt mir die Zähne. Ich verzichte und möchte weiter, sie geht aber nicht. „Versuchen Sie es, schmeckt lecker„. Ich verzichte erneut, sie bleibt wieder stehen und meint mich mit einer Art Babydoll-Schnute erweichen zu wollen. Mein Wasser erreicht jetzt gerade im Moment die Faßkante und schwappt leicht drüber. „Sie können stehen bleiben und erleben wie ich weiter fahre, oder zur Seite gehen und mir zusehen wie ich weiter fahre, weil hier stehen bleiben werde ich nicht.“ Dann nehmen ich Schwung und rollte mit dem vollen Einkaufswagen weiter. Sie macht den Schritt zu Seite und ich höre wie sie Arschloch denkt. Soll sie ruhig, die blöde Pute.

Die Person, die sich mir später mit einem Klemmbrett näherte und mich fragte, ob ich einen Moment Zeit hätte, damit sie mich etwas fragen können, hatte dann leider Pech, als ich sie barsch mit der Bemerkung abwies „Gehen Sie bitte weg.“. Gottlob tat sie auch gleich, weil ich hatte keinen Einkaufswagen mehr vor mir mit dem ich hätte Schwung holen können.

Es wäre toll, wenn man solche Tage bereits am frühen Morgen, am besten noch aus dem Bett heraus, irgendwie erkennen könnte.

12 Gedanken zu „krawallig

  1. naja, muriel, wenn man aber auch volle breitseite an einem tag so viel deppertheit präsentiert bekommt, würde ich vermutlich auch grad mal in die luft gehen wollen.

    aber ich hoffe, dass rüdiger sich zuhause (ohne tröte heute hoffentlich!) etwas ausruhen konnte und den depperten menschlingen verzeiht, denn auch die haben mal schlechte laune und leider muss die irgendwo hin.
    nur haben die vermutlich kein blog, so wie eben du, rüdiger, der du uns das hier alles erzählen kannst und den wir verstehen. nein, da muss die kassiererin (die vermutlich einfach schlechten sex mit dem chef hatte) ihre wut eben an bechern und kunden ablassen und die frustrierten promoter (deren schwiegereltern wahrscheinlich abends noch zu besuch kommen, womit sonst die selbstmordabsichten begründen?) hätten bzw haben ja nun eine faire chance gehabt. finde ich.

    setz dich durch, rüdiger. aber vergiss nicht, gut-drauf-sein ist meißt einfacher, ist garnicht schlimm, tut garnicht weh :hachz:

  2. Da hattest du aber gestern wirklich einen Tag, den man besser aus dem Kalender gestrichen hätte.

    Bei mir ist das Formsache. Manche Tage bringe ich mit vielen „Ohhhhmmmms“ über die Bühne, an anderen könnte ich halbstündlich aus den Pumps springen.

    Hohen Aggressionsfaktor haben bei mir auch Renter, die in der Mittagspause einkaufen gehen, an der Kasse in ihrem Geldbeutel herumkramen, jeden Euro und jeden Cent drei Mal rumdrehen, dann hinlegen, um zum Schluss festzustellen, dass drei Cent fehlen. Dann wird alles wieder langsam eingesammtelt und mit einem 200-Euro-Schein bezahlt, den die Kassiererin nicht wechseln kann. :rage:

  3. @asinus canus
    oben rechts bitte, kurz unterm Ohr wäre angenehm. Danke. 😛
    OT: merci.

    @muriel
    bisweilen schon. Fremdinsitierung wirkt häufig wie ein Treiber zur gesteigerten Unentspanntheit.

    @life is just this
    Mit sonnigem Gemüt geht es immer leichter, schon richtig, wenn einem selbiges nicht immer wieder mit Erfolg ausgetrieben würde. 🙄

    @Cassy
    Jupp, idR. genügt es ja ein/zweimal tief ein- und wieder auszuatmen, doch kommt auch der Punkt da muss es raus und einer der Letzten in der Kette bekommt es ab. Isso. :donno:

  4. solche tage gehen vorbei, ausk*tzen ist aber hilfreich, bei mir auch immer :joydance: . insofern geht’s dir bestimmt schon wieder besser :D?

    ot header: irgendwie sehen so alleen, und noch dazu in schwarz-weiß, für mich recht mahnend/erinnernd/leicht depri aus. hübsches bild, das schon, aber so … ich weiß nicht. 🙄

  5. @rebhuhn
    Jupp, mir geht es besser. Ich habe den Rest der bösen Welt für 1,5 Tage einfach ignoriert.

    OT: hm, „weil kein Ende des Wegs sichtbar ist?“ In bunt sah die Allee irgendwie nicht so schön aus (klick)

  6. @ruediger
    hast auch irgendwie recht… in bunt isses nich‘ so. naja, ist ja auch sehr subjektiv, sowas alles :).

  7. Promoter in meinem bevorzugten Supermarkt wagen es gar nicht erst mich anzusprechen, weil ich immer so böse gucke! 👿

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