Daughtry in der Live Music Hall in Köln

Die beste Tochter von allen mag Chris Daughtry sehr, da lag es nahe ihr zum 19. Geburtstag ein Konzert mit Chauffeur (aka. moi) im relativ nahen Köln zu spendieren.

Wir waren einen Tuc zu spät, auch weil ich mich die Anfahrt betreffend ziemlich verschätzt hatte. So verpassten wir nur die nach Auskunft einiger Menschen vor Ort eine ziemlich lausige Vorband. Die Live Music Hall in Köln ist auf dem Gelände einer alten Fabrik in Köln Ehrenfeld, einer auch in der zunehmenden Dämmerung kaum einladenden Gegend *grusel* (sry liebe Kölner). Die Konzerthalle ist eine alte Werkhalle, arg notdürftig aufbereitet um den ‚urbanen‘ Charakter zu erzeugen. Gelungen? So richtig finde ich nicht, doch das ist wie so vieles Geschmackssache. An den beiden Flanken der Halle sind kleine Bars untergebracht, die in Abständen von gefühlten 10 Minuten mit frischen Getränken bestückt werden. Das ist deshalb sicher, da die Versorger ihre Kästen(!) mit Bier und Wasser über Kopf quer durch ganze Publikum trugen. Äußerst lästig für alle und bei weitem nicht angemessen für ein Konzert dieser Größe. Zudem hat man scheinbar vergessen eine Lüftung einzubauen, denn kaum das man die Halle durch zwei schmale Türen betritt, läuft man auf eine unsichtbare Wand auf (kein Scheiß jetzt, das hat sich für uns beide wirklich so angefühlt). Stickige verbrauchte Luft gepaart mit ca. 2.000(?) eng zusammenstehenden Menschen sind ein olfaktorische Offenbarung die ich nicht beschreiben kann, vor allem wenn man gerade von draußen kommt. Wie ist es da drin erst im richtigen Sommer? Es wurde auch nicht besser, nachdem die kleinen Eingangstore kurz vor Konzertbeginn geschlossen wurden. Alleine dafür gehört dem Veranstalter ein mächtiger Tritt auf die eigene Sitzfläche.

Chris fing also kurz nach unserem Eintreffen an, doch schon nach dem 3. Song war klar, da stimmt etwas nicht, wirklicher Spaß auf der Bühne sieht dann doch anderes aus, er scheint eher eine Art Programm herunter zu spulen. Die üblichen Sprüche was die Qualität des Publikums angeht kamen sehr schnell und ohne ernsthafte Glaubwürdigkeit (ja ich weiß auch das alle nur das sagen, was das Publikum an der Stelle hören will/muss, doch gibt es ausreichend Möglichkeiten es netter zu verpacken, als „OK, Punkt abgehakt. Nächster.“). Da hat er sich damals in der kleinen Batschkapp deutlich mehr Mühe gegeben. Und gelacht hat er damals auch, gestern war die Miene aus Stein (oder ich habe es nur nicht gesehen).

Weil wir zu spät waren, standen wir ganz am Ende der Halle, die mitgebrachten Ohrstöpsel kamen daher gar nicht zum Einsatz. Alle Titel waren weitestgehend astrein vorgetragen, das Mikrophon versagte mitunter bei mancher seiner lauten Töne, die Akustik und die Stimmung der Kölner in der Halle war bemerkenswert gut und doch machte sich bei mir immer mehr Unmut breit. Zum einen weil er einfach so, nach einem Song immer wieder mal kurz von der Bühne verschwand, die Bühne blieb dunkel und nichts passierte, dann weil er die Songs ohne viel drum herum wirklich herunter spulte. Das tat der Stimmung im Saal keinen Abbruch, was eindeutig für die Kölner spricht. Dennoch festigte sich mein Eindruck, dass er _nur_ Programm macht und nicht viel Spaß dabei hat. Ich verstehe, dass unter Umständen im Zuge einer längeren Tour sich eine gewisse Müdigkeit oder Routine einstellen kann, doch das darf nach meiner Auffassung einem Künstler nicht passieren. Die Leute kommen und zahlen extra, auch weil sie zur Musik noch den Künstler ‚erleben‘ wollen. Ich hoffe sehr, ihm passiert es nicht.

Nach nur 70(!) Minuten ging er nach einer mehr oder weniger kurzen Verbeugung von der Bühne, es gab keine Versuche des Publikums ihn wieder zurück zu klatschen, er gab auch freiwillig keine Zugabe, er hatte schlicht fertig. Auch das hatte er in der Batschkapp besser gemacht, vielleicht weil alle dermaßen gebrüllt haben, dass er nicht anders konnte. Vielleicht wollte auch er nur aus der Halle raus, was ich nur zu gut verstehen würde, denn wir standen quasi im eigenen Wasser. Für ein Konzert finde ich 70 Minuten Gesamtzeit jedoch sehr dürftig, auf der anderen Seite können Konzerte nie lange genug gehen. Richtig?

Vielleicht bin ich auch nur zu anspruchsvoll oder empfindlich. Es wäre schade, wenn sich da ‚komische‘ Allüren oder gar Verdruss abzeichnen. Für mich erwarte ich von einem Künstler dessen Konzert ich besuche, dass es sich augenscheinliche Mühe gibt mich zu unterhalten, mir eine gewisse Show zusätzlich zu Musik zu bieten, die man von der CD schon kennt. Das hat für mich gestern nicht durchgängig funktioniert. Wenn es nicht für die beste Tochter von allen ist, werde ich vermutlich so schnell kein Konzert mehr von ihm besuchen, den aus meiner Sicht verhunzten Gig nehme ich ihm übel.

Wichtig war uns letztlich, dass er die Lieblingssongs der besten Tochter von allen spielte, was er auch tat. (siehe thatblog auf Youtube: click / click / click / click). Die Musik selbst war und bleib einfach nur noch geil.

4 Gedanken zu „Daughtry in der Live Music Hall in Köln

  1. oh das tut mir für euch leid.
    70 Minuten ist nun wirklich etwas kurz und wenn der Konzertbesucher auch dann noch das Gefühl hat es wird ein Programm abgespult ist das noch doofer.
    Die Live Musik Hall ist so wie sie ist eigentlich eine nette Konzerthalle, vielleicht sehe ich das auch nur so wiel ich sie schon so lange kenne und viele tolle Konzerte dort erlebt habe :joydance:
    Ich hoffe ihr seid wieder gut nach Hause gekommen!

  2. Ich stimme Ihnen in allen Punkten zu und es ist zu hoffen, dass der Kuenstler einfach „nur“ einen schlechten Tag hatte.Auch ist schlechte Be-und Entlueftung bei Konzerten meiner Ansicht nach ein absolutes KO-Kriterium, das geht wirklich so garnicht.

  3. Ach schade. Ich kann’s nachvollziehen. Ich mag neben der (Live)Musik auch gerne den Künstler ‚erleben‘. (Vielleicht mit ein Grund weswegen ich Mark, die olle Rampensau, so liebe.)

    Wie hat’s denn der besten Tochter gefallen?

  4. @Bonafilia
    Muss nicht leid tun, die Musik um die es letztlich ja hauptsächlich ging, war prima. 😆

    @Anetaki
    Willkommen auf thatblog. Wollen wir hoffen, dass er nur einen schlechten Tag hatte. Es wäre schade wenn nicht. :pipe:

    @Katja
    An Mark musste ich auch denken. Für den wäre die Halle zu groß gewesen, aber so eine Art wie er hat mit dem Publikum zu spielen hätte ich mir in anderer Form hier auch gewünscht. Der Tochter hat es musikalisch gesehen sehr gut gefallen, wenn ich es auf das reduziere mir ja auch. :top:

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