Ich muss deutlicher sprechen – Akt 1

Die Gattin schickt mich zu ihrer Bank um Geld zu holen. Ich mag den Laden nicht sonderlich, die sind alle irgendwie so gekünstelt und hyper zuvorkommend, als wenn das die möglichen zukünftigen Einlagen erhöhen würde. Mich nervt das Gehabe nun mal und so meide ich die Filiale zu betreten, oder ich bin Online-Banking-geschädigt. Da wird man nicht belästigt mit „Sind sie interessiert an dies und das“, Nein? Dann vielleicht jenes oder selbiges“ Nein? Ach sie wollen nur Geld holen, ja aber vielleicht möchten Sie anschließend doch mal… *argh* Da liegt mir die Frage auf der Zunge“ Bitten sagen Sie mir doch endlich welchen Teil von Nein Danke sie nicht verstanden haben, damit ich Ihnen dieser ganz genau erklären kann.“ Aber die machen auch nur ihren Job, insofern werde ich stattdessen einsilbiger, das funktioniert auch, dauert nur länger.

Da ich die PIN des Kontos der Gattin immer noch nicht auswendig kenne, lege ich die EC-Karte hin und sage „Bitten zahlen Sie mir doch $Euro von dem Konto aus.“ Da ich maximal 2 Mal im Jahr dort bin (weil geschickt – meine Bank ist eine andere) kennt man mich demzufolge nicht und weil es eine überschaubare Filiale ist, wittert man hinterm Schalter sofort einen potentiellen Neukunden *sigh* und das Spiel beginnt. Wir spielen also ‚wir-hören-dem-Kunden-nicht-zu-und-arbeiten-das-einzigartige-unfehlbare-ablaufoptimierte-ergebnisorientierte Verkaufserfolgsgesprächsskript“ durch. Weil ich mich dennoch weigere von den tollen Angeboten zu partizipieren und auch gesprächserzeugende Notfragen durch freches Ignorieren einfach ausweiche, fragt sie mich endlich ernsthaft wobei sie mir denn helfen könne. Ich wiederhole meinen Satz von vorhin und sie beginnt dieses Mal sofort zu tippen. „Auf welches Konto möchten Sie denn $Euro einzahlen,“ fragt sie ganz beflissen und ignoriert souverän die vor ihr liegenden Kontokarte. „Nicht einzahlen, abheben, immer noch, bitte“ erwidere ich deutlich und lächle sie  gefährlich an. Sie wird leicht rot, entschuldigt sich, tippert wieder auf der Tastatur herum und fragt, wie viel ich doch gleich wollte. Ich kann es mir nicht verkneifen und so sage ich, dass weniger dummes Zeug fragen und mehr auf das Hören was der Kunde sagt noch niemandem geschadet hat. Ich wollte bitte endlich $Euro haben. Jetzt. Sie schaut sogleich wieder stur nach unten auf die Tastatur, tippert weiter und frage mich ohne aufzusehen in welcher Stücklung ich den Betrag haben wolle. Mir ist das einerlei und so beginnt kurz darauf die Maschine unter dem Tresen zu rattern. Sie legt mir $Euro vor, zählt und alles ist gut. Wäre da nicht ihre schnelle linke Hand, die aus dem scheinbaren Nichts einen Faltprospekt hervor zaubert, diesen schon aufgeschlagen auf den Tisch über(!) das Geld legt und mich fragt, ob ich denn nicht doch  interessiert … weiter höre ich nicht, ich wische den Infoplunder zur Seite, greife mir mein darunter liegendes Geld, drehe mich auf dem Absatz um und lasse sie mit einem laut vernehmbaren „Danke und auf Wiedersehen“ stehen. Ich muss unbedingt die PIN auswendig lernen. Un-be-dingt! *hmpf*

11 Gedanken zu „Ich muss deutlicher sprechen – Akt 1

  1. Die sind nicht so freundlich, weil du deine Einlagen erhöhen sollst, sondern weil sie froh sind, dass überhaupt mal jemand vorbeikommt! Allerdings wär’s ihr offenbar lieber gewesen, du hättest was eingezahlt! 😀

  2. Muss eine besonders „kundenorientierte“ Bank sein, bei der hiesigen Sparkasse musste man wegen jeder Kleinigkeit an den Schalter (und die entsprechenden Schlangen), dort kamen die gern in Smalltalk zu persönlichen Infobereicherung („oh, ihr Strom ist aber billig, ich brauch das auch“ oder „und, ist die Kita gut, wo sie hinüberweisen?“).. bloss gut, dass ich mich endlich zum Onlinebanking durchrang 🙄

    Aber ich bin erstaunt, dass du einfach per Karte an Geld kommst, braucht man da nicht eine Vollmacht oder so ? Sonst könnte doch jeder Dieb hingehen ? Oder ich die Karte von einer Verwandten mit dem selben Nachnamen schnappen und absahnen ?

  3. aus den im ersten Absatz erwähnten Gründen meide ich seit Monaten Shell Tankstellen.
    ob Kaffee und Brötchen, Vuvuzela oder Kontoeröffnung (ja, ich rede immer noch von den Tankstellen…), immer dieses blöde aufschwatzen-wollen, ätzend.

  4. @Mary Malloy
    Offensichtlich eine Bank die Geld nir so einfach herausgeben will. 🙄

    @Anne
    Willkommen auf thatblog. 🙂 // Vollmachten aye, haben wir. Der Rest macht ein Unterschriftentablett. :top:

    @noch ein Markus
    nicht umsonst habe ich den Artikel nummeriert. *hmpf*

  5. Kannst du den Passus ‚Bitte keine Nachfragen, keine Werbung, keine Beratung – nur Geld‘ nicht auf die Vollmacht mit drauf schreiben? Vielleicht können die Bankangestellten ja lesen (und man sollte doch hoffen, dass sie auch gucken, was in der Vollmacht drin steht), wenn sie schon nicht zuhören. 😀

  6. @Katja
    Ich glaube man könnte eine BaseCap mit dem Text tragen, es würde das Personal nicht weiter tangieren => follow the Script for success. Es scheint, als wenn die Unternehmensberater dieser Welt die eigentliche Weltherrschaft schon lange inne haben (sorry Fellmonsterchen). Eine wirksame Methode der Abschottung könnten noch die Kopfhörer vom iPod sein. 😀

  7. Dass „sie“ nicht zuhört, ob Du einzahlen oder abheben möchtest, geht nicht. So was muss man sich schon merken. Der Rest … ich sag’s nicht gerne und es kommt auch auf die Bank an, aber die sind verpflichtet, das zu tun. Ob der Kunde das will oder nicht. Wenn Sie Dir nicht auf den Keks gehen, gibt’s einen Anpfiff und unter Umständen ist auch die nächste Gehaltserhöhung in Gefahr. Die meisten Vorstände sind am Umsatz und nicht am Kunden interessiert. Und da es bei vielen die gleiche Geschäftspolitik gibt, kann man kaum wechseln. :donno:

    Da lob ich mir doch meine VoBa. Die ist zwar etwas weiter weg, wird aber recht altmodisch geführt. Nämlich im Kundeninteresse. Noch! Wer weiß, was beim nächsten Personalwechsel passiert. :critic:

  8. @Cassy
    Das ist sicher so. Ähnliches erlebt man ja auch in Schuhläden und deren Imprägnierungsprodukten, gerade oder in der nassen Jahreszeit.

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