Ein Schritt hinterm Zielstrich

Vorgestern lies es sich der finnische Chef ob des positiven Abschluss des Projekts nicht nehmen uns auszuführen. Er brachte uns zu einem Restaurant, auf einer kleinen Insel ein Stück vor Helsinki die nur per Boot erreicht und wieder verlassen werden kann. Alle 15 Minuten tuckert eine kleine Holzfähre um Gäste zu holen oder zu bringen.

Eine kleine erzählerische Rundfahrt während der Wartezeit um Helsinki inklusive, spannende Sache das. Ein sehr lauer Sommerabend schön warm und gemütlich auf der Haut, eine leichte Meeresbrise, die Sonne entscheidet sich lange nicht, ob sie untergehen oder lieber noch etwas sichtbar möchte, ein Ort zum versinken im Ausblick, dem Meer, dem Knarren des uralten Holz auf der Treppe, dem leisen Quietschen von Metall vom Bootshaus, diesem runden rauen Felsen auf denen auf wundersame Weise stellenweise Pflanzen wachsen, den Möwen über dem Dach und den persönlichen Stimmungen die das alles in Summe verursacht.

Das Restaurant ist ein Traum und von der ganz besonderen Sorte. Um mit seinem Nachbarn reden zu können muss man sich überdeutlich zur Seite lehnen, weil man so viel Platz hat, der nächste Nachbartisch ist 3 Meter weit weg, die Servietten sind aus schwerem Stoff und doch weich wie Seide, Kerzen flackern am vertikal gekippten Fenster, die Karte ist ein 2 seitiges handgeschriebenes(?) Kunstwerk, die Stühle sind kleine Sessel, alles drum herum ist Holz riecht und klingt auch so wenn der Wind etwas auffrischt.

Jeder der 4 Gänge wird von einer anderen Person begleitet, die einem Details dazu erzählt, während die Teller von anderen auf dem Platz drapiert (ganz bestimmt nicht gestellt) werden. Die finnische Aussprache gepaart mit der englischen Sprache ist eine sehr sympathisch klingende Mischung, selbst wenn nicht alles so flüssig und richtig herüber kommt. So springt Frau ins finnische und wird rot als sie es merkt, wiederholt eilig alles in englisch, verhaspelt sich dabei hemmungslos und lacht es letztlich einfach weg, irgendwie wieder typisch finnisch.

Und weil die Herrschaften den Getränken zugesprochen haben und die Strafen der finnischen Polizei auch bei nur minimalem Alkohol extrem gesalzen sind, bin ich später gefahren, in einem fremden Auto in einer fremden Stadt, deren Schilder ich zwar lesen aber nicht verstanden habe. Dabei darf ich feststellen, dass der Finne ein extrem disziplinierter Verkehrsteilnehmer ist und auch, dass die finnischen Straßenschilder (in rot-gelb) besser zu erkennen sind als unsere (weiß-rot). Die Disziplin mag auch am Strafsystem liegen, denn die Zahlungen sind abhängig vom Verdienst des letzten Jahres. Nach Erzählung kommt es so problemlos zustande, dass ein Strafzettel wegen Alkohol mal schnell 1.500 € kosten kann.

SO einfach ist es aber nicht zu fahren, auch weil Helsinki Zentrum zum Großteil noch Kopfsteinpflaster als Straßenbelag hat. Den Weg zur Bierbar habe ich dann doch noch gefunden, auch oder obwohl die Beifahrer alles versuchten mich in die Irre zu führen. Während ich später bei dem Hahn No.5 ausgestiegen bin, haben meine Kollegen dann alleine die Reihe wohl (annähernd?) komplettiert. Der nächste Tag war sowieso nur aufräumen und komplettieren angesagt, da brannte nichts mehr an.

7 Gedanken zu „Ein Schritt hinterm Zielstrich

  1. Herzlichen Glückwunsch zum guten Projektabschluss. :top: Oder wie sagt man das in der Branche?

    Gibt es hier nun häufiger so schöne Berichte aus fernen Landen, in die Dich Dein Chef in Zukunft schicken wird? 8)

  2. @Rabenhaus
    merci. öhm, ich weiß gar nicht ….. Projektabschluss klingt mir zu wenig englisch, die Branche mischt ja sehr gerne, passiert mir ja auch oft genug. Die Einführung nennt man GoLive, bei einem anderen Unternehmen nannte man den Abschluss „BeLive“, wir haben indes nur ‚fertig‘ gemeldet. // Der Chef mag schon in noch mehr Länder auftauchen, im Moment hätten wir nur Wien noch im Angebot, GoLive jedoch wurde vor meiner Zeit gemacht. Man muss abwarten. 🙂

  3. naja, vielleicht gibt es ja bald ein change request – und du musst wieder hin.
    klingt grundentspannt, dein bericht
    und auch hier noch einmal herzlichen dank für deine finnischen .jpg-mitbringsel :top:

  4. Toller Bericht, so ganz insgesamt von deinem Finnlandaufenthalt und speziell in diesem Restaurant (und auch im Pub) wäre ich ja liebend gerne dabei gewesen. Das liest sich nach einer so angenehmen Atmosphäre. Ich freue mich mit dir über’s BeLive und dass Helsinki dir noch soviel mehr als Arbeit gegeben hat! Danke für’s Mitnehmen! :hug:

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