Könnten Sie mal

bitte den Schal zur Seiten nehmen? So sprach mich eine etwas zu grell angemalte Dame in der Hemdenabteilung im Karstadt an. Warum sollte ich das bitte tun, fragte ich zurück. Weil sie sehen möchte wie mein Hals ist, ich hätte ungefähr die Statur Ihres Mannes und auch die Figur, sie wisse nicht so recht ob das Hemd das sie ausgesucht hat, auch passt. Dabei hebt sie es etwas hoch, damit ich es sehen kann. Öhm …. ich tue ihr den Gefallen. Sie schaut meinen Hals an, dann das Hemd. Und? frage ich. Sie flucht leise. Scheinbar also nicht. Ich frage sie, welche Größe es ist. Sie hat 42 ausgesucht. Das ich meiner Auffassung nach zu eng, 43 wäre besser, wenn es tallierte Hemden sind, eher 44. Da sie ein tailliertes Olymp hoch hält, würde ich doch eher ein 43 wählen. Falls es ihm nicht passt, solle er 5 Tagen fasten, dann passt es. Sie lacht mich herzlich an. Wir schwätzen dann noch über passende Krawatten zu anderen Hemden, die sie im Arm hat und so gehen wir für eine kurzen Zweit gemeinsam für ihren Mann shoppen und quasseln ein wenig und dies und das. Sie ist ein wenig zu redselig aber sehr nett. Nebenbei finde ich auch ein paar neue Hemden und wir schlendern zu Kasse.

Wo denn meine Frau wäre fragt sie mich als wir an der Kasse stehen? Ich bin alleine unterwegs, die Gattin wäre nicht dabei, weil auch sie unterwegs wäre. Sie ist sehr verwundert, ein Mann der alleine einkaufen geht und auch noch weiß wie und was und überhaupt. Sie wünschte ihr Mann wäre etwas mehr daran interessiert was er anziehe und würde sich nicht immer darauf verlassen, dass sie schon das Richtige aussuchen würde. Er hätte nie Zeit zum einkaufen, er wäre immer irgendwie eingebunden, andauernd die Jagd, dort ein Verein und hier noch einer, da Sitzung und dort Vorstand, es wäre schrecklich just um diese Jahreszeit. Ich solle meiner Frau doch ausrichten, sie möge auf mich aufpassen. Dabei tätschelt sie meinen Unterarm in dem ich meine Beute halte. Sie bedankt sich noch einmal und will mir zudem noch einen Kaffee kaufen, weil ich ja meine Zeit für sie geopfert hätte. Ich lasse mich nach etwas zögern dann doch breit schlagen, doch auf dem Weg zur Cafeteria klingelt ihr Telefon und sie muss leider vorzeitig weg, er möchte bitte jetzt abgeholt werden. Auf ein anderes Mal winkt sie mir zum Abschied zu. So etwas kann auch nur mir passieren.

4 Gedanken zu „Könnten Sie mal

  1. Wenn ich Zeit habe, bin ich für solche Begegnungen auch offen. Es ist einfach schön, nur mal ein Schwätzchen zu halten. Und neue Leute kennen zu lernen – selbst wenn es nur für einen kurzen Zeitraum ist -, finde ich sowieso spannend.

  2. Ein Mann, der auf die Jagd geht und sich in Verein, Vorstand und Sitzung zeigen muss, braucht definitiv viel und qualitativ hochwertige Kleidung. :donno:
    Was bin ich so froh, dass ich nicht für meinen Göttergatten einkaufen muss … :top:
    Aber solche Gespräche im Alltag machen einen wieder aufmerksam auf unsere Mitbürger und die unterschiedlichen Lebensstile bzw. Umstände – ich bin nie abgeneigt, ein unverbindliches Gespräch im Kaufhaus/beim Bäcker/im Zeitungsladen zu knüpfen. Wahrscheinlich bin ich sozial noch nicht so versteinert wie ein Großteil der Leute, die mit eiskalter Miene schweigen und sich desinteressiert abwenden … 😉

  3. @Charisma
    Von dieser Konstellation, also Ehefrau kauft Kleidung für den Gatten ein, muss es wohl eine ganze Menge geben, wenn ich mir so manchmal die alleine herumwuselnden Damen in den Herrenabteilungen der Warenhäuser so vor Augen führe. :donno:

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