Menschen, die Wärme nicht aushalten

Der Parkplatz ist glücklicherweise schnell gefunden. Um die Uhrzeit in der Dotzheimer Strasse ist das wie das oft beschworene Goldkorn im Rambach. Der Koffer mit der Cordoba ist aus dem Auto geholt und ich mache mich auf den erfreulich kurzen Fussweg zur Lehrerin. Dazu muss ich eine Strasse überqueren. Ich stelle mich an den Fussgängerüberweg und warte auf die Möglichkeit loszugehen, ohne dabei überfahren zu werden.

Ich höre Schritte hinter mir und kurz danach schlägt etwas ziemlich grob an meinen Gitarrenkoffer. Der Koffer schwingt nach vorne, ich halte ihn am Griff zurück. Dann drehe ich den Kopf und schau nach hinten um in das unnatürlich gebräunte Gesicht eines gleichgroßen Mannes zu sehen. Sein Blick ist etwas wirr, er steht ca. eine Armeslänge von mir entfernt. Seine blonden Haare sind sauber gescheitelt, bunte Hemdsärmel mit messerscharfen Bügelfalten, Silberkettchen um den Hals, auf den ersten Blick wirkt er unsympathisch. Ich drehe mich wieder zum Übergang und halte Ausschau nach der Lücke, als der Koffer wieder wackelt, dieses Mal mehr wie zuvor und mit dem deutlich vernehmlichen Patsch (s)einer Hand. 

Ich drehe mich um und herrsche ihn an, er soll das sein lassen. Er schaut erstaunt und amüsiert, ich drehe mich wieder nach vorne. Der Koffer schlägt wieder nach vorne. Das kann jetzt gleich ekelig werden, aber bitte keiner schlägt auf den Koffer außer mir. Deswegen drehe ich mich schnell vollends zu ihm, stelle den Koffer auf den Boden und frage überlaut wohin er die Schelle haben will die er gleich von mir bekommt, weil noch einmal schlägt er mir nicht auf den Koffer. Er weicht zurück, ich mache den Schritt hinterher. Meine Arme gehen nach oben, nur zur Sicherheit. Er sieht es und weicht weiter zurück. Sein Blick wechselt von amüsiert zu erstaunt.

Ich folge weiter und peile zur Sicherheit schon mal seine Schläfe an, links kurz täuschen dann rechts voll drauf. ……… Moment, was mache ich denn da? Ich lasse mich von einem Chaoten reizen und will ihm dafür auch noch eine verpassen? … Ja sicher ist es warm und ja, mein Tag war auch nicht dazu geeignet um einen Baum zu tanzen und Hosianna zu singen, aber …. Mein Gegenüber hat mein Zögern genutzt und hat weiter Abstand zu mir gewonnen als er mich anschreit, was verdammt nochmal mein Problem wäre. Hä?

Er droht mir sogar mit einem plötzlich in der linken Hand erscheinenden Regenschirm. Ich habe meine Uhr derweil schon ausgezogen, so das er es sieht und sage, das er mir gegen den Gitarrenkoffer getreten hat und ich keine Lust habe ihm Schwachkopf das zu erlauben. Er dreht sich um und geht schnellen Schrittes weiter weg von mir, dreht sich wieder zu mir und schleudert mir wüste Beschimpfungen und Beleidigungen entgegen. Ich lasse ihn ziehen und gehe meines Weges zum Unterricht.

4 Gedanken zu „Menschen, die Wärme nicht aushalten

  1. Ich find´s immer wieder erstaunlich, wie Du mit solchen Situationen umgehen kannst. Mir rauscht in solchen Momenten (im obigen Beispiel schon nach dem ersten Schlag auf den Koffer) das Adrenalin so laut in den Ohren, dass ich kaum einen Ton rausbekomme.

  2. @Silencer
    merci, mein Adrenalin rauscht ja auch, aber der alte Polizist in mir hat das irgendwie unter Kontrolle. Was hilft es sofort loszulegen, wenn man noch gar nicht weiß was denn genau Sache ist. 😉

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